Ja, Nein, Also Kommt Drauf An…

Text: Volker Strohm
Fotos: Ladies Drive

Female Innovation Forum 2026

Female Innovation Forum Vol. 9
21. Oktober 2026.
Jetzt Ticket sichern!


LD – Mag

Ladies Drive Nr. 74
Sommer 2026
Jetzt bestellen


Besser gut kopiert als schlecht erfunden – nicht, was den Inhalt anbelangt, aber zumindest punkto Kernfrage: „Jetzt noch Immobilien kaufen?“ Eben jener Kernfrage widmete das Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ im April gar die zehnseitige Titelgeschichte – und stand mit der plakativen Ratlosigkeit nicht alleine da. Sie, die Kernfrage, scheint derzeit spannender als je zuvor, jetzt, da die Zinsen historisch im Keller sind und vermeintlich risikoarme Anlagealternativen fehlen. Fazit: Immobilien kaufen!

Doch ganz so einfach ist die Antwort natürlich nicht zu finden. Der optisch günstigen Finanzierungssituation steht ein Markt gegenüber, der derzeit irgendwo zwischen Boom, Blase und Gehirnamputation anzusiedeln ist. Mit anderen Worten: In vielen Regionen der Schweiz werden aktuell Preise verlangt, die auf Basis von Bisherigem nicht schlüssig einzuordnen sind. Zu teuer? Ja, nein, also kommt drauf an. Und dieser Trend setzt sich fort: Die Immobilien-Experten von Wüest & Partner rechnen jedenfalls damit, dass sich Einfamilienhäuser innert Jahresfrist um weitere zwei, Eigentumswohnungen um 1,8 Prozent verteuern werden. Im Schnitt, wohlgemerkt. „Stärkere Zunahmen werden in der Innerschweiz und in den Einzugsgebieten der Städte Zürich und Genf erwartet“, hält deren aktuelle Studie fest – „dort ist das Risiko einer Marktüberhitzung mittlerweile als sehr gross einzuschätzen.“ Crash-Gefahr! Und als ob es für diese statistische Feststellung noch eines Beweises bedürfte, machte vor ein paar Monaten folgendes Inserat Schlagzeilen: „Zürichberg. Familie mit einem Kind. Anwältin und Gesch.ftsführer suchen Wohneigentum im Kreis 7. Ab 5 Zimmer. Vermittlungsprovision: 100’000 Franken.“ Ohne Worte. Kaum ein anderer Markt funktioniert derart irrational. Interessieren Sie sich als Autoliebhaberin für das neue Mercedes-, Audi- oder BMW-Modell, kostet dieses – Rabatte und gute Beziehungen zum Verkäufer ausgeblendet – in Basel gleich viel wie in Luzern oder St. Gallen. Nehmen wir als Ware aber Immobilien, so werden bei einer Momentaufnahme auf „ImmoScout24“ für eine 118 Quadratmeter grosse 3,5-Zimmer-Wohnung an der Seestrasse (nein, nein, nicht Goldküste – „nur“ gegenüberliegende Seite …) in Zürich 1,85 Millionen Franken verlangt. Für 100’000 Franken weniger wird mir in Wettingen eine 240 Quadratmeter grosse Penthouse-Wohnung angeboten – 300 Quadratmeter Dachterrasse kommen kostenlos obendrauf. Luftlinie: keine 25 Kilometer. Drei Gründe für die Preisdifferenz: Lage, Lage und Lage. (Und trotzdem wird es bei der Lektüre dieser Zeilen sicher, naja, vielleicht eventuell fast