Salome Burki: Die Kraft der Verletzlichkeit

Interview: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Tabea Hüberli

Ladies Drive No. 73. Salome Burki: Die Kraft der Verletzlichkeit
Ladies Drive Bargespräche – Vol.80

LD73 – Mag

Aufgewachsen mit drei Schwestern, sportbegeisterten Eltern und ungewöhnlich viel Freiheit in einem alten Steinbruch bei St. Niklaus im Kanton Solothurn, lernte Salome Burki früh, was Bewegung bedeutet – körperlich wie mental.

Bereits mit sechs Jahren stand sie erstmals am Start eines Triathlons, eine Leidenschaft, die sie über zwei Jahrzehnte prägte und bis zu Teilnahmen am legendären Inferno Triathlon führte.

Doch der hohe Anspruch an sich selbst hatte seinen Preis: Verletzungen, Unfälle, Erschütterungen – schliesslich ein Burn-out. Weitere biografische Brüche, darunter einschneidende Erlebnisse auf Reisen, zwangen sie zum Innehalten. Salome Burki begann früh, alternative Wege zu gehen, suchte Heilung jenseits klassischer Methoden und entwickelte eine tiefe Verbindung zwischen Körper, Geist und Natur.
Besonders prägend war der Verlust ihrer Schwester, der international bekannten Musikerin Eliana Burki, deren Tod sie nicht nur persönlich bis ins Mark erschütterte, sondern ihre Vorstellung von Resilienz und Selbstliebe komplett neu definierte.
Achtsamkeit, Bewegung, Naturheilkunde und mentale Stärke wurden für Salome Burki zu tragenden Säulen – auch in Zeiten persönlicher Verluste, die ihr alles abverlangten. Heute be­­­gleitet sie Menschen in herausfordernden Lebensphasen. Ihr Leitsatz und Motto: Fortschritt durch Bewegung.
Ein bewegendes und ehrliches Gespräch über Resilienz, Selbstliebe, Verletzlichkeit und die Kraft, die eigene Geschichte neu zu schreiben.

Ladies Drive: Hat die Trauer um deine berühmte Schwester Eliana Burki deinem Leben eine andere Richtung gegeben?

Salome Burki: Ja, auf jeden Fall. Sie war meine Herzensschwes­­ter – unsere Verbindung fühlte sich so an, als wäre sie meine Zwillingsschwester, und wir waren beste Freundinnen. Ich habe sie während ihrer Krankheit ein Jahr lang intensiv begleitet. Ich konnte nicht glauben, dass sie mit diesem Hirntumor nur ein Jahr zu leben hat. Wir haben wirklich nichts von ihrem Hirntumor bemerkt – die letzten zwei Wochen vor der Geburt ihres zweiten Kindes, Frances-Lee, hat sie nur gesagt, dass sie Kopfschmerzen hat und müde ist. Unmittelbar nach der Geburt kam dann alles ans Tageslicht. Zu Beginn war ich zu­­­tiefst erschüttert. Aber jetzt kann ich sagen, dass ich weicher geworden bin. Sie hat immer gesagt, dass sie eine Härte in mir spürt. Ich kam aus dem Leistungssport, habe Triathlon gemacht und war ehrgeizig. Ich glaube, sie hat diese Härte zu mir selbst ein Stück weit mitgenommen. Jetzt bin ich sicher bewusster am Leben. Ich liebe mich selbst und bin dankbarer. Ich habe gelernt, viel offener zu kommunizieren. Es fühlte sich plötzlich wie eine Superkraft an: Kommunikation kann so viele Probleme aus der Welt schaffen. Aber als sie ging, war eine Hälfte weg – eine grosse Lücke war plötzlich da. Unterdessen spüre ich, dass ein gewisser Teil ihrer Energie auf mich übertragen wurde. Ich handle öfter so, wie sie reagiert hätte.

Angesichts der Tragödie in Crans-Montana – darf ich dich fragen, wie man weitermacht, wenn man das Gefühl hat, man finde weder die richtigen Worte, noch weiss man überhaupt, wie es weitergehen soll?

