Moira Musio – Mir ist bewusst geworden, dass ich nie jemandem richtig vertraut habe

Idee & Realisation: Sandra-Stella Triebl
Fotografie: Anita Vozza / www.anitavozza.ch
Postproduktion: Sofia Romero
Make-up: Angela Meleti

Ladies Drive Magazine No 64 - Moira Musio
Moira Musio porträtiert und interviewt zum Thema „Vertrauen” im Ladies Drive Magazin No 64 (Winterausgabe 2023/2024).
Ladies Drive Magazine No 64 - Moira Musio
Ladies Drive Magazine No 64 – Moira Musio

Moira Musio

Pop-Art-Künstlerin, DJane, Influencerin.

www.moiramusio.com

Für mich persönlich bedeutet Vertrauen, dass ich fest an die Integrität und Zuverlässigkeit einer Person oder Sache glaube. Es ist das Fundament für erfolgreiche Beziehungen und Kooperationen. Vertrauen ermöglicht es, sich auf andere zu verlassen und eine starke Verbindung aufzubauen. Es ist ein wertvolles Gut, das Pflege und Zeit benötigt, um zu wachsen und es aufrechtzuerhalten.

Wenn ich an Vertrauen denke, dann verbinde ich das mit Akzeptanz, Bestätigung, Zuneigung, Verantwortung. Wenn ich Vertrauen von jemandem erhalte, möchte ich dem auch gerecht werden und trage die Verantwortung dafür, diese Person oder dieses Geschäft nicht zu verletzen oder zu schädigen.

Das Schaffen, Zerstören und Wiederherstellen von Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen ist ein komplexes Thema. Ich denke, für jede Persönlichkeit wird es auch unterschiedlich aufgebaut oder eben zerstört, ich bin jedoch überzeugt, dass unser Grundvertrauen in der Kindheit geschaffen wird, woraus auch unser Selbstvertrauen folgt.

Grundsätzlich denke ich, dass man Vertrauen mit Offenheit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Empathie, Konstanz und Ehrgeiz aufbauen kann. Zerstört wird es durch Lügen, Täuschung, Unzuverlässigkeit und Ausnutzung des Vertrauensgebers.

Das Wiederherstellen von Vertrauen bei einem Vertrauensbruch scheint mir viel anspruchsvoller, je nach Schwere der Misstrauenstat. Entschuldigung und Reue sind da nur der Anfang. Es braucht viel Selbstreflexion, konsistente Veränderung und sehr viel Geduld, ohne Garantie darauf, dass das Vertrauen wieder zurückkommt.

Gesellschaftlich spielte Vertrauen schon immer eine grosse Rolle. Ich denke jedoch, dass wir vor allem im Zwischenmenschlichen verlernt haben, einander zu vertrauen, speziell in meiner Generation Y und auch den nach mir kommenden Generationen. Meiner Meinung nach haben wir unser gegenseitiges Vertrauen durch Roboter ersetzt. Ich vertraue meinem Handy mehr als meiner besten Freundin, mein Handy weiss alles über mich. Was meine Vorlieben sind, was ich gerne kaufen möchte, wo ich Ferien verbringen will, wie mein Kontostand aussieht, was ich Donnerstagabend gemacht habe. Selbst wenn ich mich allein fühle und nicht mal mehr Netflix mich unterhalten kann, um meine Einsamkeit zu vertuschen, kann ich heute ganz easy mit ChatGPT schreiben und eine Kommunikation führen.

Wir verbringen so viel Zeit mit der Technologie, dass wir verlernt haben, Vertrauen durch Mimik, Körpersprache und Kommunikation aufzubauen. In der Folge fehlen meiner Generation häufig Emotionen, Liebe und eben Vertrauen. Unser zwischenmenschliches Dasein ist oberflächlich und war schon immer ersetzbar, nur dass wir uns jetzt auch durch einen Computer ersetzen können oder er uns helfen kann, einen geliebten Menschen zu ersetzen.

Ich denke, wir vertrauen einem Roboter mehr als dem menschlichen Verstand, da eine künstliche Intelligenz in unserer Vorstellung keine Emotionen hat. Dadurch haben wir den Eindruck, dass dieser Roboter uns auch nie enttäuschen kann.

Es ist ziemlich spannend, denn ich habe mich gerade diese Woche das erste Mal mit Vertrauen auseinandergesetzt – bevor ich diesen Text verfasst habe. Mir ist bewusst geworden, dass ich nie jemandem richtig vertraut habe, obwohl ich immer dachte, dass ich jedem zu 100 Prozent vertraue. Ich bin beispielsweise überzeugt, dass man kein Geschäft nur auf der Basis von Vertrauen abschliessen sollte – es gibt Anwälte und Verträge, die alles regeln können. Diese Überzeugung gründet in sehr vielen negativen Erfahrungen, die ich im Business gemacht habe. Deswegen würde ich nie mehr einen Deal eingehen, ohne den vorab mit meinem Management oder meiner Familie besprochen zu haben!

Ich bin der Überzeugung, dass unser Dasein seinen Weg quasi selbst definiert und dass wir die Technologie zu sehr in unsere Menschlichkeit reingelassen haben, um jetzt noch einen Rückzieher zu machen oder Änderungen anzustreben.

Ich kann nur meinen eigenen Weg beeinflussen und mein Leben so gestalten, dass ich eine Basis für Vertrauen lege: mit intakten Liebesbeziehungen, einem intakten Familienleben, einem intakten Geschäft und vor allem einem intakten Selbst. Das bedingt viel Selbstreflexion, Hingabe, Respekt. Nur so kann ich andere Menschen inspirieren, sich selbst zu entwickeln, wieder mehr Emotionen zu leben und dadurch auch Vertrauen zu spüren.

Veröffentlicht am Dezember 02, 2023

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