sicher, mindestens eine Person geben, die sich sagt: Wettingen ist doch, See hin oder her, schöner!) Dass beide Angebote derzeit überhaupt genügend Interessenten finden, liegt natürlich in erster Linie an der eingangs erwähnten Zinssituation. Wer sich beispielsweise über das flexible Modell einer Libor-Hypothek das Geld von der Bank leiht, zahlt weniger als 1 Prozent. Peanuts! Kommt dann noch hinzu, dass die Banken bei den notwendigen Eigenmitteln die Schraube unterschiedlich stark anziehen („Fälle“ aus meinem Bekanntenkreis berichten von einer Praxis zwischen 70 und 95 Prozent Fremdfinanzierung), wirds gefährlich. Denn die reine Finanzierung an und für sich ist der einfache(re) und greifbare(re) Schritt, da es sich hierbei um eine Momentaufnahme handelt. Im Klartext: Entweder habe ich die geforderten Eigenmittel – oder nicht. Viel heimtückischer ist die Tragbarkeit. Allgemein gültige Regel: Die Gesamtbelastung darf ein Drittel des Bruttoeinkommens nicht übersteigen. Für allzu euphorische Immobiliensuchende besonders fies: Als Basis dienen dabei nicht die aktuell mikroskopisch kleinen Zinsen, sondern der berühmt-berüchtigte „kalkulatorische Satz“, den die Banken – aus einem Langzeitvergleich abgeleitet – meist bei 4,5 (1. Hypothek) und 5 oder 5,5 Prozent (2. Hypothek) ansetzen. Und da sieht das Bild dann schnell desaströs aus. Wer sich bereits in das oben erwähnte Objekt (Sie erinnern sich: vermeintlich traumhaft investierte und zumindest bis nächstes Jahr substanzhaltige 1,85 Millionen Franken …) an der der Goldküste gegenüberliegenden Seestrasse verliebt hat, müsste folglich 370’000 Franken (20 Prozent des Kaufpreises) an Eigenmitteln mitbringen – wahrscheinlich ein Ding der Möglichkeit. Die entstehende Hypothek über 1,48 Millionen verursacht auf aktuellem Libor-Niveau monatliche Kosten von rund 1250 Franken (Fazit: Lachanfall), auf „kalkulatorischer“ (sprich: risikoadjustierter) Basis wären es schon 5’800 Franken (Fazit: Schweissausbruch) – die Nebenkosten und vor allem die Amortisation noch gar nicht berücksichtigt (Fazit: Nervenzusammenbruch). Wer sich für das Eigentum mit langfristiger (Bewohn-)Optik entscheidet, dem kann das Preisniveau eigentlich egal sein, solange die Finanzierung und Tragbarkeit in vernünftigem Mass und nicht mit Hängen, Würgen und Tricksen gegeben ist. Gefährlich wird es erst, müsste das Objekt zwangsweise und unter Zeitdruck wieder veräussert und somit ein substanzieller Wertverlust realisiert werden. Und gefährlich wird es auch dann, wenn die Tragbarkeit derart eng kalkuliert ist, dass jede Prozentpunktabweichung nach oben einem finanziellen Genickbruch gleichkommt. Spätestens dann wandelt sich die hypothekarische zur psychischen Belastung.   www.handelszeitung.ch   www.bilanz.ch   www.finanzen.ch   *Volker Strohm, Chefredaktor Online Wirtschaftsmedien, Axel Springer Schweiz  

