Der Duft eines Kusses

Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Six Senses & Sebastian Triebl

Ladies Drive No. 73. Koh Samui Six Senses Der Duft eines Kusses
League of Leading Ladies Conference 2027

LD73 – Mag

Koh Samui Six Senses

„Machst du das noch schnell, bevor du weg bist?“ – ein Satz, den ich gefühlt Dutzende Male gehört habe, bevor wir kurz vor Weihnachten den Absprung geschafft, die Koffer gepackt und den Weg zum Flughafen unter die Füsse genommen haben. Wieder mal steht eine Reisereportage an. „Juhuuuu“, würden da die einen rufen. „Uff“, hörte ich meine innere, grimmige Stimme murmeln. Das normale Leiden, bevor und nachdem man weg ist aus dem Büro. Während sich der Nebel schwer und feucht auf die Appenzeller Landschaft legt, sehne ich mich nach sattem Grün, dem Duft eines Sommerregens nach einem Schauer und dem prickelnden Eiland-Feeling, das uns ein süsses Nichtstun verspricht.

Über die 18-Millionen-Metropole Bangkok ging es auf die be­liebte Ferieninsel am Rande des Golfs von Thailand, dem Randmeer des Südchinesischen Meeres, inmitten des westlichen Pazifischen Ozeans: Koh Samui.

Schnell liessen wir das hektische, kunterbunte Treiben von Chaweng hinter uns. Jenseits von lauten Bars und schrillen Diskotheken gibt es auch ein stilles Koh Samui, was sich zuerst einmal wie ein innerer Widerspruch, ein Paradoxon, anhört. Denn die Insel ist bei feierwütigen Menschen durchaus beliebt. In wenigen Autominuten schlängeln wir uns jedoch bereits mit Tunnelblick vorbei an in der Sonne faulenzenden Strassen­hunden, lassen das wuselig-laute Brummen der Vespas und die muffig brummenden Bässe hinter uns und erreichen schon bald eine grüne Oase, wo die Strassen von Palmen, Mamuang (Mangobäumen), Langsat- oder Durianbäumen gesäumt sind: das Six Senses in Bophut. „Wellbeing“ schiesst es mir durch den Kopf. Jup. Genau das haben wir vor. Uns einfach nur gut zu fühlen. Hauptsache: Ruhe.

Das stattliche Six Senses-Anwesen liegt nur 6 km vom Flughafen und 4 km vom Tempel Wat Phra Yai entfernt, der besser als „Big Buddha“ bekannt ist. Wir sind umgeben von über 80.000 Quadratmetern wohl kultiviertem Dschungel, mit dem berühm­ten Six Senses Spa, eigenem Kräutergarten und einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit Hühnern, Enten oder Zie­gen, einem riesigen Infinity-Pool, mehreren Bars und Restaurants. Wie überall in den wunderschönen Six Senses dieser Welt ist der achtsame Umgang mit Mensch und Natur, ein nachhaltiges touristisches Konzept, ein Herzstück des Hauses.

Unsere Villa ist umschlungen von Farnen, Orchideen in fröhlich lachenden Farben, üppigen Lianen und tropischen Blüten­pflanzen, deren Name mir unbekannt ist. Wir blicken vom Sonnendeck und Private Pool Richtung Osten, Sonnenaufgang, auf ein kleines Stückchen Beach, welches wir zwischen den Palmenblättern und Frangipani-Bäumen erspähen können. Strandmandel-Bäume, Küstenhibiskus und allerlei Palmen­gewächse, dazwischen ein Stück türkisblaues Meer, die Bran­dung, der stahlblaue Himmel. Endlich sind wir angekommen in einer kleinen, auf Zeit geborgten, heilen Welt.

Beim Gang zum Frühstück am nächsten Morgen verfängt sich der Duft von Zitronengras in meiner Nase, der sich immer mehr mit Basilikum, Ingwer und Galgant sowie Kaffirlimetten, Kurkuma und einem Hauch Knoblauch mischt, die aus der Küche zu uns herüberwehen. Auf der heissen Herdplatte brutzelt ein Naan mit Honig, im Suppentopf blubbert eine Tom Kha Gai.

Wir wären nicht im Six Senses, wenn man hier nicht Wert auf lokale Traditionen und gesunde Kost legen würde – aber auch für jedes grosse und kleine Schleckermäulchen hat die süsse Küche schon etwas parat gemacht. Ich schnappe mir ein warmes Croissant und muss viel Energie aufwenden, um im Fokus zu bleiben und die Schoko-Brownies links liegen zu lassen.

Das Outdoor-Restaurant liegt an einem über und über mit blütenleeren Seerosen bedeckten Teich. Weisse Seggen wiegen sanft nickend im Wind. Der Duft von frisch gebrühtem Kaffee lässt mich munter werden, und mein Blick wandert in die Bucht mit einer unbewohnten, vorgelagerten Insel. Das Meer schlägt in gleichbleibendem Atem gegen die steile Küste, und wie das Pendel eines Hypnotiseurs wiegt uns der Ozean in Ferienlaune. Endlich angekommen. Endlich ausspannen, ausschlafen, keine To-dos, ganz viel Zeit zum Sein und nicht zum Tun. „Möchtet ihr einen Ausflug machen? Wir haben da was im Angebot …“, säuselt uns die Butlerin vor dem Frühstückstisch entgegen, doch bevor sie den Satz zu Ende sprechen kann, winken wir vorerst ab. Am Private Pool der eigenen Villa lässt es sich hervorragend in den blauen Himmel starren, und während ich die Wolken betrachte, scheint die Welt wunderbar langsam geworden zu sein. Herrlich. Keine Termine, Meetings, Calls, E-Mails.

