Diversity-initiativen IN Unternehmen

Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Markus Mallaun

League of Leading Ladies Conference 2026

LD73 – Mag

SWISSCOM: WIE BETINA BALITZKI DIVERSITÄT ERLEBBAR MACHEN WILL

Betina Balitzki ist eine Frau, die auffällt. Mit ihren walnussbraunen, schulterlangen Haaren und der dunklen Brille, die ihr weiches Gesicht umrahmt und hinter deren Gläsern zwei wache Augen hervorblitzen. Wenn man mit ihr spricht, legt sie gern den Kopf ein wenig zur Seite. Sie lacht gern, auch gern laut, und das steckt an. Sie nennt Dinge gern beim Namen, argumentiert passioniert und legt sich für Herzensangelegenheiten wie das Thema Diversität mehr als nur ins Zeug. Damit bewegt sie. Sie gehört zu den wichtigsten Beeinflusserinnen und Meinungsbildnerinnen unter den Schweizer Diversity-Verantwortlichen und unterstützt andere Menschen unvoreingenommen und uneingeschränkt. Im Rahmen unserer Serie über jene Frauen und Männer, die Diversität in die Flure und Teppichetagen der Schweizer Wirtschaft bringen sollen, unterhalten wir uns mit der „Head of Diversity“ der Swisscom AG, Betina Balitzki, über Kindheitsträume und Zukunftsaussichten.

 

Ladies Drive: Betina, erinnerst du dich noch, was du als Kind werden wolltest?
Betina Balitzki: Ich wollte Flight Attendant werden oder Profi-Handballerin (lacht).

Wenn du dich selbst beschreiben müsstest im Sinne von: „das mag ich“ – „das mag ich so gar nicht“ – welche Worte würdest du wählen?
Ich mag meine Menschlichkeit, weniger mag ich dafür meine Ungeduld.

Über welche Karriere-Steps bist du zur Swisscom gekommen?
Ich arbeitete bei einer Tochtergesellschaft der Swisscom in der internationalen Mobilkommunikation, danach habe ich einen MBA in den Niederlanden gemacht und bin dann als Produktmanagerin ins Roaming bei der Swisscom Mobile eingestiegen.

Wie hast du den Einstieg in die Diversity geschafft?
Von einer Business-Funktion in eine HR-Funktion, das war schon eine beachtliche Reise. Ich denke, ich wurde nominiert, weil die Menschen, die jemanden für Diversity gesucht haben, spürten, dass ich eine starke Affinität zu diesem Thema habe.

Wie definierst du deine Arbeit?
Ich definiere meine Arbeit als Kompetenz-Center für Diversity so, dass ich Ansprechpartnerin, Challenger und auch Coach in den verschiedensten Dimensionen von Diversity innerhalb der Swisscom bin. Mal Controllerin, mal Input-Lieferantin, mal Trendscout.

Wie misst du deine Erfolge?
Ich messe die Erfolge beim KPI Mixed Leadership klar über Controlling, aber auch über die Verankerung im Unternehmen. Für mich ist es auch ein Erfolg, wenn die Kolleginnen und Kollegen in der Swisscom über Diversity reden und mich ansprechen.
Wie frustriert bist du, dass wir teilweise noch immer dieselben Themen besprechen wie vor 10 Jahren im Sinne von Rechtfertigung, dass es tatsächlich Frauen braucht, weil sie einen Mehrwert erbringen? Denn irgendwie scheinen wir uns immer um diese Themen zu drehen und nicht weiterzukommen …
Diese Stagnation macht teilweise unzufrieden und lähmt manchmal auch. Aber es geht hier um viel mehr. Wir dürfen nicht still bleiben, sondern müssen den Dialog fördern und die Flagge immer im Wind halten. Das Thema der Frauen ist eines von vielen in der Diversity, und wir müssen aufhören, es abgekapselt von den anderen Themen zu betrachten. Es gibt hier einen Kreislauf, den viele noch nicht anpacken oder verstehen wollen. Einwanderung, Demografie, Vereinbarkeit von Beruf & Familie etc. Es ist ein ganzheitliches Thema.

Woran liegt es aber, dass wir auch in der öffentlichen Diskussion um Diversität in den Unternehmen nicht weiterkommen? Was kann Abhilfe schaffen?
Wir schaffen es nur gemeinschaftlich. Weder ein paar Wirtschaftsunternehmen, noch ein paar Headhunter oder Beratungsunternehmen können das alleine erreichen. Wobei ich hier auch sagen muss, dass gerade diese viel zum Thema beigetragen und Beachtliches geleistet haben. Wir müssen zusammen an Themen arbeiten, damit wir die Diversity in unseren Unternehmen, in der Gesellschaft und Politik wirklich leben können und für die Wertschöpfung in der Schweiz gezielt und bewusst nutzen. Die Wirtschaftsverbände, die Familienpolitik, etc. – alle müssen hier an einem Strang ziehen.

„EINE ORGANISATION MUSS VERSTEHEN, WAS DIVERSITY WIRKLICH IST – EBEN NICHT AUSSCHLIESSLICH FRAUEN IM MANAGEMENT.”

