Die Kaschmir Prinzessin

Text: Claudia Gabler
Fotos: BNP Press

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LD73 – Mag

In der Mongolei leben 3.1 Millionen Menschen – und 20 Millionen Kaschmirziegen, die von nomadischen Hirten wohl behütet werden. Die Temperaturschwankungen der mongolischen Steppe von -40 bis zu +40 Grad führen zu einem natürlichen Wachstum der flaumigen Unterwolle der Ziegen. Die perfekte Grundlage für die Entstehung feinster Kaschmirwolle – und das Business von Temuge.

Weite Landschaft, offene Steppen, ewig blauer Himmel, der Geist der Nomaden. Das ist die Mongolei. Von hier stammt die schmeichelweiche Kaschmirwolle. Und die bildhübsche Temuge. Die Unternehmerin lebt den Traum ihrer Eltern weiter, authentischen Kaschmir, würdig produziert, modern verarbeitet zu exportieren.

 

Ladies Drive: Was bedeutet der Name Temuge?

Temuge ist der Vorname von Dschingis Khans jüngerem Bruder. Früher haben Eltern ihren Kindern Namen historischer Helden der mongolischen Geschichte gegeben. Es ist ein männlicher Name und nicht sehr verbreitet. Ich liebe diesen Namen, weil die Mongolen glauben, dass der Name mit der Würde und dem Schicksal verknüpft ist.

Wo bist du aufgewachsen?

Ich bin in Ulaanbaatar, der Hauptstadt der Mongolei, aufgewachsen. Als ich jung war, waren meine Eltern in staatlichen Fabriken beschäftigt. Ich verbrachte die meiste Zeit mit meinen Grosseltern, weil sie jeden Tag von 6 bis 23 Uhr gearbeitet haben.

Welche ist deine schönste Kindheitserinnerung?

Eines Morgens wurde ich vom Regen und dem Geruch von Feuchtigkeit geweckt. Wegen der starken Regenfälle in der Nacht gingen die Grosseltern nicht in den Gemüsegarten. Als sie das Frühstück vorbereiteten, redeten sie sehr freundlich und liebevoll miteinander. Ich habe dieses Gespräch heimlich im Bett gelauscht. Ich kann mich nicht erinnern, worüber sie gesprochen haben, aber ich wusste, dass meine Grosseltern sehr glücklich waren. Ich habe diesen Glücksmoment nie vergessen.

Wie hast du dir als Kind deine Zukunft vorgestellt?

Mit meiner Oma ging ich oft ins Museum. Als Kind habe davon geträumt, Künstlerin zu werden. In meinen Teenagerjahren wurde mir klar, dass die Entwicklung eigenen Geschäfts der richtige Weg sein würde. Ich studierte Betriebswirtschaft, um die Probleme im Unternehmen zu lösen. Als Studentin habe ich mich auf den Bereich «Operations Management» spezialisiert.

Wie entstand euer Kaschmir und Knitwear Business?

Meine Mutter absolvierte ihr Studium als Modedesigner und Textilingenieurin in der ehemaligen Sowjetunion. Nach dem Studium arbeitete meine Mutter als Ingenieurin bei der Gobi Corporation, dem grössten Kaschmirproduzent der Mongolei. Später ist sie Abteilungsleiter in der Firma geworden und träumte von ihrer eigenen Produktion. Sie kaufte eine Strickmaschine und begann mit der Heimproduktion. Mein Vater hat mitgemacht. So wurde unser Firmenfundament geschaffen.

Wann bist du in das Unternehmen eingestiegen?

Vor drei Jahren. Damals herrschte eine grosse Wirtschaftskrise auf dem russischen Markt, der unser Hauptmarkt ist. Der Umsatz ging aufgrund der nachlassenden Kaufkraft zurück. Damals arbeitete ich in einem Beratungsunternehmen und entschloss mich, meine Eltern zu unterstützen. Einerseits war es meine Pflicht und andererseits meine Leidenschaft.

Was waren die grössten Herausforderungen?

