Transformation der Generationen – Bea Petri, Kim Petri & Lia Petri

Fotos: Tomek Gola / www.gola.pro
Make-up: Andrina Knöpfel, Schminkbar
Idee & Konzeption: Sandra-Stella Triebl
Redaktion: Dörte Welti, Claudia Frey-Heim, Claudia Gabler

Ladies Drive Magazine - Kim Petri & Bea Petri & Lia Petri
Ladies Drive Magazine
Bea Petri, Kim Petri & Lia Petri portraitiert und interviewt zum Thema "Transformation der Generationen" in der Ausgabe No 53 (Frühling 2021).

Bea Petri, Kim Petri & Lia Petri

Ladies Drive Magazine - Bea Petri & Kim Petri & Lia Petri

Kim Petri, Bea Petri & Lia Petri (von links)

Bea Petri

Gründerin Schminkbar
Veuve Clicquot Business Woman of the Year
Gründerin Nas Mode
nasmode.ch

Reifeprüfung

Transformation bedeutet für mich vor allem Veränderungen. Diese können schmerzhaft sein, aber sie brachten mich privat oder beruflich meist weiter. Ich denke, es kommt darauf an, wie offen man für die anstehenden Veränderungen ist. Viele kann man selbst bestimmen, aber es gibt auch diejenigen, an die man sich einfach anpassen muss, und dies kann oftmals sehr schwierig sein. So ging es auch mir immer wieder in meinem abwechslungsreichen Leben. Immerhin kann ich rückblickend sagen, dass nach überstandenen Sorgen, Schmerz, Wut und Trauer alles wieder gut kam. Transformationen können deshalb richtige Reifeprüfungen sein, aber was bleibt, ist immer eine neue Erfahrung und daraus resultierend mehr Gelassenheit.
Wir alle haben Sorgen und Ängste, wenn es um Veränderungen geht. Es kommt darauf an, was hinter diesen Sorgen und Ängsten steht. Ich habe das Glück, selten Angst zu haben, und wenn ich sie trotzdem spüre, schiebe ich sie wenn immer möglich weg von mir. Ich will mir mit Angst keine Steine in den Weg legen. Hätte ich zu viel Angst, könnte ich zum Beispiel mein Projekt in Burkina Faso nicht machen, denn dieses Land ist gebeutelt von Krankheiten, Terrorismus und Unfällen. Wenn ich von Angst spreche, meine ich also eher Respekt vor etwas. Dieser schützt mich aber auch davor, Dummheiten zu machen, und ich bleibe vorsichtig.

Wir sind gerade im letzten Jahr seit Beginn der Pandemie unterschiedlich mit der Situation umgegangen. Ich musste vorzeitig meine Reise auf Bali abbrechen und flog am 16. März zurück in die Schweiz, wo gerade der Lockdown begann. Die Situation in der Schweiz war mir gar nicht bewusst, denn auf Bali war Covid fast kein Thema. Nur die Touristen fehlten, was mir gerade recht war. Zurück in der Schweiz zog ich mich mit meinem Mann und unserem Hund zurück ins Toggenburg. Dort genossen wir sehr entspannte drei Monate. Es war eine ganz spezielle Stimmung. Nichts zu müssen, einfach sein. Zeit zu haben, sich mit sich selbst zu beschäftigen war für mich eine völlig neue Erfahrung. Nur die Trennung von meinen Kindern und Enkelkindern beelendete mich. Wenigstens konnten wir uns über Facetime austauschen, was wir intensiv nutzten. Dazu bescherte uns ein wunderbarer Frühling viele Wochen in der Natur. Ich fühlte mich sehr privilegiert, diese ungewohnte Situation so erleben zu dürfen, während jüngere Menschen und auch meine Töchter viel Unsicherheit erleben mussten.

Ich bin in gewissen Lebensfragen wahrscheinlich unaufgeregter geworden. Und ich stellte verstärkt fest, wie wichtig mir Freundschaften sind. Meinen Töchtern war ich schon immer sehr nah, auch wenn sich unser gemeinsames Leben geändert hat. Lia und Kim sind erwachsene Frauen, Mütter und engagierte Geschäftsfrauen, und wir begegnen uns heute auf Augenhöhe und vor allem als Freundinnen. Trotzdem bleibe ich natürlich ihre mütterliche Ansprechpartnerin.