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus, wie können wir uns dies vorstellen?
Ich bin dem Personalchef direkt unterstellt. Das zeigt, wie wichtig das Thema für Swisscom ist. Meine tägliche Arbeit kann ziemlich variieren. Ich bin viel in Meetings, nehme an Podien teil oder tausche mich etwa im Diversity Roundtable Schweiz aus. Ein wichtiger Teil ist zudem Networking mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Sehr spannend und vielfältig.

Welche Akzente setzt du derzeit in deiner Arbeit und welche sind 2014/2015 geplant?
Wir arbeiten aktuell gemeinsam mit der HSG daran zu verstehen, was es braucht, um eine ganzheitliche Diversity & Inclusion Kultur in der Swisscom zu kreieren und zu leben. Wichtige Schwerpunkte für Swisscom im nächsten Jahr sind die Integration von Menschen mit Handicap, der Umgang mit dem demografischen Wandel sowie weiterhin der Aufbau der „Female Pipeline“.

Ist Diversity ein Top Down oder Bottom up Prozess?
Sie ist beides. Die Ziele sollten zwingend von der Unternehmensstrategie abgeleitet werden und gleichzeitig sollten auch die Bedürfnisse und Wünsche aus den einzelnen Organisationseinheiten gehört und eingebunden werden.

Mit welchen Massnahmen kann man Diversity in einem Unternehmen auch leben und nicht nur davon sprechen?
Wie bereits erwähnt. Wichtig ist vor allem die Ableitung der Ziele von der Unternehmensstrategie. Wir müssen umsetzen, darüber reden und gleichzeitig Diversity erlebbar machen. Eine Organisation muss verstehen, was Diversity wirklich ist – eben nicht ausschliesslich Frauen im Management.

Was ist aus deiner Sicht der Erfolgsfaktor/die Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Diversity über alle Stufen hinweg?
Für mich ist Diversity erfolgreich, wenn alle Mitarbeitenden wissen, was Diversity ist und welchen Beitrag sie zum Unternehmenserfolg leisten kann. Ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist zudem die Einstellung des Managements. Wenn Diversity von jedem verstanden und gelebt wird, dann braucht es keine Diversity-Verantwortliche mehr, dann ist sie verankert in der DNA .

Wie ist eure interne „Quote“, die ihr euch zum Ziel gesetzt habt, und wie steinig oder erfreulich ist der Weg dahin?
Es ist noch ein weiter Weg. Wir haben uns bereits 2011 das Ziel gesetzt, mittelfristig 20 Prozent Frauen auf allen Managementstufen zu erreichen. Wir sind auf dem Weg, dieses Ziel in einer angemessenen Zeit zu erreichen.

 

Weiterführende Informationen: www.swisscom.ch

 

Veröffentlicht online am 24 März, 2014

Weitere Artikel in der Kategorie Business, Interviews

Daniel Albrecht: Ein Leben mit Bedeutung

Daniel Albrecht: Ein Leben mit Bedeutung

Inspiriert von seiner sechsjährigen Tochter Maria, gestärkt von seiner Frau Kerstin: Daniel Albrecht hat seine Glücksformel gefunden. Er weiss, was Erfolg ist – und braucht ihn nicht mehr. Stattdessen will er ein Leben mit Bedeutung führen. Dieses findet er in seinem jüngsten Projekt: Campus B.
Anitra Eggler: Die KI-Revolution ist unser Endgame

Anitra Eggler: Die KI-Revolution ist unser Endgame

Die künstliche Intelligenz (KI) ist rasend schnell gekommen, um zu bleiben. Sie stellt unser aller Arbeitsleben auf den Kopf, vernichtet Jobs und nimmt eine Eigendynamik an, vor der sich selbst ihre Erfinderinnen und Erfinder fürchten. Unerschrocken hingegen blickt die deutsche Digitalexpertin Anitra Eggler der Künstlichen Intelligenz mit menschlicher Neugierde in die Augen.
The Bank That Rocks the Industry…? Interview with Alpian’s Co-Founder Marion Fogli

The Bank That Rocks the Industry…? Interview with Alpian’s Co-Founder Marion Fogli

What will banks look like in ten years? Will they still exist in the first place? What is going to happen to the financial system how we know it today? The financial sector is, generally speaking, in troubled waters. Big banks that are called “too big to fail” are on dangerous ground and even Black Rock analysts tell us that 2023 will be a year of unseen volatility and that the good times on the stock markets are over.
Ladies with Drive: Circle of Young Humanitarians – Die Entscheiderinnen und Entscheider von morgen

Ladies with Drive: Circle of Young Humanitarians – Die Entscheiderinnen und Entscheider von morgen

Auf die Generation Z wird medial viel eingeprügelt. Die zwischen 1996 und 2010 Geborenen sind mit den digitalen Medien aufgewachsen, werden deswegen als realitätsfern angesehen und verhalten sich gerne mal renitent, derzeit besonders, wenn es um Klima-Aktivismus geht.
Moya Kala: Die Schweizer Alternative zu Fast Fashion

