Start-up Stories #7: Noii

Ladies Drive Start-up Stories #7: Noii
Dating. Partnersuche. Ja/Nein Swipen. Klingt das bekannt? Es gibt viele Erfolgsstories, was das Online-Dating angeht. Aber weit mehr Enttäuschungen und Fails. Laura Matter, 24, hat sich etwas überlegt, um die Frustrationsquote beim Daten übers Internet gegen Null zu senken.

Laura, wie erklärst du einer Newcomerin in der Onlinedatingwelt, was eure Dating Start-up noii.ch von herkömmlichen Onlinedating-Portalen unterscheidet?

Unser Ziel ist es, authentisches Dating möglich zu machen. Wir möchten, dass die Leute weniger Zeit im Online-Dating verbringen und mehr Zeit auf Offline-Dates. Noii.ch ist eine Plattform. Wir haben ein Video-Dating-Angebot und ein Offline-Event-Angebot. Jeden Montag- und Sonntagabend um 20 Uhr gibt es ein Video-Speed-Dating. Dafür meldet man sich an und wird automatisch mit passenden Dates gematcht. Man hat dann bis zu sieben Mini-Speed-Datings in einem Live-Video. Im Gegensatz zu vielen Swiping-Dating-Plattformen wie Tinder oder Bumble, die sehr ähnlich funktionieren, hast du nicht nur ein Profil von dir, sondern wirklich einen Menschen zugeschaltet. Und auch wenn es nur fünf Minuten sind, die du sprichst, kannst du danach effektiver und effizienter entscheiden, möchte ich die Person weiterhin kennenlernen oder nicht.

Ladies Drive Start-up Stories #7: Noii Founder - Laura Matter
Noii Founder – Laura Matter

Wann habt ihr gestartet?

Wir haben 2022 gegründet, haben aber davor schon rumgetestet mit Zoom. Noch früher haben wir Audioversionen ausprobiert und in der Dating-Welt recherchiert. Wir wollten wissen: Wie kann man das optimieren? Und sind beim Video hängengeblieben. Ein wichtiger Moment war, als wir gemerkt haben, dass wenn beide nach den fünf Minuten sagen, ja doch, wir sind uns sympathisch, dann tauschen wir die Handynummern aus. Der Effekt war, dass fast 80 Prozent auf ein Date gehen. Die Erfolgsquote ist also zumindest in Bezug auf ein Date sehr viel höher, als wenn ich es mit meinen Matches auf Tinder vergleiche. Weil ich eben einen besseren Eindruck von jemandem bekomme. Es ist ein Vibe-Check. Man merkt, ob der Vibe der gleiche ist. Und wenn ja, dann steht einem persönlichen Treffen nichts mehr im Weg.

Ist die Idee das aus einer persönlichen Notlage geboren?

Nicht gerade Notlage, ich bin selbst schon lange in einer Beziehung. Aber schon durch eigene Erfahrungen im Dating. Ich habe meinen Freund über Instagram kennengelernt. Mich hat das ewige Schreiben immer genervt. Du schreibst online ewig mit vielen verschiedenen Menschen, die meisten machen das, ich würde sagen fast alle.

Was hast du vorher beruflich gemacht?

Ich habe bei einer Digital-Agentur gearbeitet und bin eigentlich zurück bei meinem alten Arbeitgeber im Büro einfach mit noii.ch jetzt eingemietet. In der Kurzarbeit während Corona und der Zeit, wo alle Angst hatten rauszugehen und man auch nicht rausgehen konnte, haben wir eine Hilfs-Plattform aufgebaut. Wir haben Leute connectet, dass sie füreinander einkaufen und mit dem Hund spazieren gehen. Und das hat sich dann in eine Verkupplungsaktion entwickelt. Es scheint eine Tatsache zu sein, dass überall dort, wo man Leute vermittelt und connectet, manchmal auch die Dating-Komponente mitschwingt.

Ladies Drive Start-up Stories #7: Noii

Was ist der Business-Case? Wie verdient ihr Geld?

Der Business-Case sind nicht nur die Video-Datings, sondern mittlerweile auch viele Events, ähnlich wie eurer Business-Modelle, wo ihr mit den Ladies Drive-Events mehr als einen Pfeiler habt. Wir machen Single-Events und sind da so ein bisschen zwischen physischen Speed-Datings und Single-Partys. Wir veranstalten beispielsweise Events in einer Bar, die teilweise connected sind mit einer Aktivität, Sport machen, Skifahren, Wandern. Der Clou ist immer: alle sind Single. Das ist wie gegeben und jeder, der kommt, der weiss, dass alle anderen auch Single sind. Was sich dann daraus ergibt, ist dann immer noch eine andere Frage, aber es bietet das Umfeld, dass man an einem Abend super viele Leute kennenlernt. Wir bieten ein Premium-Abo an und wir verdienen mit den Ticketverkäufen für die Events.

Für mich ist immer noch erstaunlich, dass es überhaupt Online Datingplattformen braucht. Was macht deine Generation falsch? Oder besser gefragt: Wo ist die Hemmschwelle, dass man sich nicht einfach so live kennenlernt?

Das sind gesellschaftspsychlogische Fragen, die ich Dir nicht pauschal beantworten kann. Da spielen viele Faktoren mit: Angst vor Ablehnung, Gewohnheit, Normalität durch Social Media etc. Wir lösen eigentlich ein Problem, das durch Dating-Plattformen erst entstanden ist. Viele haben einfach keine Lust mehr, so viel Zeit mit Swipen, Profile kuratieren und schreiben, und Online-Dating verbringen möchten. Die ersten Dating-Plattformen haben ursprünglich das Problem gelöst, dass es einfach Menschen gab, die Schwierigkeiten hatten, andere kennenzulernen und man live nicht wusste, wer Single ist.