Ich bin sicher, dass alle Generationen ihre eigene Erfahrung machen wollen. Bei der Übergabe der Schminkbar an meine Töchter und meinen Schwiegersohn bot ich ihnen zum Beispiel an, sie weiterhin mit meiner Erfahrung zu unterstützen. Das interessierte sie anfangs gar nicht, und ich realisierte, dass alle drei selbst durch Höhen und Tiefen gehen und ihre eigenen Erfahrungen machen wollten. Das hat mich zwar verletzt, aber heute verstehe ich es. Und mit etwas Distanz zur Übergabe werde ich offenbar wieder interessanter, jedenfalls tauschen wir uns jetzt wieder viel öfter über geschäftliche Weichenstellungen aus. Das freut mich, und ich weiss gleichzeitig, dass ich nicht einfach erwarten kann, dass man mich ständig um Ratschläge bittet.

Gibt es ein gemeinsames Ritual, welches euch näher gebracht hat?
Unsere Verbundenheit ist sehr innig, und früher reisten wir oft zusammen. Heute haben sie ihre eigenen Familien und Pläne. Und doch bleiben uns regelmässige Treffen, die wir als Familie mit Enkelkindern und Schwiegersöhnen verbringen. Aber weil die Reisen mit meinen Töchtern so schön waren, möchte ich dieses Ritual gern wiederbeleben. Ich wünschte mir wieder einmal eine Reise mit meinen ‚Mädchen‘ zu dritt!

Kim Petri

Creative Director und Inhaberin Schminkbar
schminkbar.ch

Wachsen

Für mich stehen die Begriffe Transformation und Change auf keinen Fall für etwas Negatives, Kompliziertes oder Unangenehmes. Ich sehe es als eine Entwicklung, die verändert und im besten Fall vorantreibt. Während einer Transformation wäre es wünschenswert, dass man daran wachsen kann. Eine Veränderung im Leben kann immer beflügeln.
Ich bin in unserer Familie die Ängstliche. Zu oft zerbreche ich mir den Kopf und mache mir Sorgen. Gern würde ich mir da eine Scheibe von meiner Mutter und Schwester abschneiden, die, wie ich beobachte, viel weniger in Sorge sind, als ich das bei mir erlebe. Ich möchte versuchen, mich mit diesen Ängsten und Sorgen zu „versöhnen“.
Doch das letzte Jahr war für uns alle eine Herausforderung. Leider ist diese Geschichte auch noch nicht vorbei. Jeder von uns ist mit dieser Situation anders umgegangen, und erstaunlicherweise habe ich in diesem Fall meine Schwester als ängstlicher empfunden, als ich es war. Erstaunlicherweise habe ich die ganze Situation gerade im letzten Jahr etwas entspannter gesehen als sie. Sicher nahm ich es nicht auf die leichte Schulter, aber mit zwei schulpflichtigen Kindern war ich mit Homeschooling ohnehin sehr gefordert. Trotzdem war es gut für mich, denn der Tag blieb strukturiert. Eine weitere Aufgabe war, unserem Schminkbar-Team Mut zuzusprechen und ihnen die Angst vor einem Arbeitsplatzverlust zu nehmen, auch wenn sie zu Hause bleiben mussten. Dank Kurzarbeit konnten wir alle Mitarbeitenden der verschiedenen Schminkbars behalten. Das ist eine grosse Erleichterung in dieser schwierigen Zeit des Lockdowns.

Verändert hat mich das letzte Jahr in vielerlei Hinsicht: Ich war sehr diszipliniert mit Homeschooling und habe mir diese Aufgabe sehr zu Herzen genommen. So habe ich einen Stundenplan erstellt, um uns allen einen geregelten Tagesablauf zu ermöglichen. Dieser Stundenplan hat sogar das Fach Sport beinhaltet. Ich habe also an mir eine neue Fähigkeit entdeckt, denn neben meiner Aufgabe als Geschäftsfrau und Mutter war ich nun auch noch Lehrerin. Es war mir wichtig, diese Aufgabe gewissenhaft zu erledigen. Geschäftlich kam mir die Idee, kleine Videos zu drehen, um zu zeigen, wie man sich in Zeiten von Corona daheim pflegen konnte, und das mit möglichst wenig Aufwand. Diese Videos drehte ich daheim, und das Feedback war sehr aufmunternd. So war das ein kleiner Beitrag der Schminkbar für unsere Kundinnen und Kunden, welche wir natürlich sehr vermissten. Ich hoffe aber sehr, dass der erneute Lockdown 2021 bald ein Ende hat und wir wieder ein „normales“ Leben führen können.