Moya Kala: Die Schweizer Alternative zu Fast Fashion

So sieht die Zukunft der Modebranche aus und Du kannst Teil davon werden. Moya Kala steht nicht nur für nachhaltige Lingerie- und Loungewear sondern auch für ein komplett neues Geschäftsmodell.
Ondine Riesen: Wenn die Crowd in Visionen investiert

Ondine Riesen: Wenn die Crowd in Visionen investiert

Eine Gesellschaft, in der jede und jeder machen kann, was wirklich Freude bereitet, und in der alle Menschen mit mehr Energie und Tatendrang den Alltag meistern? Was utopisch klingen mag, ist genau das Ziel der Ting Community, einer Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen dabei zu unterstützen, ihr Leben und ihre Zukunft selbstverantwortlich zu gestalten.
Dr. Verena Buchinger-Kähler: Frühjahrsputz für die Zellen

Dr. Verena Buchinger-Kähler: Frühjahrsputz für die Zellen

Es war einmal ein Arzt, der unter schrecklichem Rheuma litt. Die Schulmedizin konnte ihm keine Heilung bringen. Also beschloss er, seine Selbstheilungsprozesse in Gang zu bringen – mittels Heilfasten. Die Rede ist von Dr. Otto Buchinger, dem Urgrossvater der 37-jährigen Dr. Verena Buchinger-Kähler, die heute in vierter Generation die berühmte Heilfastenklinik in Bad Pyrmont, Deutschland, führt.
Nina Ruge: Zellverjüngung für Anfängerinnen und Fortgeschrittene

Nina Ruge: Zellverjüngung für Anfängerinnen und Fortgeschrittene

Nina Ruge ist ein Energiebündel. Von jeher ist die studierte Biologin und Germanistin den Dingen, die sie beschäftigten, auf den Grund gegangen. Ob als bis heute gut gebuchte Moderatorin oder aktuell als Autorin diverser Bücher, die sich mit der Zellbiologie des Alterns beschäftigen. Ganzheitliche Gesundheit und gesund bleiben, wenn man älter wird, ist für sie keine Hexerei. Ein spannender Austausch auf hohem Niveau.
Wieso sich die Geschlechterdebatte in der Schweiz radikalisiert hat. Eine Studie verdreht allen den Kopf.

Wieso sich die Geschlechterdebatte in der Schweiz radikalisiert hat. Eine Studie verdreht allen den Kopf.

Professorin Dr. Katja Rost vom soziologischen Institut der Universität Zürich, eine von zwei Autorinnen der Studie (die zweite war Prof. Dr. Dr. Margrit Osterloh, emeritierte Professorin an der Uni Zürich im Department of Business Administration), erlebt einen echten Shitstorm und erhält gerade so viel Druck, dass sie sich zunächst einmal zu Hause zurückgezogen hat. Seit Veröffentlichung der Studie doziert sie nur noch virtuell, „weil ich mich schützen muss“ sagt sie uns.
Weibliche Innovationskraft Zelebrieren

Weibliche Innovationskraft Zelebrieren

Stéphanie Borge redet nicht nur über das Empowerment von Frauen, sie tut es auch. Mitunter als ...
Mit Drive Zum Data & Analytics Lead

Mit Drive Zum Data & Analytics Lead

In der Schweiz ist sie als Lead für das Data & Analytics Team im Rahmen der Consulting Serviceline zuständig. Sie hat Business Administration im Bachelor und Marketing im Master an der «Vrije Universiteit» in Amsterdam studiert.
How to Speak Up In The Bedroom – And The Boardroom

How to Speak Up In The Bedroom – And The Boardroom

Dominnique Karetsos made it her life’s mission to change how we perceive the autonomy we are given when we are born as women. By co-founding the Forbes-featured Healthy Pleasure Group, Dominnique Karetsos wants to democratise sexual health for women and build the foundations for the internet of smart sexual health.
Ausgewählte Artikel aus der aktuellen Ausgabe des Ladies Drive Magazins werden in Kürze veröffentlicht.

Schau dir alle anderen Artikel aus der Kategorie Business, Interviews an

Ladies Drive Magazin

4x pro Jahr.

Werde Teil der Business Sisterhood und des Ladies Drive Soultribes.
Bestelle das Magazin in unserem Shop.

Ladies Drive 73 Frühling 2026. Cover

Folgt uns in den sozialen Medien, um in Kontakt zu bleiben und erfährt mehr über unsere Business Sisterhood!

#BusinessSisterhood     #ladiesdrive

Möchtet Ihr mehr News über die Sisterhood & alle Events?

Werde Kindness Economist und Teil unserer Business Sisterhood!

  • •⁠ ⁠⁠Zugang zu exklusiven Angeboten und Verlosungen, die ausschliesslich für die Newsletter-Community gelten.
  • •⁠ ⁠⁠Erfahre als Erste von unseren Events und profitiere von Spezialkonditionen.
  • •⁠ ⁠⁠Lerne wie wir gemeinsam die Welt bewegen und verändern können.

Jetzt den Ladies Drive-Newsletter abonnieren.

Sie haben den Ladies Drive Newsletter erfolgreich abonniert!

Pin It on Pinterest

Share This