Weisst du, meine Schwester war extrem mutig – Aufgeben gab es nicht bei ihr. Das versuche ich mir zu Herzen zu nehmen. In unserem letzten gemeinsamen Jahr pflegte ich mit meiner Mama nicht nur meine Schwester Eliana, sondern kümmerte mich auch um ihre dreieinhalbjährige Tochter Nala und das Neugeborene Frances-Lee. Man sagt immer, Zeit heilt alle Wunden – aber für mich ist eine gewisse Leere geblieben. Und jetzt, wo ich seit ihrem Tod zum zweiten Mal schwanger bin, ist alles sowieso gerade wieder sehr emotional. Ich freue mich immer auf die Nacht, weil meine Schwester jede Nacht in meinen Träumen bei mir ist. Aber ich habe nie aufgehört, sie wie verrückt zu vermissen. Die Wut darüber, dass sie nicht mehr da ist, ist gegangen. Geblieben ist die Dankbarkeit für unsere tiefe Verbundenheit und all die unzähligen gemeinsamen Erlebnisse.

Wie wird man wieder ganz, wenn so etwas passiert ist?

Dieses Unbeschwerte, das ich vorher hatte – ich frage mich, ob ich das je wieder so erleben werde. Ich habe wieder gelernt zu lachen. Eine innere Freude zu empfinden. Aber ich bin nicht mehr so unbeschwert wie vorher. Oder: noch nicht.

Du bist Triathletin und bist national mitgelaufen. Weshalb hast du aufgehört?

Ich hatte einige Verletzungen. Und dann gab es einen Vorfall in Australien. Ich wurde vergewaltigt, habe es erst niemandem erzählt, ausser Eliana natürlich, die mich besucht hat. Zurück in der Schweiz, wurden die Schmerzen unerträglich, sodass ich notfallmässig fast neun Stunden operiert werden musste. Die Ärzte haben mir gesagt: nie mehr Sport. Und fügten noch hinzu, ich hätte keine Chance mehr, schwanger zu werden. Und dann kam exakt ein Jahr nach dem Tod meiner Schwester mein erster Sohn Elliot auf die Welt. Eliana hat immer gesagt, dass ich einmal Kinder haben werde. Sie hat recht behalten. Manchmal kann ich kaum glauben, dass ihr Tod schon zweieinhalb Jahre her ist. Meinen Partner habe ich während Elianas Krankheitsjahr in einem Italienischkurs kennengelernt.

Eine Lücke darf ja auch bleiben. Der Schmerz darf Raum haben, weil er einfach so existent ist, dass man ihn nicht negieren kann. Und diesen Schmerz wegzusperren, ist nicht schön – aber er darf im eigenen Haus einen Raum haben.

Das stimmt. Ich vermisse sie in so vielen Dingen und habe einfach das Gefühl, dass wir wie Seelenverwandte waren.

Du hast vorher eigentlich etwas ganz Schönes gesagt: Ihr Tod hat dich weicher gemacht.

Meine ganze spirituelle Seite hatte ich immer einfach weggepackt, weil ich das Gefühl hatte, dass Verletzlichkeit schwach macht. Meine Schwester hingegen war immer weicher. Sie hat mir immer vorgeworfen, dass ich so streng mit mir selbst bin – das kam einfach von der Disziplin, die ich mir im Leistungssport angeeignet hatte. Heute muss ich mir viel weniger beweisen. Ich lasse mich auch nicht mehr von fremden Ambitionen leiten. Und auch in Konflikten bin ich nachgiebiger geworden. Ich mag die Energie eines Konflikts nicht mehr so lange in meinem Leben behalten – ich kann das alles besser loslassen. Ich kommuniziere überlegter und kann mich besser abgrenzen, was mir früher nicht gelungen ist. Heute kann ich besser verstehen, was wirklich nötig ist, welche Konflikte sein dürfen – und welche einfach nicht sein müssen. Und ich habe gelernt, mich selbst zu lieben.

Ich kriege gerade Gänsehaut. Du beschreibst das so schön …

Wir haben in der Öffentlichkeit kaum jemandem von Elianas Krankheit erzählt, weil wir wussten, dass sonst der Medienrummel losgeht. Sie war sogar unter einem anderen Namen auf der Intensivstation und im Krankenhaus. Ich versuchte auch, normal weiterzuarbeiten. Ich war so ausgelaugt – das habe ich aber erst später bemerkt, vorher habe ich einfach nur funktioniert. Ich konnte nicht mehr so weitermachen, mir fehlte die Kraft, die Energie. Und in diese Leere kam die Selbstliebe. Ich habe tatsächlich während dieser Zeit gelernt, lieb mit mir selbst zu sein. Zu wertschätzen, dass man gesund ist, keine Schmerzen hat, hier sein darf. Und alle schlechte Energie aus dem Leben zu verbannen. Und vor allem auch das zu ändern, was man selber ändern kann, und die Energie nicht für Dinge zu verschwenden, die man nicht ändern kann.

