
„Das Nest in den Bergen“ heisst es über das BelArosa Chalet in Arosa verheissungsvoll. Nun stehen wir mit unserem Jeep vor einer grossen, unspektakulären Garagentür an einer steilen Strasse in Arosa. 365 Kurven liegen hinter uns. Aus der Gegensprechanlage ruft man uns entgegen: „Wir öffnen das Tor – einfach reinfahren!“ Doch als wir den ersten Blick ins Innere erhaschen, sehen wir keine grauen, leeren Betonwände und keine Tiefgarage, sondern einen brennenden Kamin, eine Holztreppe, einen Leuchter, der über allem thront, mit verschiedenfarbigen Glaskugeln, der fröhlich von der Decke glitzert. Das Knistern und Knacken des brennenden Feuers ist zu hören. „Hier rein?“, fragen wir ungläubig nach. „Ja, ja, wir sind gleich da, einfach reinfahren!“


So fährt man also mit seinen PS direkt ins Herzstück des Nests, mitten rein. In über 20 Jahren Luxus-Travels haben wir das so noch nie erlebt. Nach einem warmherzigen Welcome und einem Tempo-Check-in geht es ohne weitere Umschweife in unser Infinity-Pool-Chalet, welches die nächsten Tage also unser Zuhause sein wird.

Im BelArosa gibt es nicht nur ein schönes Nestchen – im von aussen unprätentiösen Holzbau verstecken sich zehn verschiedene Wohn-Chalets. Die Masse unseres Chalets sprechen Bände: 170 Quadratmeter Wohnfläche. Drei Schlafzimmer. Eine Sauna. Eine wunderschöne Designerküche mit Kochinsel. Ein Kamin. Oder: 17 Quadratmeter Infinity-Pool. Die Edelstahlbecken lassen sich übrigens auf Knopfdruck mit 36 Grad warmem Arosa Château du Pompe (aka Leitungswasser) in Windeseile befüllen. Das warm dampfende Wasser sprudelt in grossen Fontänen ins Becken, und wir geniessen den Ausblick auf den See in Arosa, während von oben dicke Schneeflocken auf die Wasseroberfläche schmelzen. Zwölf Jahre dauerte die Umsetzung dieses einmaligen Konzept-Hotels, das kein klassisches Haus sein möchte.


Eingerichtet sind die Chalets mit unfassbar vielen schönen Objekten und Dingen, die von der Besitzerfamilie über die Jahre gesammelt wurden. So zum Beispiel eine sitzende Holzfigur, die auf der Balustrade eines Schlafzimmers auf uns herabschaut und über uns zu wachen scheint.


Farblich ist alles in zeitlos dezenten Erdfarben gehalten – und so wirkt das Chalet weder zu edel noch zu rustikal, mit viel Stil und einem guten Händchen für auserlesenes Design, ohne abgehoben zu wirken. Nichts ist überladen, und doch entdeckt man überall herzerwärmende Details, wie eine von Hand geschöpfte Seife aus der Nachbarschaft, die mit Heilkräutern der Region hergestellt ist.
Es fühlt sich alles so derart stimmig an wie ein Dur-Akkord von Ed Sheeran, dass man sich von Herzen gern in seine neuen vier Wände einkuschelt und am liebsten gar nicht mehr rausgeht. Wieso auch?
Übers hauseigene iPad bestellt man sein Frühstück, welches einem in Heinzelmännchen-Manier, egal zu welcher Tageszeit auch immer, aufgetischt wird. Wenn ein leises, kaum hörbares Glöckchen ertönt und sich die Chalet-Tür wieder schliesst, weiss man Bescheid: Es ist angerichtet. Und zwar mit ganz viel Liebe. Um Foodwaste zu vermeiden, sind alle Speisen klein gehalten – vom Mini-Zitronen-Gugelhopf bis zum gekochten Ei im herzig winzigen Le-Creuset-Töpfchen.

