Ruth Dürrenmatt


Ruth Dürrenmatt trägt einen grossen Namen. Den ihres berühmten Vaters, des Schriftstellers Friedrich Dürrenmatt.
Ruth studierte Gesang und bildende Kunst. Sie komponiert, zeichnet und schreibt.
Zeiten der Aufruhr
Zuerst war ich entsetzt, die Angst griff nach mir wie ein hungriges wildes Tier, danach fing ich an zu zweifeln. Denn die von der Politik ergriffenen Massnahmen, finde ich, seien nicht angemessen. Das ist meine Meinung. Auch sind diese aufgezwungenen Einschränkungen, die jetzt immer noch nicht aufgehoben wurden, für mich fast nicht tragbar.
Nicht alle Menschen sind gleich, und es wurde viel über die Solidarität gesprochen.
Doch alles, was dieses Wort für mich bedeutet, ist, dass man sich jetzt beugen muss und seine eigene Meinung nicht äussern sollte.
Vor allem bemerkte ich aber, dass man die anders denkenden Bürger*innen sofort als Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme bezeichnete.
Diese Haltung lehne ich ab, denn wenn man so etwas tut, stimmt einfach etwas nicht. Was mich am meisten erstaunte, war, wie leichtgläubig viele Menschen waren, insbesondere den Medien gegenüber.
2019 war für mich die Freiheit ein Begriff, der in uns selbst stattfinden musste.
Für mich gibt es äusserliche Freiheiten, die durch Gesetze begrenzt sind. Auf der anderen Seite gab es die freie Meinungsäusserung. Jeder hatte das Recht, seine Meinung zu haben.
Ab 2020 änderte sich alles für mich. Die Freiheit ist nicht nur ein Traum, sie ist mehr als nur ein Wort, denn durch sie können wir uns verwirklichen.
Es ist viel mehr als nur eine Möglichkeit, unsere Bedürfnisse zu befriedigen. Sie gibt uns die wahre Verantwortung über unser eigenes Leben.
Wenn man sie uns nimmt, werden wir degradiert zu unverantwortlichen Tieren. Es wird uns gesagt, dass man jetzt auf gewisse Rechte zu verzichten hat. Zugunsten anderer, die schwächer sind als die Gesunden, also die Älteren. Dagegen habe ich eigentlich nichts, aber ich wehre mich gegen ein aufgezwungenes Opfer. Für mich ist das Diebstahl aus moralischen Gründen.
Ich bin ein Mensch, der allein lebt, ich habe Freunde, die mir sehr lieb sind, und natürlich habe ich auch eine Familie, in die ich geboren wurde. Ich bin ein sehr beschäftigter Mensch, obwohl ich 70 Jahre alt bin, und arbeite noch immer als Künstlerin, Malerin und Musikerin.
Den Freitagabend geniesse ich gewöhnlich, indem ich ausgehe. In gute Restaurants mit Freunden, mit denen ich über Gott und die Welt nachdenken kann. Das fehlt mir sehr.
Mit anderen zu telefonieren ist sehr schön, aber niemals dasselbe, wie wenn man sich in die Augen sehen kann.
Es fehlt diese gewisse Energie, die man spürt, wenn man gemeinsam in einem Restaurant sitzt. Restaurants sind für mich ein wichtiger Teil unserer Kultur. Und das vermisse ich sehr.
Diese Zeit, sie verändert alles! Gerade ältere Menschen sollten doch nicht immer allein sein. Die jungen Menschen können uns Seniorinnen und Senioren so viel zeigen und beibringen, ach, wie sehr bewundere ich die Energie der Jungen. Aber die Enkelkinder dürfen ihre Grosseltern nicht mehr besuchen, weil Letztere geschützt werden müssen. Wir verzichten aus Liebe und Fürsorge. Umarmungen sind jetzt plötzlich „unhygienisch“, der Atem „unrein“, sogar die Kinder dürfen nicht mehr frei atmen. Ja, wir leben nun in einer sterilen, sauber gehaltenen Welt, in der wir den Kindern verbieten, auf den Spielplatz zu gehen. Wir testen und testen – und wer dagegen spricht, ist ein Covid-Idiot. Was für eine feine Gesellschaft.
Ich habe ein Bild in meinem Kopfe und auch einen Satz, den ich gelesen habe. Der Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau sagte sinngemäss: „Ich lebe lieber ohne Sicherheit, aber frei.“ Er spricht mir aus meiner Seele! Ich habe ein Bild in meinem Kopfe, wie ich die Unfreiheit sehe: Ein Mensch sitzt in einem Käfig, der aussieht wie ein Hundekäfig. Der Mensch glaubte einst, er sei kein Tier. Doch nun? Ist das Virus frei und knechtet uns. Und die einzige Hoffnung ist der … Tod?
Danke, du gute Gesellschaft, dass du mir diese ach so tolle Perspektive gegeben hast.