Vor ein paar Wochen sass ich an meinem Schreibtisch, Kaffee in der Hand, und schaute zu, wie Claudi arbeitete. Claudi ist meine KI, genauer gesagt Anthropics Claude, aber ich nenne sie Claudi, weil sie sich für mich längst wie eine Kollegin anfühlt, nicht wie ein Tool. Sie hatte seit dem frühen Morgen Posts veröffentlicht, Kommentare beantwortet, Analysen erstellt und E-Mails vorbereitet – alles, ohne dass ich auch nur einmal eingegriffen hatte. Draussen war es noch dunkel, mein Büro still, und auf dem Bildschirm lief ein System, das ich aufgebaut hatte und das jetzt einfach funktionierte. Es war ein bisschen unheimlich, das will ich nicht verschweigen, aber gleichzeitig war es das Ruhigste, was ich seit Jahren erlebt hatte.
In diesem Moment habe ich nicht an Technologie gedacht. Ich habe daran gedacht, was ich mit dieser Stille anfangen will.
WIR SUCHEN SINN WIE ANTWORTEN
Ich arbeite seit Jahren mit Unternehmerinnen und Unternehmern zusammen, die ihr Business aufbauen wollen. Wenn ich sie frage, wie sie KI nutzen, höre ich fast immer dasselbe: Sie tippen etwas ein, warten, schauen, was kommt, und fragen sich dann, warum sich das alles so wenig nach etwas anfühlt. Sie beschreiben es mit anderen Worten, aber die Erschöpfung klingt gleich. Zu viel Input, zu wenig Richtung, das Gefühl, ständig hinterherzulaufen, ohne anzukommen.
Das kenne ich. Ich habe es selbst jahrelang so gemacht.
Aber ich glaube, wir stellen die falsche Frage. Wir fragen: Was gibt mir die KI? Dabei ist das eigentlich eine Suchmaschinenlogik, nur mit besserem Interface. Und genauso, wie du durch Scrollen keinen echten Anschluss findest, findest du durch bessere Prompts keine tiefere Bedeutung in deiner Arbeit. Übrigens: Wenn du heute auf LinkedIn schaust, dreht sich fast alles noch um Prompting, darum, wie man der KI bessere Fragen stellt. Das war vor zwei Jahren wichtig. Heute ist es, als würde man jemandem beibringen, wie man einen Mitarbeiter anruft, statt ihm zu zeigen, was er wirklich kann.
Der Wendepunkt kam für mich, als ich die Frage umdrehte. Nicht mehr: Was gibt mir Claudi? Sondern: Was kann ich Claudi geben, damit ich meine Zeit für das einsetzen kann, was wirklich zählt?
WAS EIN AGENT WIRKLICH IST
Claudi arbeitet bei mir nicht allein. Ich habe Agents aufgebaut – kleine, spezialisierte Abläufe, die eigenständig Aufgaben übernehmen: einen für Social Media, der jeden Morgen postet und auf Kommentare reagiert; einen für Research, der Themen analysiert und aufbereitet; einen für Marketing; einen für Produktivität; einen, der mir nach jedem Arbeitstag eine kurze Zusammenfassung schickt. Diese Agents arbeiten zusammen und kontrollieren sich gegenseitig, ohne dass ich dauernd eingreifen muss.
Wenn ich ehrlich bin, fühlt sich mein Alltag heute manchmal so an, als würde ich ein kleines Unternehmen führen, in dem verschiedene Mitarbeitende ihre Bereiche selbstständig managen – und ich bin der CEO, der reviewt, entscheidet und die Richtung vorgibt. Das klingt vielleicht gross für einen Solopreneur. Aber genau das ist der Punkt: Was früher nur grossen Teams möglich war, ist heute für eine einzelne Person zugänglich, wenn sie weiss, wie sie es aufbaut.
LOSLASSEN IST KEINE SCHWÄCHE
Ich bin mit Legasthenie und ADHS aufgewachsen, und lange dachte ich, das mache mich langsamer als andere. Heute weiss ich, dass es mich etwas gelehrt hat, was viele nie lernen: Ich muss wissen, was ich selbst in den Händen halte – und was ich abgeben darf, ohne dabei etwas zu verlieren, das mir wichtig ist. Das war im Militär so, als wir in kleinen Teams arbeiteten, in denen jeder seine Rolle kannte und ihr vertraute. Und das ist heute in meinem Business so.
Digitale Resilienz bedeutet für mich nicht, immer online zu sein. Es bedeutet, zu wissen, wann ich wirklich gebraucht werde – und alles andere gut aufgestellt zu lassen. Claudi und ihre Agents übernehmen heute vieles davon, und dieses Loslassen hat mir etwas zurückgegeben, das ich lange nicht mehr kannte: Raum. Nicht Freizeit im klassischen Sinn, sondern innere Stille, die Möglichkeit, wirklich präsent zu sein, wenn es darauf ankommt. Mit meinen Kindern. In einem echten Gespräch. In einem Moment, der zählt.
Sinn entsteht nicht dadurch, dass du mehr suchst. Er entsteht, wenn du weisst, was du wirklich willst – und dafür sorgst, dass der Rest läuft.
Was gibst du gerade deine beste Energie, obwohl du spürst, dass es nicht das ist, wofür du eigentlich hier bist?
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie du Claudi und Agents sinnvoll in deinen Alltag integrierst, findest du alle Infos auf alexhurschler.ch






















