Es war angerichtet in Boncourt JU, bei der Firma Comadur, in ganz grossem Stil, man war respektive ist das ganze Jahr in Feierstimmung, um 40 Jahre Rado Keramikuhren zu feiern. Comadur stellt die für Rado immens wichtigen Keramikuhrenkomponenten her und gehört wie Rado selbst auch zur Swatch Group. Rado hat nicht immer Keramikuhren produziert, die erste, die «Integral» kam 1986 auf den Markt. Zuvor schon hat sich Rado, die 1917 von den Brüdern Schlup in Lengnau BE als Uhrenrohwerksfabrik gegründet wurde, einen Namen mit Pionier-Einsätzen von Hightech-Materialien gemacht. Die erste kratzfeste Uhr 1962 geht auf das Konto von Rado, die sich auf die Lunette geschrieben hatten, vor allem langlebige Zeitmesser herzustellen. Das Bewusstsein für Schönheit stand noch nicht so im Vordergrund, obwohl die Captain Cook von 1962 für die Fans von Vintage Chronographen ihren Reiz hat.

Heisse Erkenntnisse
Am Festanlass steht eine geführte Tour durch den Betrieb von Comadur auf dem Programm. Station für Station begreift man, dass hier zwei Kräfte gebündelt wurden, die sich gegenseitig beflügeln. Comadur – der Name setzt sich übrigens aus Components aux materiaux dures zusammen, also Komponenten aus harten Materialien – ist im späten 19. Jahrhundert bereits als Fabrik für die Herstellung von synthetischen Rubinsteinen gegründet worden. Rado suchte nach noch härteren Materialien für neue Uhren – et voilà. Als nicht-Chemiker ist es etwas schwierig, dem Prozess der Herstellung der Keramik für die Uhren zu folgen. Man nehme superreines Puder wie Aluminiumoxid, Zirkoniumoxid und Siliziumnitrid. Füge Pigmente hinzu und binde das Gemisch (der gesamte Vorgang ist irre komplex und passiert in mehreren Schritten). Die fertige Masse wird in Formen gespritzt und unter extremem Druck gepresst. Der finale Schritt ist das Brennen der Teile in Hochleistungsöfen bei ca. 1450 Grad, damit die Keramik so hart wird, dass man sie nur mit einem Diamanten zerkratzen kann. Darum können auch nur Werkzeuge mit Diamanten die Keramikteile final bearbeiten, ein Prozess, der immer noch von Hand gemacht wird. Hunderte Uhren werden jeden Tag fabriziert, die für die Endmontage mit dem Uhrwerk nach Langnau geschickt werden.

Grösster Markt ist Indien
In einem kurzen Austausch mit Rado CEO Adrian Bosshard ist zu erfahren, dass Indien der Hauptabsatzmarkt für die Uhren von Rado ist. Eine Frau sei dort für den Markt verantwortlich, Brand Managerin Simran Chandhoke. Wie Adrian Bosshard und übrigens auch Nicolas Oian, CEO von Comadur, eine langjährige Swatch Group Zugehörige, sie ist seit bald 18 Jahren bei der Marke. Adrian Bosshard lobt die asiatischen Businessfrauen generell, sie seien tough und verlässlich und würden sich dadurch auszeichnen, dass sie langfristig vorausdenken. Die Uhrenrange von Rado global besteht zu einem Drittel aus für Frauen konzipierten Modellen, ein Drittel sieht man eher an Männerhandgelenken und das letzte Drittel ist Unisex. An dem Abend in Boncourt wurde feierlich ein Jubiläumsmodell enthüllt, das das allererste Modell von 1986 wieder aufleben lässt, eine «Integral 40-Year Anniversary» in Schwarz und Gelbgoldfarbe.



Die schwarzen Glieder des Armbands sind aus high-tech Keramik, das Gehäuse aus Stahl.

Öfter mal was Neues
Rado ist nach der Einführung der high-tech Keramik nicht stehengeblieben. 1992 präsentierten sie die erste Uhr aus farbiger Keramik. Comadur hat Plasmaöfen in Betrieb genommen, die bisher extrem selten sind (angeblich gibt es nur zehn solche auf der Welt, drei davon stehen in Boncourt). In diesen Öfen wird weisse Keramik bei 20 000 Grad gebrannt, das ist fast vier Mal so heiss wie die Sonnenoberfläche. Der Effekt: Das Keramik sieht aus wie Metall, ohne dass metallene Komponenten dreingemischt oder aufgebracht wurden. Und der jüngste Schritt im Bereich Materialentwicklung ist Ceramos. Aus ca. 90 Prozent Keramik und 10 Prozent Metalllegierung können diverse Goldtöne erschaffen werden.
Neben dem Jubiläumsmodell der «Integral» gibt es zur 40-Jahr-Feier eine umfangreiche Jubiläumskollektion. Wenn ihr wissen wollt, welches Modell uns daraus am besten gefallen hat, lest die Sommerausgabe 2026 des Ladies Drive Magazins.
Die Preise für Rado Uhren liegen zwischen CHF 8 650 (Anatom Automatic Diamonds) und CHF 950 (Florence). Alle Uhren auf rado.com












