
„ich Fördere Frauen, und Jeder im Unternehmen Weiss Das!”
Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Cindy Livingston Press

Die grosse, erfolgreiche Lady der Uhrenbranche, Cindy Livingston, CEO der Sequel AG, über Mütter, Menschen, die einen inspirieren, Erfolgsfaktoren in ihrer Karriere – und Hillary Clinton.
Ladies Drive: Wer hat Sie inspiriert und Ihnen geholfen in Ihrer Laufbahn? Ich habe unglaublich viel gelernt von meiner Mutter. Durch sie weiss ich, wie gut es sich anfühlt, wenn Frauen zusammenhalten. Ich habe meiner Mutter viel zu verdanken. Sie absolvierte das College, spielte Tennis und Golf, als das noch kaum eine Frau tat. Sie arbeitete, damit ich die Hochschule besuchen konnte. Bis heute ist sie eine wahre Inspiration für mich! Stellen Sie sich vor – sie ist 89 und reist noch immer mit mir um die Welt – ganz zu schweigen davon, dass sie seit letztem Jahr Spass daran findet, mit dem Paraglider von den Klippen auf Bali zu springen. Auch mein Mann war und ist mir immer eine grosse Unterstützung. Er stand bei jeder Entscheidung in meinem Leben an meiner Seite. Er versuchte mich nie zurückzuhalten, sondern sagte immer: „go for it!“ Sie denken noch nicht an den Ruhestand? Ich denke daran. Mein Ehemann ist pensioniert. Aber ich denke, ich bin noch nicht ganz bereit. Ich glaube, die 50ies sind die neuen 30ies, die 60ies sind die neuen 40ies (lacht). Ach, ich denke, ich habe noch eine weitere Karriere vor mir, um ehrlich zu sein! Wissen Sie denn schon, was das sein wird? Haben Sie etwas im Kopf? Ich würde gerne für Hillary Clintons Präsidentschafts-Wahlkampagne arbeiten, um sie zu unterstützen, als Präsidentin gewählt zu werden. Das wäre eine grossartige und interessante Gelegenheit, sagen wir mal, so für 18 Monate. Wir werden sehen. Das ist eine Option. Andererseits mag ich meine jetzige Position. Ich liebe die Herausforderung, Marken aufzubauen. Vielleicht nehme ich mir eine Auszeit und komme mit einem Konzept zurück, meine eigene Marke aufzubauen. Ich habe viele Ideen! Ich liebe es, Dinge von Grund auf zu entwickeln und umzusetzen. Ich brauche keine Milliarden-Corporation. Mir reicht es, wenn Menschen passioniert, glücklich und unternehmerisch sind und gemeinsam Dinge bewegen. Wie haben Sie für Sequel eigentlich die richtigen Angestellten gefunden? Jede Person, die ich anstelle, verfügt über eine gut verknüpfte linke und rechte Gehirnhälfte. Das macht den Erfolg der Firma aus. Meine Leute sind multi-skilled, d. h. sie haben mehrfache Begabungen. Wenn jemand nur ein hochentwickeltes Finanzwissen mitbringt und kein kreatives Denken, dann geht das nicht. Mein Finanzverantwortlicher ist beispielsweise sehr interessiert am gesamten Unternehmen, nicht nur an Zahlen. Er versteht das Businessmodell, und das macht ihn so gut. Wenn man das nicht hat, versteht man nicht, wie das Unternehmen tickt, läuft und wächst. Ich habe viele sehr clevere Leute mit unternehmerischem Denkvermögen in der Firma. Der Grund, warum die Firma derart wachsen konnte, ist, dass ich all diese Leute habe, die out-of-the-box denken. „When you are in the club, you are in the club.” Es klingt so simpel. Aber wie finden Sie die richtigen Leute? Ich mache Fehler, jeder macht die. Wenn