Am wunderschönen Infinity-Pool prangt ein Holzschild mit der Mahnung: „Chill in stillness by the pool“. So gern ich Action und Abwechslung habe, so hingebungsvoll liebe ich es zu kon­templieren. Das Leben ist doch manchmal wie ein Tanz mit einem ganz eigenen Rhythmus, der manchmal schwer und gleichmässig wie ein routinierter Walzer, manchmal hibbelig wie ein quirliger Cha-Cha-Cha und dann wieder still wie die Pause zwischen zwei Tänzen ist. Es ist alles eine Frage der Balance. Und selbst in der Musik ist es so, dass die Pausen die Magie der Musik ausmachen – sonst wäre es einfach nur Lärm. Als fleissige Bienchen und emsige Ameisen sind wir es gewohnt, im Alltag zu performen, zu liefern, zu funktionieren. Heute hänge ich mir ein Schild um den Hals, ähnlich dem Holzschild am Pool des Six Senses: Heute nicht in Betrieb. Sich zu bewegen, um etwas zu bewegen, macht im Job Freude. Aber Stille auszuhalten, um Dinge zuzulassen, scheint mir immer wieder eine Art Masterclass des Lebens zu sein. Das Loslassen üben kann ich besonders gut im Spa – bei einer Kopfmassage unter freiem Himmel oder wenn man von Kopf bis Fuss durchgeknetet wird. Das Six Senses Spa sucht seinesgleichen – architektonisch, landschaftlich, aber auch was die Qualität der Behandlungen angeht. Besonders bei einem Spa-Date am späten Abend fühlt man sich ein bisschen wie Chihiro auf ihrer Reise ins Zauberland. Nur ohne böse Hexen.

So verbringen wir die Tage, indem uns die Sonne schon zum Sonnenaufgang um kurz nach 6 Uhr morgens an den kleinen Zehen kitzelt. Wir wackeln zum Frühstück, beobachten das bunte Treiben am Frühstücksbuffet und dackeln zurück an unseren Pool, bis uns der Hunger am späten Nachmittag, rechtzeitig zum Sonnenuntergang, wieder in eines der Res­taurants drängt.

Und je mehr wir dieser Ferienroutine anheimfallen, desto mehr scheinen sich meine Sinne wieder entfalten zu können. Ich geniesse den salzigen Wind, der über meine Haut streicht und mir die Locken ins Gesicht wirbelt. Ist es nicht eine verrückte Welt? Ich tue, was ich liebe, und liebe, was ich tue. Und doch braucht es in diesem wilden Tanz eben ab und zu mal eine Zäsur, ein Innehalten, ein Einatmen, um wieder ausatmen zu können. Um den Kuss des Liebsten wieder zu riechen. Um Düfte zu hören. Räume zu spüren. Und wenn ihr jetzt denkt: Was hat die denn da geraucht? Möchte ich euch einladen, genau das auch mal zu tun. Wenn man ein Duftstäbchen verbrennt, kann man die olfaktorische Ent­wicklung zuerst hören und dann erst riechen.

Genau das tun Pausen mit uns. Sie ver­drahten unser Gehirn aufs Neue und sor­gen dafür, dass wir das, was wir lieben, noch besser und noch länger tun können. Winston Churchill wird folgendes Zitat zugeschrieben: Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen. Hmmmm. Genau. Das.

Und mir fällt noch etwas Schönes ein, was ich auf Koh Samui gelesen habe: Mono no aware. Das „Pathos der Dinge“, wie es in Japan heisst, beschreibt das Ergreifen des Daseins, das Einfühlungsvermögen gegen­über allen Dingen des Lebens, die doch so vergänglich sind. Denn es ist nichts gekommen, um zu bleiben. Es ist dieses Gefühl der Bittersüsse, die aus dem Ver­gehen der Zeit und der Vergänglichkeit der Dinge geboren wird. Wir erkennen, dass Dinge verblühen und gehen. Es be­schreibt aber auch ein Konzept der wertschät­zenden Achtsamkeit, das uns ermutigen soll, die Vergänglichkeit zu umarmen, um die Schönheit und Freude im Hier und Jetzt zu finden.


IN A NUTSHELL

  • 67 Villen und Suiten,
    die meisten mit Private Pool und jeder Menge Privatsphäre.
  • 6 km vom Flughafen Koh Samui
    (ca. 10 Autominuten entfernt).
  • Six Senses Spa mit Blick aufs Meer
  • Die „kleinste“ Villa hat
    130 Quadratmeter Fläche
    die grösste stattliche
    600 Quadratmeter.
  • Alle Villen verfügen über einen Butler und ein eigenes Sonnendeck.
  • Offizielle Hotel-Kategorie: 5 Sterne.

www.sixsenses.com


Creators
Sandra-Stella Triebl
Chefredakteurin

Quelle: Sandra-Stella Triebl, Sebastian Triebl: „Der Duft eines Kusses“, Ladies Drive Magazin, Nr. 73 (2026)., S. 94-98.

Veröffentlicht online am 13 Mai, 2026
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