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Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Press

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LD73 – Mag

„GLOBAL BOARD READY WOMEN“ UND DER „FEMALE BOARD POOL“ GEHEN IN DIE OFFENSIVE

Die Datenbank „Global Board Ready Women“ wird als professionelle LinkedIn-Gruppe vom Financial Times Non-Executive Directors’ Club in London verwaltet und arbeitet weltweit eng mit renommierten Business Schools zusammen. Die gleichnamige Initiative will damit den Anteil von Frauen in Verwaltungsräten erhöhen. Die Gruppe bietet erfahrenen sowie angehenden Verwaltungs- und Aufsichtsrätinnen eine Plattform, um sich auszutauschen, Best Practice-Empfehlungen zu formulieren, Ideen und Erfahrungen zu teilen und ihr Netzwerk zu pflegen. Ein ähnliches Projekt, der „Female Board Pool“, wurde 2004 am I.FPM-HSG Center for Corporate Governance an der Universität St. Gallen von Professor Martin Hilb ins Leben gerufen und mithilfe von Marie-Theres Hofmann erfolgreich vorangetrieben. Das Ziel besteht in der substanziellen Erhöhung des Anteils kompetenter, engagierter und couragierter Frauen in Verwaltungsräten von Unternehmen in der Schweiz. Dies soll erreicht werden durch das gezielte Finden, Fördern, Vernetzen und Vermitteln von Verwaltungsrätinnen. Der Female Board Pool bietet führungserfahrenen und engagierten Frauen die Möglichkeit, ihr Profil in die Datenbank einzugeben, und ist bemüht, diese an Unternehmen zu vermitteln, die Bedarf an Verwaltungsräten haben. Die Datenbank umfasst mittlerweile knapp 600 Kandidatinnen.

 

Ladies Drive: Was waren die ersten Schritte zum Aufbau dieser Datenbank?
Marie-Theres Hofmann: Zuerst galt es, genügend hochqualifizierte Frauen für diese Datenbank zu finden. Denn kann man bei einer Anfrage keine passende Kandidatin vorschlagen, wird es bald keine weiteren Anfragen mehr geben. Neben der Akquisition von qualifizierten Kandidatinnen benötigten wir ein professionelles Datenbank-Tool, um die steigende Anzahl an Profilen zu bewirtschaften. Um dieses Tool herum entstand später der erweiterte Webauftritt www.female-board-pool.com. Und nun sind wir an einem Punkt, wo wir die Unternehmen noch aufmerksamer machen wollen auf die Existenz und den potenziellen Wert der Female Board Pool- Datenbank – deshalb unsere Offensive.

Das heisst, Sie haben jetzt einen genügend grossen Pool an Frauen?
Sabina Stöckli Häfliger: Ja, absolut. Und zwar quantitativ als auch qualitativ. Entgegen der öffentlichen Meinung, es gäbe sie nicht, treten wir gerne den Gegenbeweis an, dass es genügend fähige Frauen gibt. Man muss seine Angel nur in den richtigen Teich auswerfen – und wir bringen Angebot und Nachfrage zusammen.

Wie viele Frauen befinden sich denn im Female Board Pool?
Sabina Stöckli Häfliger: Zurzeit 585. Diese Frauen sind allesamt bereit, zusätzliche Mandate zu übernehmen, bzw. gerüstet, den Schritt in den Verwaltungsrat zu machen.
Marie-Theres Hofmann: Und um die Funktion des Pools etwas bildlicher darzustellen: Mit den Schwerpunkten „Finden, Fördern, Vernetzen und Vermitteln“, welche wir für unsere Arbeit definiert haben, werden die Frauen nach professioneller Selektion von uns zwar in ein Cockpit gesetzt – fliegen müssen sie allerdings alleine.

Dann sieht Ihre Datenbank aus wie ein XING- oder LinkedIn-Profil?
Marie-Theres Hofmann: Die Kandidatinnen bewirtschaften ihr Profil zwar ebenfalls selber, aber die Female Board Pool- Datenbank ist im Unterschied zu sozialen Plattformen für Externe nicht zugänglich.

Muss die Kandidatin einen Beitrag bezahlen, damit sie in den Pool kommt?
Sabina Stöckli Häfliger: Nein, und das ist der Unterschied zu anderen Initiativen. Wir wollen für unseren Pool keine finanziellen, sondern qualitative Hürden. Wir sind der Ansicht, dass für die unterschiedlichen VR-Mandate, die es in der Schweiz gibt, die Grösse des Pools mitentscheidend ist. So können wir auch differenzieren, nicht alltäglichen Anforderungsprofilen mit entsprechenden Kandidatinnen gerecht werden. Zudem ist es unser Ziel, den Auftraggebern immer mehrere Kandidatinnen vorstellen zu können, damit eine gute Auswahl besteht. Dies gelingt nur, wenn der Pool über eine genügend grosse Kandidatenbasis verfügt.

Oft ist in den Medien nur von börsennotierten Unternehmen die Rede. Können auch KMUs vom Female Board Pool profitieren?
Sabina Stöckli Häfliger: Ja, das ist ganz wichtig. Im Gegensatz zu anderen Anbietern legen wir den Fokus vor allem auf KMUs. Wir sind überzeugt, dass sich der Verwaltungsrat von KMUs in den nächsten Jahren aufgrund der komplexer gewordenen Anforderungen im strategischen, aber auch im normativen Bereich professionalisieren will und muss. Mit der Aufnahme von gut qualifizierten Verwaltungsrätinnen kann dies auf effektive Weise erreicht werden.