Inwiefern haben das Erlebte und die neu dazugewonnene Selbstliebe auch dein Business verändert?

Ich war schon immer sehr ganzheitlich unterwegs. Als Kind wollte ich Naturärztin werden. Mein Vater ist Schulmediziner – Medikamente und klassische Medizin waren nie mein Ding. Meine Schwester war so wie ich. Deshalb hat uns ihre Krankheit so sehr erschüttert, weil ich immer dachte: Wenn man so im Einklang mit seinem Körper ist, ist das doch auch ein Barometer der Seele – und umgekehrt.

Anima sana in corpore sano – ein gesunder Körper in einem gesunden Geist.

Ja, genau. Der Körper ist nur Ausdruck unserer Seele, unseres Geistes, unserer inneren Haltung. Wenn man innere Blockaden nicht löst, schafft man es auch nicht, die Blockaden auf körperlicher Ebene zu lösen. Auch dann nicht, wenn man alle Biohacks dieser Welt ausprobiert, sich gesund ernährt und täglich Sport macht. Genau dieses Umstands bin ich mir noch einmal be­­­wuss­ter geworden. Ich bin feinfühliger geworden und frage auch bei meinen Klientinnen und Klienten gezielter nach – und höre sicher auch besser zu. Ich versuche, eine Vertrauensbasis zu schaffen, damit wir gemeinsam in die Tiefe gehen und herausfinden können, welche inneren Blockaden da sind. Und ich beobachte, wie nachhaltig ich Dinge mit meiner Kundschaft auflösen kann. Mich faszinieren all diese persönlichen Geschichten, und es ist unfassbar schön, jemanden so eng be­­­gleiten zu dürfen. Wenn du so viel Druck in dir selbst verspürst, dass du nicht einmal mehr richtig atmen kannst, ist es zentral, genauer hinzuschauen und sich zu trauen. Sonst ist das ein Teufelskreis, aus dem man nicht mehr herauskommt. Bei meinem Coaching geht es deshalb ganzheitlich um Bewegung und Gesundheit – nicht nur um Sport. Es geht vielmehr darum, dass man sich in seinem Körper uneingeschränkt wohlfühlt und mehr auf sich selbst hört.

Gar keine leichte Übung in einer Welt, die von uns so oft „verlangt“, dass wir funktionieren. Also schmeissen wir eine Aspirin ein und sagen: „Weiter geht’s“ …

Absolut. Wir verlernen, auf die Zeichen unseres Körpers zu achten, weil wir diese Signale immer übersteuern. Deshalb habe ich den „Game Changer“ entwickelt – mit diesem Kalender kannst du mit vielen einfachen, kleinen, aber effektiven Übungen anfangen, dich wieder mit dir selbst zu verbinden. Es sind Übungen, die man in nur fünf Minuten machen kann. Ich arbeite auch mit vielen Firmen zusammen, die den „Game Changer“ ihren Mitarbeitenden empfehlen.

Wenig, dafür regelmässig also?

Ja, genau. Das reicht. Jeden Morgen – ein kleines Me-Time-Ritual.

Ich kenne das – manchmal gibt es Zeiten, in denen ich tat­­sächlich das Gefühl habe, dass ich nicht einmal fünf oder zehn Minuten des Tages nur für mich und Selfcare reservieren kann. Deshalb sind deine Mini-Hacks super!

Ich glaube, am Morgen geht es meist am besten. Wenn du am Morgen den Wecker nur zehn Minuten früher stellst, hast du schon Zeit für deine kleine Morgenroutine. Wenn du das gleich am Morgen machst, denkst du nicht mehr den ganzen Tag daran, was du sonst noch alles zusätzlich machen solltest. Ich bekomme so viel gutes Feedback von Menschen, die dank des „Game Changer“-Kalenders eine neue Routine hinbekommen haben. Nur zehn Minuten können Wunder bewirken. Man kann auch einmal damit beginnen, am Morgen Öl zu ziehen. Über Nacht sammeln sich so viele Gifte an, die man sonst einfach herunterschluckt. Für unser Immunsystem ist das so wichtig. Oder einen Zungenschaber benutzen, mit dem man den „Dreck“ wegkriegt. Supersimpel, aber sehr effizient!