Wer das Frühstück, wie ich, mehr liebt als alles andere, wird sich hier wie ein Fisch im Wasser fühlen: Frühstück gibt es rund um die Uhr und ohne Ausnahmen. Ganz so, wie es einem gefällt.
Kulinarisch wird man hier ohnehin nach Strich und Faden verwöhnt – und das mit konsequent lokalen und saisonalen Produkten, die von Produzenten stammen, die man kennt und schätzt. So gibt es zum Beispiel Heusuppe, Urkartoffeln aus Filisur, Pizzochel, Bündner Röteli oder verführerisch duftendes, knuspriges und frisch gebackenes Brot mit Mehl aus der Region. Das – und ein Stück frische Butter mit ein wenig Salz, vielleicht ein Stückchen Rohmilchkäse – und schon bin ich ohnehin der glücklichste Mensch auf Erden.
Da man ja seine eigene Küche im Chalet hat, bietet die Gastgeberin In-Room-Dining oder Food Hamper an – bei Letzterem bekommt man einen Korb mit Zutaten und bereitet sich alles in Windeseile selbst zu. Kurz: Man kocht selber oder lässt kochen. Hier stellt sich der Küchenchef übrigens auch mal höchstpersönlich an den Herd bei euch, und so kommt alles ohne Umwege ultrafrisch auf den Tisch. Pampering de luxe!
Und sonst so? Arosa bietet als schneesicheres Bergdorf auf knapp 1.800 m ü. M., das aufgrund seiner Lage weitgehend windgeschützt ist, seit 1877 jede Menge Variationen für den Zeitvertreib. Entweder man kommt hierhin zum Skifahren (Arosa Lenzerheide) oder Wandern, weil man das Humorfestival sehen mag – oder man kommt einfach zum Atmen her; schliesslich sind wir hier in einem Luftkurort. Wir haben uns auf das Atmen fokussiert. Und das Geniessen.



Und wer sich innerhalb des Chalets dann doch noch etwas bewegen möchte: Für den steht nach Bedarf ein Personal Trainer bereit. Yoga auf der eigenen Terrasse mit Blick in die atemberaubende Bergwelt und auf das Weisshorn – wer da nicht tief durchatmen kann, dem ist wohl kaum mehr zu helfen.
Das BelArosa ist wahrlich ein Unikat, eine Preziose in der Hotellerie, die man lange suchen kann und doch kaum mehr findet. Weil in so vielen Häusern Zeit- und Margendruck herrscht und im Zuge dessen die Hingebung zu den Gästen erodiert. Nicht so im BelArosa. In diesem Nestchen stehen Zeit und Welt still. Alles ist. Alles kann. Nichts muss. Wie grossartig ist das denn!
Sei es die Bergluft, die hingebungsvoll kreierten Menüs, die weiche Energie des Hauses – wir waren selten so glücklich in so kurzer Zeit.
Viel dieser Weichheit könnte auch von der Gastgeberin des Hauses, Meike-Cathérine Bambach, stammen, die schon so manches Luxushotel geführt hat. Ihre Augen scheinen überall zu sein, und die Chefin ist sich auch nie zu schade, selbst mal die Küchenschürze anzuziehen und das Frühstück in die Chalets zu bringen, weil jemand im Team krank ist.

Im BelArosa wird man also in wohlig warme Watte gepackt, gepampert, maximal verwöhnt, wertgeschätzt, betüdelt und bekocht. What else? Also mir fällt nichts mehr ein. Entsprechend schwer wurde mir das Herz, als es wieder Zeit war, nach Hause zurückzufahren.
Wenn man diesen Ort verlässt und einen das Garagentor also wieder in die Welt da draussen ausspuckt, ist man sich gewahr, welch wohlbehütetes, sicheres und liebevoll gebautes Nest man da gerade genossen hat. Und so sagen wir uns zum Abschied mit den Worten von Paulchen Panther nur noch dies: Heute ist nicht alle Tage. Wir kommen wieder – keine Frage!
















