Aber es gibt natürlich abstruseste Erfahrungswerte. Das weiß ich aus dem Bekanntenkreis, was da passieren kann.

Das stimmt. Schlechte Erfahrungen sind das Grundproblem. Parship gibt es jetzt seit über 20 Jahren. Man hat eine Plattform geboten, wo man sagt, okay, alle, die hier sind, sind Single. Ist schon mal gut, dass wir das voneinander wissen. Tinder dann 10 Jahre später hat eigentlich die Fear of Rejection gelöst. Tinder hat supergut funktioniert, deshalb haben das auch ganz viele kopiert. Schätzungsweise über 90 Prozent der Dating-Plattformen, die man im App-Store runterladen kann – und das sind Hunderte –  funktionieren genau gleich. 10 Jahre nach diesem Swiping-Trend, fragen sich die Leute, warte mal kurz, ist das jetzt Dating? Dass wir einfach swipen, auf ein Match warten, uns Bilder anschauen, uns da irgendwie versuchen zu präsentieren, und dann entscheiden, ja, nein? Wir werden alle super oberflächlich, und irgendwo durch auch ein bisschen abgestumpft durch das. Wir glauben nicht, dass das für immer die Art von Dating sein wird, und wir glauben auch nicht, dass das gut ist.

Zwei Jahre sind für ein Start-up noch keine lange Zeit, aber gab es einen Moment, wo du gefunden hast, nee, das ist eigentlich doch eine total dumme Idee, oder wir kommen nicht weiter?

Einen Moment???

Wie: Jeden Moment?

Jeden Moment.

Das heisst, Du bist immer mal wieder am Zweifeln, ob das eine gute Idee ist?

Ja, ich glaube, das ist auch ein Gründerinnen-Thema. Obwohl ich auch Gründer kenne, die, wenn sie mal ganz ehrlich und im stillen Kämmerchen sind, sagen, es gehört einfach dazu, dass du als Gründer nach aussen immer extrem überzeugt zu sein hast und alle anderen überzeugen musst, das ist dein Job. Aber es ist völlig normal, dass du das nicht zu 100 Prozent immer aufrechthalten kannst.

Betreibst du noii.ch zu 100 Prozent?

Ja. Und ich glaube, das hat uns auch von anderen unterschieden.

Aber du bist nicht allein in der Firma.

Nein, wir haben zu dritt gegründet – Thomas Kuschel und Vladislav Lisavcov sind die beiden Mitgründer – und ich würde sagen, das war etwas, was uns ausgemacht hat. Wir haben alle von Anfang an gesagt haben, okay, wenn, dann Job künden, 100 Prozent, all in, zuerst auch ohne Lohn.

Man muss ja aber von irgendwas leben …

Das stimmt. Ich musste aber kein grosses finanzielles Risiko eingehen, das bin ich auch nicht. Ich habe vor zwei Jahren noch zu Hause gewohnt, meine Eltern haben mich durchgefüttert, dafür bin ich super dankbar und fühle mich auch sehr privilegiert.

Wenn du zurückblickst, hättest du irgendetwas noch anders gemacht in der Anfangsphase, die ja eigentlich immer noch läuft?

Ich würde sagen, dass man vor allem am Anfang nicht zu schnell in irgendwas verfallen sollte, in Strukturen zum Beispiel, wo man denkt, man muss es jetzt so machen. Und sich immer in Erinnerung rufen, dass die Probleme tendenziell grösser werden, auch wenn es besser läuft. Anfangs, zu so einem frühen Zeitpunkt, you figured nothing out. Da ist es einfach nur ein Pitch und eine Theorie, aber the chance is very high, dass es anders kommt und dass sich das Produkt ändert, dass sich die Story ändert, dass sich die Vision ändert. Da muss man flexibel bleiben und nicht denken, weil wir jetzt einmal einen Pitch Deck und einmal eine Vision haben, muss das immer so bleiben

Ladies Drive Start-up Stories #7: Noii
Ladies Drive Start-up Stories #7: Noii – Offline Event

Wie viele Menschen sprecht ihr derzeit direkt an?

Wir haben jetzt über 500 Abonnenten und auf der Plattform sind 27 000 registriert.

Um wie viel Geld geht es in der aktuellen Crowdfunding-Kampagne?

Unser 100 Prozent-Ziel ist bei CHF 650 000, das haben wir nach 24h schon erreicht, das Maximum ist eine Million, also 154 Prozent.

Wofür braucht ihr das Geld? Das ist eine gute Frage, die man sich auch stellen sollte, wenn man investiert. Wir brauchen das Geld, um vor allem zu wachsen. Wir sind jetzt immer in Zürich gewesen in den letzten zwei Jahren und haben gemerkt, das funktioniert. Wir haben viel gelernt und wissen, wie wir neue Städte angehen könnten, wie das mit dem Marketing geht, was funktioniert und was nicht. Marketing ist sicher bei uns ein grosser Teil und die Weiterentwicklung der Plattform. Wir haben zum Beispiel noch keine App. Wir sind als Web-App unterwegs, im Browser. Wir könnten die Technik optimieren, dass man mehr Möglichkeiten hat im Matching. Die Investitionen sind 50:50 aufgeteilt, 50 Prozent Marketing, 50 Prozent Produktentwicklung.

noii.ch


Wer noch einsteigen will: Crowdfunding Kampagne bis 20. Mai 2024 auf

oomnium.com / «noii – Back to real Dating».

Veröffentlicht am Mai 16, 2024

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