Ladies Drive Bargespräche Vol. 73 mit Dr. Sue Bertschy

Dr. Sue Bertschy über Selbstliebe und Schmerz

„Ich war in einem Körper gefangen, der scheinbar nicht mehr zu mir gehörte – es war wie eine Hülle, in der ich nicht mehr zu Hause war. Diesen Körper wieder lieb zu gewinnen und den Unfall zu vergessen hat fast 10 Jahre gedauert“.

Manchmal kommt alles anders als man denkt und sich wünscht. Die Frage ist, wie wir aus dem Schmerz in eine Selbsttransformation gelangen und dadurch auch in der Lage sind, Chancen zu entdecken. Für uns als Mensch aber auch fürs Business.

An unserem Ladies Drive-Bargespräch in Zürich (18.4.24) haben wir von drei Menschen erfahren, wie ihnen das gelungen ist: Sozialunternehmerin Tabea Oppliger, Skiweltmeister Daniel Albrecht und Unternehmerin Dr. Sue Bertschy, die seit einem Verkehrsunfall vor über 20 Jahren in den Rollstuhl gefesselt ist. Daniel Albrecht lag nach einem Schädelhirntrauma fast drei Wochen im künstlichen Koma und musste alles neu lernen. Tabea Oppliger hat ihr bequemes Leben in der Schweiz über den Haufen geworfen, um sich in Tel Aviv gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution einzusetzen.

Was lernen wir über uns, die Menschen um uns herum und das Leben und unser Wirken, wenn mal etwas eben so ganz anders passiert, als wir uns das gewünscht und gedacht haben?

👉 Wir müssen durch den Schmerz hindurch tauchen, wenn wir nur den geringsten Hauch einer Chance haben wollen, wieder leben zu wollen.

👉 Wir müssen lernen, alles loszulassen, alle Träume, alles, was wir uns fein säuberlich vorgenommen haben, um von Neuem beginnen zu können. In einem neuen Körper, mit einer neuen Perspektive. Gerade wenn man, wie Daniel Albrecht und Sue Bertschy, nach einem Unfall aufwacht und sich nicht mal mehr selbst wieder erkennt im Spiegel oder sich in einer unbeweglichen Hülle wiederfindet. Ich krieg jetzt noch Gänsehaut wenn ich darüber nachdenke, was die beiden uns erzählt haben.

👉 Ohne Akzeptanz, gibt es keine Selbsttransformation. Was so leicht gesagt ist, ist unfassbar schwer. Dinge, die einem geschehen anzunehmen und Dinge, die man sich erträumt hat loszulassen, sind wohl mitunter die schwierigsten Übungen, die wir als Menschen lernen dürfen.

👉 Es gibt auch so etwas wie toxischen Positivismus („du schaffst das schon“, „es wird wieder besser werden“). Weil diese Aussagen den Zwang zu reüssieren erhöhen und zu einem immensen Druck führen.

👉 Zu erfahren, dass man Dinge bewältigen kann, die schier unfassbar sind, befähigen einen auch im Business, Dinge neu zu sehen und zu denken. Der Schmerz führt eigentlich dazu, dass man die Welt und sich selbst darin wie in einer neuen Dimension sehen kann. Und dies kann letztendlich ein Asset, ein Gewinn, werden.

👉 Nicht Erfolg per se ist wichtig. Sondern ein Leben mit Bedeutung.

Mehr über Dr. Sue Bertschy:
Post-Traumatic Growth – Sue Bertschy
oder:
LinkedIn / suebertschy

Impressionen unseres Bargesprächs:


Creators
Andri Sigron
Filmproduzent
Sandra-Stella Triebl
Chefredakteurin

Moderation: Sandra-Stella Triebl
Video: Andri Sigron
Foto: Tomek Gola
Location: ZKO Zürich

Veröffentlicht am Mai 17, 2024
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