jemand nicht zu uns passt, dann trennen wir uns wieder. Ich stelle Menschen ein, die passioniert sind. Solche Mitarbeiter ziehe ich jedem MBA oder Harvard Absolventen vor. Sie führen seit vielen Jahren Mitarbeiter – welcher Typ Führungskraft sind Sie? Ich denke, ich bin ein „orchestral leader“, eine Dirigentin. Jemand, der den Sound koordiniert und zusammenbringt. Ich triggere an, mag es, mehr aus Menschen herauszuholen. Ich passe mich also ihnen an, nicht umgekehrt! Und ich denke, ich hole das Beste aus meinen Mitarbeitern heraus, indem ich persönlich mit ihnen rede. Das benötigt mehr Zeit, aber die Ergebnisse sind besser. Ich halte mich übrigens nicht für die intelligenteste Person im Unternehmen. Und vielleicht bin ich ein bisschen wie eine Mutter, weil ich schon so lange dabei bin. Ansonsten ist mir auch wichtig, über alle Bereiche des Unternehmens Bescheid zu wissen. Nur so versteht man das grosse Ganze. Unternehmerisch gesehen, was macht Sie glücklich? Sehen, wie Leute in ihren Jobs wachsen und sich entwickeln. Zu sehen, wie ein B-Player zu einem A-Player wird. Ich bin glücklich, wenn Mitarbeiter mit neuen Konzepten und Ideen zu mir kommen. Wenn eine Gruppe von Leuten zusammenkommt und etwas Neues kreiert, z. B. etwas, das eine Uhrenfirma vorher noch nie getan hat. Aber unser Unternehmen ist auch in vielerlei Hinsicht Berater für andere Firmen – wir haben 65 Partner weltweit. Für diese sind wir nicht nur Geschäftspartner, sondern beraten sie, wie sie ihr Geschäft optimieren können. Diesen Teil finde ich sehr spannend. Ich habe auch keine Verkaufsleute mehr, ich habe Business-Analysten! Das ist ein weiterer Grund, weshalb wir erfolgreich sind. Wir ändern die Herangehensweise, wir verharren nicht im Dagewesenen und Etablierten. Das klingt spannend ... denn mittlerweile gibt es ja eine ganze Menge Modeuhren-Marken... Ein weiterer Punkt unseres Erfolgs ist, dass wir sehr fokussiert sind. Wir haben zwei Brands, nicht fünfzig. Wir haben eine Marke für junge Leute und wir haben die Swiss Made Prestige Marke Gc für eine dynamische und ehrgeizige Zielgruppe, die Qualität und anspruchsvolles Design zu einem smarten Preis – Smart Luxury – sucht, bevor sie eventuell irgendwann Highend- Luxus kaufen wird. Und ich hoffe, sie kann es sich einmal leisten (lacht). Es ist wie Ihr Magazin, Sie haben eine Nische ausgewählt. Das machen wir auch. „ICH HABE UNGLAUBLICH VIEL GELERNT VON MEINER MUTTER. DURCH SIE WEISS ICH, WIE GUT ES SICH ANFÜHLT, WENN FRAUEN ZUSAMMENHALTEN. ICH HABE MEINER MUTTER VIEL ZU VERDANKEN. SIE ABSOLVIERTE DAS COLLEGE, SPIELTE TENNIS UND GOLF, ALS DAS NOCH KAUM EINE FRAU TAT.” Sie engagieren sich auch philanthropisch, und zwar mit der Firma, nicht nur als Privatperson. Wie kam es dazu? Für mich gehört zum Erfolg auch das Zurückgeben an weniger begünstigte Menschen, ganz besonders Kinder. Und so habe ich vor sechs Jahren die Faces to Watch – Time to Give Charity Initiative ins Leben gerufen. Ausserdem hatte ich einen Trend bemerkt, dass junge Menschen vermehrt den Wunsch haben, sich für Charity zu engagieren. So hatten auch wir zwei Mitarbeiter, die bei uns Geld verdienen wollten, um sich hinterher Freiwilligenarbeit im Ausland leisten zu können. Zu jenem