Einblicke der Moderatorin in ihre Rolle als Unternehmenspatin.

Ladies Drive: Du hast in deiner journalistischen Arbeit bei Radio SRF 1 und der Glückskette viele Hilfsprojekte weltweit gesehen. Was hat dich besonders berührt?
Ladina Spiess: Mich haben immer die Menschen berührt, die unter schwierigsten Umständen Verantwortung übernehmen – nicht nur für sich, sondern auch für ihre Kinder, ihre Familien und oft für ganze Gemeinschaften. Besonders eindrücklich war für mich zu sehen, wie viel Würde und Kraft entsteht, wenn Menschen nicht einfach Hilfe erhalten, sondern die Möglichkeit, ihr Leben selbst zu gestalten.
Gab es einen Trigger-Moment, als du dachtest: Jetzt muss ich etwas tun.
Als ich 2010 nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti war, traf ich in einem Zeltlager der UNO einen knapp vierjährigen Jungen. Er lag zwei Tage neben seinen toten Eltern unter den Trümmern, bevor er gerettet und in die Obhut von UNICEF gebracht wurde. Nie vergesse ich, wie er mich mit grossen Augen stumm angeschaut hat, während mir eine Betreuerin seine Geschichte erzählte. Ich frage mich, was wohl aus ihm geworden ist. Diese Begegnung machte mir deutlich, dass Zuschauen nicht reicht. Ich stellte mir die Frage, welche Rolle ich einnehmen und wie ich gezielt Organisationen unterstützen kann.
Warum hast du dich für Unternehmenspatenschaften von BPN entschieden?
Die Arbeit von BPN ist nachhaltig. Das wertet die vielen Organisationen, die Nothilfe wie jene in Haiti bieten, nicht ab. BPN hat einfach einen völlig anderen Ansatz. Es geht um unternehmerisches Denken, Eigenverantwortung und echte Perspektiven. Das überzeugt mich, weil es Menschen in ihrer Unabhängigkeit stärkt.
Du unterstützt gezielt Unternehmerinnen. Was beeindruckt dich an diesen Frauen am meisten?
Viele dieser Frauen starten mit sehr wenig, haben in ihren Ländern nicht die wirtschaftliche Basis, wie wir sie kennen, und gehen trotzdem ihren Weg. Sie haben eine Vision und wollen sie umsetzen. Das braucht Mut und konsequentes Handeln.
Gab es eine Begegnung mit einer Unternehmerin, die dich besonders berührt oder überrascht hat?
Frau Solongo aus der Mongolei habe ich 2022 persönlich kennengelernt. Sie studierte Internationale Wirtschaft und arbeitete in verschiedenen Projekten in den Bereichen Landwirtschaft und Verkehr. In ihr wuchs der Wunsch, eine eigene Bonbonfirma zu gründen. Sie startete die Produktion zu Hause in einem Zimmer. Mittlerweile hat sie 25 Mitarbeitende. Ihr Hauptanliegen ist – nebst leckeren Bonbons zu produzieren –, weiterhin Arbeitsplätze zu schaffen und vor allem jungen Mitarbeitenden Perspektiven zu geben.
Was können wir in der Schweiz von Unternehmerinnen in Ländern wie Nicaragua oder Kirgisistan lernen?
Fokus, Ausdauer und vor allem Dankbarkeit. Diese Frauen verlieren sich nicht in Möglichkeiten, und sie haben eine Klarheit darin, warum sie tun, was sie tun.
Wir kennen dich von den grossen Bühnen. Als Unternehmenspatin bist du in einer Rolle, die Wirkung im Hintergrund entfaltet. Wie fühlt sich das an?
Ich liebe die Bühne. Sie gibt Energie, schafft Sichtbarkeit und verbindet Menschen. Aber echte Wirkung entsteht selten dort, wo die Scheinwerfer am hellsten leuchten. In der Rolle als Unternehmenspatin geht es weniger um Präsenz meinerseits. Es geht um Vertrauen in die Unternehmerin, dass sie sich während der zweijährigen Ausbildung richtig reinkniet. Es hat aber auch mit Vertrauen in das BPN-Team im jeweiligen Land zu tun. Die BPN-Mitarbeitenden sehen das Potenzial einer Unternehmerin und können es fördern. Sie sehen aber gleichzeitig auch die Lücken, die gefüllt werden müssen. Das Team trägt zur Wirkung einen entscheidenden Teil bei. Ich darf mich lediglich an den positiven Berichten freuen.
Was bedeutet für dich echtes Empowerment von Frauen?
Empowerment heisst für mich in erster Linie, Bedingungen zu schaffen, in denen Frauen ihre eigene Stärke entfalten und ihren selbstbestimmten Weg gehen können – wirtschaftlich, sozial und persönlich. Wir müssen gegen die nach wie vor bestehenden Ungleichheiten vorgehen sowie gegen offene und versteckte Diskriminierung von Frauen kämpfen. Und wir sollten uns vermehrt gegenseitig mit echter Ermutigung und tatkräftiger Unterstützung stärken.
Woran misst du, ob sich dein Engagement als Patin wirklich gelohnt hat?
Natürlich freue ich mich, wenn eine Unternehmerin ihre Firma auf die Erfolgsspur bringt und Arbeitsplätze schafft. Mir ist aber auch ihre persönliche Entwicklung und die Fähigkeit, in schwierigen Situationen tragfähige Entscheidungen zu fällen, wichtig. Die georgische Tourismusunternehmerin beispielsweise, die ihr kleines Unternehmen nach Covid und dem Ausbruch des Ukrainekriegs schweren Herzens aufgegeben und sich neu orientiert hat, ist keine Versagerin, sondern eine mutige Entscheiderin.
Du hast in deiner journalistischen Laufbahn viele Hilfsprojekte weltweit gesehen. Warum überzeugt dich gerade der Ansatz von BPN – Unternehmertum zu fördern – so sehr?
Weil er auf Augenhöhe funktioniert. Weil die BPN-Ausbildung in die unternehmerische Unabhängigkeit führt und langfristige Perspektiven ermöglicht. Und weil das BPN-Team in der Schweiz und in den Ländern auf Top-Niveau arbeitet.
Wenn die Unternehmerin, die du aktuell unterstützt, heute hier im Raum wäre – was würdest du ihr gerne sagen?
Ich habe grossen Respekt vor deinem Weg. Und ich vertraue darauf, dass du ihn mit der gleichen Entschlossenheit wie bis anhin weitergehst. Ich wünsche dir, dass sich dein Umfeld mit dir freut und dich ermutigt. Und dass du bei alldem auch gut auf dich selbst achtest.

Eine BPN-Patenschaft ermöglicht echte Veränderung: für die Unternehmerin, für die Mitarbeitenden und schliesslich auch für die Wirtschaft des jeweiligen Landes. Es ist eine sehr konkrete, direkte Form von Engagement und eine, die nachhaltig wirkt.
Ladina Spiess, BPN-Unternehmenspatin
Unternehmertum fördern – das ist der Zweck des Schweizer Business Professionals Network (BPN). Seit 1999 ist BPN in fünf Ländern präsent und unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer mit einer auf Werten basierenden Palette an betriebswirtschaftlicher Ausbildung, Beratung, Zugang zu Finanzen, Netzwerk und Coaching. Die Stiftung finanziert sich durch Spenden, welche steuerlich absetzbar sind, und ist ZEWO-zertifiziert.






