Und was rätst du Leuten, die schon etwas fortgeschrittener sind mit ihren Ritualen und ihrer Selfcare-Me-Time?

Was ich toll finde und was sich super in den Alltag integrieren lässt, ist Treppen steigen, statt den Lift zu nehmen. Und während die Kaffeemaschine läuft, beispielsweise auf den Zehenspitzen wippen. Oder man geht noch kurz 15 Minuten spazieren, wenn man zu Hause angekommen ist, bevor man sich aufs Sofa setzt. Nur eine Viertelstunde – das reicht! Den meisten gefällt das nach kürzester Zeit so gut, dass sie den Spaziergang noch verlängern. Am heilsamsten ist es aber sicher, Zeit in der Natur zu verbringen. An der frischen Luft. Im Garten.

Ich kenne Top-Manager, die mir vor Jahren erzählt haben, dass sie schlafen, wenn sie tot sind. Und dass sie nur drei Stunden Schlaf brauchen. Und natürlich haben die nur Cola Light ge­­­trunken. Heute sind 90 Prozent dieser Manager krank. Ich kenne eigentlich niemanden, der jahrelang Raubbau an sich betreibt und dabei auch noch gesund bleibt.

Ja, genau, da hast du völlig recht und es auf den Punkt gebracht. Im Schlaf kann sich der Körper erholen. Er dient der Regeneration von Zellen, Muskeln und Knochen, stärkt das Immunsystem und verarbeitet im Gehirn Informationen des Tages, was für das Gedächtnis und das Lernen entscheidend ist. Zudem werden Stoffwechselprozesse reguliert und Stresshormone wie das Cortisol, welches entzündungsfördernd ist, abgebaut. Es ist unser Gesundheits- und Schönheitsbooster schlechthin. Empfohlen werden 8–9 Stunden. Die Müdigkeit wird dann mit Zucker, Koffein oder Nikotin überspielt. Da wäre ein Powernap die bessere Lösung. Oder natürlich, die Cola durch Wasser zu ersetzen und den Kaffeekonsum auf maximal fünf zu reduzieren.

Was ist das Wichtigste, das du mitunter deinen Kundinnen und Kunden sagst, wenn sie zu dir kommen?

Dass sie Selbstverantwortung übernehmen müssen. Du kannst noch so viel Geld, Macht oder Einfluss haben. Wenn du nicht gesund bist, wozu denn das Ganze? Wir haben immer so viele Ausreden parat, weshalb wir keine Zeit haben, und jammern, dass alles so schnelllebig geworden ist. Ja, dann muss man eben aktiv einen Gang zurückschalten. Mir ist es einfach wichtig zu erwähnen, dass man auch mit ganz kleinen Dingen sehr gut auf sich achten kann.


Der „Game Changer“-Kalender von Salome Burki

Ladies Drive No. 72. X-Mas-Special 2025: Gamechanger-Kalender

ist ein ganzheitlicher Übungskalender, der täglich einfache, effektive Bewegungsimpulse setzt und Beweglichkeit, Gleichgewicht sowie Rücken- und Gelenkgesundheit nachhaltig verbessert – ganz ohne Fitnessstudio und mit minimalem Aufwand.

Er nutzt die 1-%-Methode für nachhaltige Gewohnheitsbildung und umfasst in der zweiten Auflage zusätzlich Infos zu Ernährung, Säure-Basen-Haushalt und Training. Ergänzend bietet Salome Burki Personal Training, Ernährungsberatung, Gesundheits- und Leistungsdiagnostik sowie Firmencoaching an und hält zu Themen wie Säure-Basen-Haushalt, Ernährung und Trainingslehre auch Vorträge, um Menschen ganzheitlich zu mehr Gesundheit und Lebensqualität zu begleiten.

salomeburki-training.com


Creator
Sandra-Stella Triebl
Chefredakteurin

Quelle: Sandra-Stella Triebl: „Salome Burki: Die Kraft der Verletzlichkeit“, Ladies Drive Magazin, Nr. 73 (2026)., S. 30-33.

Veröffentlicht online am 1 Apr., 2026
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