Zeitpunkt erfuhr ich, dass einer unserer Zulieferer ein Projekt in Äthiopien begründet hatte. Ich fuhr hin, mein Herz war in Wallung. Ich engagierte die zwei jungen Menschen als Charity-Beauftragte. In enger Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten, Distributoren, dem Einzelhandel, aber auch unseren Mitarbeitern unterstützen wir seither weltweit Kinderhilfsprojekte, die alle zwei Jahre wechseln. Mittlerweile haben wir über sechs Millionen Dollar für unterschiedliche Projekte zusammengebracht und sind sehr stolz darauf! Fördern Sie Frauen in Ihrem Unternehmen? Oh ja, und jeder in meiner Firma weiss das! Ich lege grossen Wert auf ein ausgewogenes Managementteam. Es macht mehr Spass, wenn eine gleichberechtigte Verteilung da ist. Meine Erfahrung ist: Viele Frauen arbeiten mehr, beachten mehr Details, sie verstehen Mode, tätigen mehr Einkäufe. Was ist Ihre Einschätzung – weshalb gibt es auch in der Uhrenbranche so wenige Frauen im Topmanagement? Ich habe keine Ahnung. Ich weiss, dass es viele CEOs in der Branche gibt, die Frauen in ihrer Karriere unterstützen. Aber manchmal ist es einfacher, wenn man eine Organisation, bestehend aus Männern, hat. Frauen wollen Kinder, sind weniger bereit, im Job zu reisen. Solche Dinge sind für jedes Unternehmen eine Herausforderung. Weshalb wollen Sie eigentlich Hillary Clinton unterstützen? Hillary ist eine grosse Förderin von Frauen. Und ich möchte es noch erleben, dass wir eine Frau als Präsidentin haben. Ich warte immer noch darauf, dass dies passiert. Und ich denke, dass es möglich ist. Wir haben es bereits geschafft, einen afroamerikanischen Präsidenten zu haben, dann schaffen wir es auch, eine Frau als Präsidentin zu haben. Hillary unterstützt Frauen, hat eine grossartige Tochter. Sie kann viele Türen öffnen, genauso wie es Obama tat. Egal ob man seine Politik mag oder nicht, er öffnete viele Türen, und so würde sie das auch tun. Ausserdem hat sie einen tollen Job als Aussenministerin gemacht. Es gibt Frauen im Topmanagement, aber viele unterstützen sich nicht gegenseitig. Warum? Ich weiss es nicht. Das ist etwas, das ich nicht verstehe. Das ist seltsam. Ich bin nicht so! Wenn wir uns in fünf Jahren wieder sehen, wo würden Sie mich treffen wollen? Auf Bali! Ich hab dort ein Haus und lade ab und zu mal Freundinnen oder Geschäftspartnerinnen ein, die sich untereinander nicht kennen. ‚Women of Substance‘ nenne ich diese Kreise und verlebe mit ihnen eine Woche auf Bali. So netzwerke ich. Also – wir sehen uns am besten auf Bali wieder! Wochen später, als wir uns per E-Mail über die zu verwendenden Fotos im Magazin unterhalten, fällt mir ihr Wohlwollen wieder in den Schoss, erneut unerwartet und von Herzen kommend. Sie verabschiedet sich in einer der E-Mails mit den Worten: „Lassen Sie uns mal wieder essen gehen. Ich liebe starke Frauen, die fokussiert sind. Und Gratulation zu all dem, was Sie bereits erreicht haben!“ Und ich denke still bei mir, wie privilegiert meine Arbeit doch ist, solch grossartige Menschen wie Cindy treffen zu dürfen, weil sie das Gute, das sie selbst erlebt haben, weitergeben – in Worten und Taten.
Veröffentlicht online am 27 Jan., 2014
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