Veröffentlicht online am 12 Aug., 2012

Weiterlesen

Das könnte Dich auch interessieren

Halten – Warum Wohlstand ohne Stille immer wieder entgleitet

Halten – Warum Wohlstand ohne Stille immer wieder entgleitet

Teil 2 von Anne Müllers dreiteiligem Essay: «Über Geld, Spiritualität und den Fakt, dass beides zusammengeht. Ein Essay in drei Teilen.»
Warum ich aufgehört habe zu suchen

Warum ich aufgehört habe zu suchen

Was Claudi mir über Sinn im digitalen Alltag gezeigt hat
In Search of Meaning

In Search of Meaning

Is the outside world simply a distraction?
Female Founder News #36 – July 2026

Female Founder News #36 – July 2026

July was a month of handovers, where women took on senior roles in several ventures.
Empfangen – Warum Geld erst dann fliesst, wenn wir aufhören, es zu verdienen

Empfangen – Warum Geld erst dann fliesst, wenn wir aufhören, es zu verdienen

Teil 1 von Anne Müllers dreiteiligem Essay: «Über Geld, Spiritualität und den Fakt, dass beides zusammengeht. Ein Essay in drei Teilen.»
Im Beichtstuhl der Kommentarspalten

Im Beichtstuhl der Kommentarspalten

Als ich vor vielen Jahren zum allerersten Mal in einem grossen Magazin porträtiert wurde, bekam ich prompt Fanpost.
Melanie Lennert & Melanie Tschugmall CRO2go

Melanie Lennert & Melanie Tschugmall CRO2go

Wie zwei Melanies als Teilzeit-Chief Revenue Officers Firmen auf Kurs bringen
Der Wert der feinsinnigen Dialoge

Der Wert der feinsinnigen Dialoge

Es ist eine dieser wunderbaren, leichten Gartenpartys im Spätsommer.
Hinhören oder weghören

Hinhören oder weghören

Das ist hier die Frage
Schafft Storytelling Sinn?

Schafft Storytelling Sinn?

Diese Geschichte beginnt nicht mit einem Anfang, sondern mit einer Lücke. Einer Lücke, die für viele Menschen zwischen ihrer täglichen Arbeit und der Suche nach Sinn klafft.
FOMO bei der digitalen Sinnsuche?

FOMO bei der digitalen Sinnsuche?

Mit der Verschiebung der Sichtbarkeit von der realen in die digitale Welt – und damit einem massiv erweiterten Horizont – drängt sich die Frage auf: Wie verändert sich mein Marketing? Wie kann ich Menschen von mir und meiner Dienstleistung oder meinen Produkten überzeugen? Was bringt künftig Erfolg?
Fruchtbarkeit: Der blinde Fleck unserer Wirtschaft

Fruchtbarkeit: Der blinde Fleck unserer Wirtschaft

Fachkräftemangel, Rentenreformen, Überalterung, Produktivität: Kaum ein wirtschaftliches Thema wird derzeit intensiver diskutiert. Über eine der Ursachen dahinter sprechen wir hingegen erstaunlich selten – die sinkende Geburtenrate.
Ausgewählte Artikel aus der aktuellen Ausgabe des Ladies Drive Magazins werden in Kürze veröffentlicht.

Ladies Drive Bookazine

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?

Mit dem Abo für 20.- pro Jahr kannst Du Teil der Business Sisterhood sein.
Bestelle das Magazin in unserem Shop.

Ladies Drive No. 74. Sommer 2026. Auf Sinnsuche im digitalen Raum

Werde Teil unserer Business Sisterhood

Exklusive Angebote und Verlosungen, Event-News mit Spezialkonditionen und Inspiration, wie wir gemeinsam die Welt bewegen.

Werde Kindness Economist und Teil unserer Business Sisterhood!

  • •⁠ ⁠⁠Zugang zu exklusiven Angeboten und Verlosungen, die ausschliesslich für die Newsletter-Community gelten.
  • •⁠ ⁠⁠Erfahre als Erste von unseren Events und profitiere von Spezialkonditionen.
  • •⁠ ⁠⁠Lerne wie wir gemeinsam die Welt bewegen und verändern können.

Jetzt den Ladies Drive-Newsletter abonnieren.

Sie haben den Ladies Drive Newsletter erfolgreich abonniert!

Werde Kindness Economist und Teil unserer Business Sisterhood!

  • •⁠ ⁠⁠Zugang zu exklusiven Angeboten und Verlosungen, die ausschliesslich für die Newsletter-Community gelten.
  • •⁠ ⁠⁠Erfahre als Erste von unseren Events und profitiere von Spezialkonditionen.
  • •⁠ ⁠⁠Lerne wie wir gemeinsam die Welt bewegen und verändern können.

Jetzt den Ladies Drive-Newsletter abonnieren.

Sie haben den Ladies Drive Newsletter erfolgreich abonniert!

Pin It on Pinterest

Share This