Natürlich können die verschiedenen Generationen voneinander lernen, sofern sie das zulassen. Die ältere Generation hat einen grossen Erfahrungsschatz, von dem wir Jungen profitieren können, und die Jungen sind in vielen Aufgaben und Herausforderungen – wie zum Beispiel in den neuen Techniken – viel erfolgreicher. Ein offenes Ohr, keine Vorurteile und eine Portion gegenseitiges Vertrauen gehören jedoch dazu, um gegenseitig voneinander lernen und profitieren zu können.
Ich stelle auch fest, dass viele der älteren Generation fasziniert sind von der heutigen Jugend, welche sich engagiert und sich für eine bessere Welt einsetzt. Als bestes Beispiel für mich steht da Greta Thunberg. Ich bewundere diese junge Aktivistin sehr.

Kannst du uns von einer Begebenheit erzählen, wo dir das Anpassen an eine Veränderung gut gelungen ist und aus der du nachher gestärkt hervorgegangen bist?
Ich habe in den letzten Jahren, nach der Übernahme der Schminkbar, viel dazugelernt. So wurden meine Sicherheit und mein Selbstbewusstsein im Umgang mit meiner Verantwortung gegenüber dem Unternehmen und den Mitarbeitenden immer stärker.
Auch wenn manchmal dunkle Wolken am Horizont erscheinen und die Sonne verdecken, habe ich gelernt, dass alle Wolken irgendwann mal weiterziehen werden.

Lia Petri

COO und Inhaberin Schminkbar
schminkbar.ch

Offenheit

Veränderung ist für mich total zweischneidig. Einerseits freue ich mich über Neues, verändere gern im Kopf, bin neugierig und finde eigentlich Veränderungen etwas Spannendes. Wenn es aber dann so weit ist, vor allem in geschäftlichen Fragen, bin ich zu vorsichtig, hinterfrage und finde, dass das Alte doch nicht so schlecht ist. So bleibt es oftmals, wie es ist, und ich realisiere, dass ich gar nicht so viel Freude an Veränderungen habe. Da wäre ich gern manchmal innovativer. Veränderungen heisst nämlich vor allem Chance auf Neues, auf Unbekanntes und auf Herausforderung – das wäre ja auch sehr spannend. Fazit: Ich müsste offener werden für das Neue.
Ich bemühe mich, über meine Ängste zu sprechen. Wenn es um geschäftliche Veränderungen geht, bespreche ich diese mit meinen Partnern und mit der Geschäftsleitung. Ich bemühe mich, Veränderungen zu akzeptieren und zu unterstützen, auch wenn es mir oft schwerfällt.
Ich habe uns im letzten Jahr das erste Mal verletzlich, ängstlich und vorsichtig erlebt. Dies war vor Corona nicht der Fall. Wir lebten spontan, frei, vielleicht sogar auch mal unbedacht. Und vor allem begegneten wir uns ohne Distanz. Dieses Virus beunruhigt mich sehr, und ich habe grossen Respekt davor. Diese Zeit ist eine der grössten Herausforderungen, die ich erlebt habe. Sei es als Mutter, Ehefrau oder Geschäftsfrau. Die Sorgen ums Geschäft, um unser Team, um meine Familie, all das kannte ich in diesem Ausmass nicht.

Kannst du uns von einer Begebenheit erzählen, wo dir das Anpassen an eine Veränderung gut gelungen ist und du nachher gestärkt warst?
Meine grösste Veränderung in und mit mir fand statt, als ich Mutter wurde. Das Leben veränderte sich von dem Tag an, als unsere Tochter geboren wurde, und ich empfinde es als neue, grosse Herausforderung. Ich verzichte gern auf mein früheres Leben, um die Zeit mit meiner kleinen Tochter zu verbringen. So möchte ich unbedingt, dass sie behütet aufwächst, und ich versuche, meiner Aufgabe als Mami gerecht zu werden. So hoffe ich, dass mir und meinem Mann die Aufgaben als liebevolle Eltern gelingen.

Veröffentlicht am März 01, 2023

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