Die grösste Herausforderung sind die fehlenden Fachkräfte. Die Mongolei ist prädestiniert für die Kaschmir- und Wollproduktion. Viele Kaschmir- und Wollfirmen kamen auf den Markt und bieten Produkte in guter Qualität an.

Wo liegen die grössten Chancen für deine Firma?

Obwohl 40% des weltweiten Rohkaschmirs aus der Mongolei kommen, ist das Angebot an Kaschmirprodukten geringer als in China, Grossbritannien und Italien. Wir haben sehr grosses Potenzial, wenn wir im Land Mehrwert schaffen und Kaschmirprodukte exportieren. Hierfür müssen wir in der Lage sein, Kapazitäten aufzubauen, das Management zu verbessern, Fachpersonal auszubilden, innovative Maschinen und Anlagen zu beschaffen, das Produktdesign und die Qualität zu optimieren sowie das Unternehmenswachstum zu fokussieren.

Ihr wurdet von der Schweizer Stiftung BNP unternehmerisch unterstützt. Welche Rolle spielt BPN beim Wachstum von „Munkh Cashmere“, deiner Marke?

Unser Unternehmen nimmt seit vier Jahren am KMU-Förderungsprogramm von BPN teil. Die Experten haben uns in der Wirtschaftskrise mit der Etablierung effizienter Abläufe und Restrukturierungsmassnahmen unterstützt. Wir sind sehr dankbar, dass wir rechtzeitig und in schwierigen Zeiten ins BPN Programm aufgenommen wurden. Wir haben laufend an den betriebswirtschaftlichen Seminaren teilgenommen und wurden individuell gecoacht. Wir haben das gelernte Wissen und verschiedene Werkzeuge erfolgreich in der Praxis umgesetzt. Rückblickend denke ich, dass diese Seminare sehr wichtige Erfolgsfaktoren für das Wachstum der Firma sind.

Was hat dir am meisten geholfen in der Zusammenarbeit?

Die Seminare von BPN sind sehr effizient und praxisorientiert. Sie vermitteln nicht nur betriebswirtschaftliches Wissen, sondern auch ein tiefes Verständnis für unser Handeln. Die Referenten sind hoch qualifiziert und ihre Erfahrung sehr wertvoll für uns. Der Lehrplan ist exakt auf uns ausgerichtet. Wir danken dem BPN-Team, das unserem Unternehmen geholfen hat, unser Wachstum in die richtige Richtung zu steuern.

Was wünschst du dir für die Zukunft?

Ich merke jeden Tag, dass die Firma MUNKH nicht nur für mich oder meine Familie wertvoll ist, sondern auch für meine Mitarbeiter. Wir wachsen zu einer Familie zusammen, freuen wir uns, dass sich die Beziehung zwischen uns von Tag zu Tag vertieft und sind stolz darauf, was wir zusammen erreicht haben. Wir wollen nicht nur auf Wachstum und Gewinn achten. Wir wollen ein Unternehmen sein, das einen positiven Impact auf unsere Mitarbeiter und ihre Familien hat.

 

ÜBER BNP

«Wir haben verschiedene Seminare besucht, aber keines war so effizient wie die Ausbildung bei BPN», so die Cashmere-Unternehmerin Temuge. Das Ergebnis ist eindrücklich: In den letzten vier Jahren konnte Munkh Cashmere von 25 auf 45 Mitarbeiter aufstocken und den Umsatz verdoppeln. Ein grösseres Sortiment, gezielte Marketingmassnahmen und die richtige Wachstumsstrategie, welche mithilfe von BPN ausgearbeitet wurden, haben zu Exporterfolgen in Europa, Japan und Korea geführt.

BPN fördert seit 20 Jahren KleinunternehmerInnen wie Temuge und baut damit dauerhafte Brücken zwischen Schweizer Know-how und Entwicklung vor Ort. Infos zu den Unternehmenspatenschaften: www.bpn.ch

 

Link zu Temuge: https://www.munkhcashmere.com/en/


 

Veröffentlicht online am 20 Dez., 2019

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