Einige KMUs sehen aber auch aufgrund von finanziellen Gründen davon ab, VR ausserhalb der „Familie“ zu rekrutieren.
Marie-Theres Hofmann: Vielen Firmen können unsere Frauen einen hohen Mehrwert bieten, weil sie eine Fachdisziplin einbringen, die man sonst teuer einkaufen müsste – im Sinne einer externen Beratung. Hat man dieses Know-how indes im Verwaltungsrat, ist das gerade für KMUs eine weitaus cleverere Lösung. Zudem ist der Preis für unsere Leistungen KMUverträglich moderat.

Gibt es denn auch genügend Frauen im Pool, die „KMU-tauglich“ sind?
Sabina Stöckli Häfliger: In unserem Pool gibt es viele Frauen, die sich auch in KMUs entwickelt und verschiedene Firmen und Firmengrössen erlebt haben. Es ist klar, dass KMUs anders funktionieren als Grossunternehmen und daher andere Anforderungen an den VR gestellt werden. Unsere Aufgabe ist es, bei der Selektionierung der VR-Kandidatinnen diesen Kriterien besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Da sowohl Marie-Theres Hofmann als auch ich selbst Unternehmerinnen sind und Erfahrungen aus unterschiedlich grossen KMUs mitbringen, sind wir auf dieses Thema sensibilisiert und kennen die damit verbundenen Herausforderungen.
Marie-Theres Hofmann: Ich habe aktiv ein paar Frauen begleitet, die ein Verwaltungsrat-Portfolio aufgebaut haben mit dem Ziel, ihre Professionalität als VR auszubauen. Diese sind heute nicht mehr in einer Anstellung, sondern arbeiten rein auf VR-Mandatsebene. Ich spreche nicht von 30 VR-Mandaten – sondern von vier oder fünf. Alles andere wäre nicht seriös, da eine Vor- und Nachbearbeitung von VR-Sitzungen zeitintensiv ist. Auch muss genügend Kapazität bleiben für Sondereinsätze und komplexe Fragestellungen. Diese Professionalität ist ein grosser Mehrwert, den sich Unternehmen mit der Berufung solcher Frauen in den VR zu eigen machen können.

Professor Hilb ist seit 1. August emeritiert – verändert dies das Geschäftsmodell des Female Board Pool?
Marie-Theres Hofmann: Professor Hilb hat zu diesem Zweck das Center in eine Stiftung überführt, die neun Geschäftsfelder aufweist. Zwei davon, die Swiss Board School und der Female Board Pool, werden in Kooperation mit dem IMP-HSG durchgeführt. Wir sind, neben Kolleginnen in Luxemburg und Belgien, die Schweizer Franchise-Partnerinnen des Female Board Pool.

Was sind die grössten Herausforderungen des Female Board Pool im kommenden Jahr?
Sabine Stöckli Häfliger: Wir wollen vor allem Entscheidungsträger von KMUs auf den Female Board Pool aufmerksam machen und ihnen aufzeigen, wie sie davon profitieren können. Wir sind absolut KMU-orientiert und finden Lösungen, welche den Möglichkeiten der einzelnen Unternehmen gerecht werden. Wir verfügen über einen beachtlichen Pool an kompetenten und engagierten Frauen, die noch kein Mandat haben, aber dafür prädestiniert sind. Jetzt suchen wir Unternehmen, die ihren Verwaltungsrat durch unsere Kandidatinnen bereichern wollen. Unsere Mission heisst nun: vernetzen und vermitteln.

Begleiten Sie die Kandidatinnen auf ihrem Weg?
Marie-Theres Hofmann: Ja, das war mir ein grosses Anliegen. Wir wollen keinen unpersönlichen Pool haben, wie beispielsweise Xing. Ich habe viel Zeit darauf verwendet, mit den Frauen Gespräche zu führen. Denn es ist wichtig, ihre Kernbotschaften und ihr Profil zu kennen – nur so können passgenaue Vorschläge an Unternehmen weitergegeben werden.

Das heisst, Sie kennen alle Frauen aus Ihrem Pool?
Marie-Theres Hofmann: Nicht alle, aber einen Grossteil. Das ist auch ein Beziehungsaufbau, ein persönliches Netzwerk. Das, was Professor Hilb sich auf die Fahne geschrieben hat, versuchen wir weiterzuleben.

Treffen sich die Frauen im Female Board Pool regelmässig?
Marie-Theres Hofmann: Ja, durchaus. Es gibt pro Jahr zwei VR-ERFA-Tagungen, wobei eine gemischt-geschlechtlich veranstaltet wird. Wir wollen jedoch künftig das Angebot noch erweitern.
Wir möchten, dass die Frauen die Chance haben sich zu vernetzen – und dabei zu Botschafterinnen unseres Pools werden. Eine grosse Hürde derzeit ist, gerade familiengeführte Unternehmen dazu zu bringen, überhaupt Externe in den Verwaltungsrat zu integrieren. Entsprechend arbeiten wir an Konzepten, die unseren „Mitgliederinnen“ erlauben, sich zu zeigen. Dann kann sich ein Verwaltungsrat überlegen, ob das eine Person wäre, mit der er gerne zusammenarbeiten würde.

Sagen Sie nun – wir brauchen noch mehr gute Frauen, oder reichen jene, die aktuell im Pool sind?
Sabina Stöckli Häfliger: Nein – gute, ambitionierte Frauen können sich immer sehr gerne bei uns melden. Ebenso Unternehmen oder Executive Search-Firmen sowie Frauennetzwerke. Wir sehen uns hier nicht als Konkurrenz – sondern vielmehr als Bindeglied und „Ermöglicherin“.

 

Weiterführende Informationen:
LinkedIn-Gruppe „Global Board Ready Women“ 
www.female-board-pool.com
www.bgm-forum-schweiz.ch
www.icfcg.org

 

Veröffentlicht online am 22 Dez., 2013

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