Das Vertrauen der Schweizer in die Leistungsgesellschaft führt zu einer geringeren Dringlichkeit, Ungleichheit zu bekämpfen

Das Vertrauen der Schweizer in die Leistungsgesellschaft führt zu einer geringeren Dringlichkeit, Ungleichheit zu bekämpfen. Foto: madsnorgaard.de

Text: IPSOS
Foto: madsnorgaard.de

Das Vertrauen der Schweizer in die Leistungsgesellschaft führt zu einer geringeren Dringlichkeit, Ungleichheit zu bekämpfen. Foto: madsnorgaard.de
Female Innovation Forum 2026

Female Innovation Forum Vol. 9
21. Oktober 2026.
Jetzt Ticket sichern!


LD – Mag

Ladies Drive Nr. 74
Sommer 2026
Jetzt bestellen


Ipsos, eines der weltweit führenden Marktforschungsunternehmen, hat seinen Gleichstellungsindex 2025 veröffentlicht, eine Studie in 31 Ländern, darunter auch die Schweiz, zur öffentlichen Wahrnehmung von Ungleichheit, Fairness und sozialer Verantwortung.

Die Ergebnisse für die Schweiz zeigen ein Land mit einer einzigartigen Perspektive, das sich deutlich von seinen europäischen Nachbarn und dem globalen Konsens unterscheidet. Die Schweizer Bevölkerung glaubt an die Leistungsgesellschaft und definiert Fairness durch die Gewährung gleicher Chancen, was zu einer deutlich geringeren Dringlichkeit von Ungleichheit als drängendes nationales Problem führt.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Schweizer ihre Gesellschaft als grundsätzlich fair betrachten, in der individuelle Anstrengungen der wichtigste Faktor für den Erfolg sind. Dieses tief verwurzelte Vertrauen in das System unterscheidet sie von den Bürgern der Nachbarländer, die deutlich grössere Besorgnis über systemische Ungleichheit äussern und einen grösseren Handlungsbedarf sehen.

Ein Land mit Vertrauen in die Leistungsgesellschaft

  • Laut dem Index stimmen 45 % der Schweizer Bürger zu, dass die Erfolgschancen der Menschen hauptsächlich von ihren eigenen Leistungen und Anstrengungen abhängen. Diese Überzeugung ähnelt der in den Nachbarländern Frankreich (44 %) und Deutschland (43 %).
  • Der Kontrast ist am deutlichsten im Vergleich zu Italien, wo nur 34 % der Bevölkerung diese Ansicht teilen und eine Mehrheit (44 %) glaubt, dass Erfolg von Faktoren bestimmt wird, die ausserhalb ihrer Kontrolle liegen.
  • In der Schweiz ist nur ein Viertel der Bevölkerung (25 %) der Meinung, dass externe Faktoren der Hauptfaktor für den Erfolg sind, was deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 30 % liegt.
  • Es besteht eine deutliche Generationskluft: 26 % der Babyboomer stimmen der leistungsorientierten Sichtweise stark zu, gegenüber 11 % der Generation Z. Diese Kluft ist auch weltweit zu beobachten und hat sich seit 2023 verstärkt.

Fairness definiert als Chancengleichheit

  • Auf die Frage nach einer fairen Gesellschaft wählte die Hälfte der Schweizer (50 %) eine Gesellschaft, in der „alle die gleichen Chancen haben”.
  • Diese Präferenz für gleiche Startbedingungen ist stärker ausgeprägt als in Frankreich und Italien (jeweils 47 %), wenn auch etwas weniger als in Deutschland (52 %).

Ungleichheit hat keine hohe Priorität

  • Ungleichheit ist für die Schweizer Bevölkerung kein vorrangiges Anliegen. Nur 35 % der Schweizer Bürger betrachten Ungleichheit als eines der „wichtigsten“ Probleme des Landes.
  • Damit liegt die Schweiz weit unter dem globalen Durchschnitt von 51 % und unterscheidet sich deutlich von ihren europäischen Nachbarn. In den Nachbarländern Italien (50 %), Frankreich (48 %) und Deutschland (41 %) ist die Besorgnis wesentlich grösser, was eine deutliche kontinentale Kluft hinsichtlich der Dringlichkeit dieses Themas aufzeigt.

Regierungen und Arbeitgeber mit der Verringerung der Ungleichheit betrauen

  • Die Schweizer Bürger erwarten vor allem von Regierungen und Arbeitgebern, dass sie Ungleichheit bekämpfen. 48 % sehen die Regierung als Hauptverantwortliche, gefolgt von den Unternehmen mit 28 %.
  • Unter jüngeren Bürgern, insbesondere unter 35-Jährigen, gibt es eine ausgeprägte Tendenz, Arbeitgeber als zentrale Figuren zu betrachten, wobei 33 % sie als Hauptakteure bevorzugen. Allerdings sind 57 % der 50- bis 74-Jährigen der Meinung, dass die Regierung für den Abbau von Ungleichheit verantwortlich ist, was auf eine generationsbedingte Kluft in der Wahrnehmung von Verantwortung hindeutet.
  • Die USA bilden eine Ausnahme. Dort gibt es eine klare politische Polarisierung und mehr Skepsis gegenüber der Rolle der Regierung. Weniger als die Hälfte der Amerikaner (48 %) sind der Meinung, dass sie Verantwortung für die Bekämpfung der Ungleichheit übernehmen sollte, während weltweit fast zwei Drittel der Befragten (65 %) diese Ansicht teilen.

Ein anderes Verständnis von Behinderung

  • Im Vergleich zu den Babyboomern identifizieren sich Angehörige der Generation Z mehr als doppelt so häufig als neurodivergent - z. B. mit Legasthenie, ADHS, Autismus usw.
  • (9 % gegenüber 4 % der Babyboomer) und geben etwa viermal häufiger an, eine kognitive oder Lernbehinderung zu haben (8 % gegenüber 2 % der Babyboomer).

„Die Schweizer erkennen zwar spezifische Probleme wie die Ungleichheit der Geschlechter an, aber ihr Vertrauen in eine leistungsorientierte Gesellschaft ist der entscheidende Unterschied. Dadurch wird sichergestellt, dass der Schweizer Ansatz zur Bekämpfung der Ungleichheit auf die Stärkung der individuellen Chancen ausgerichtet ist und nicht auf systemische Eingriffe, wie sie anderswo in Europa gefordert werden.“ sagt Marcus Burke, Director of ESG & Client Services bei Ipsos Public Affairs.

Zugang zum vollständigen Bericht

*Der „Durchschnitt von 31 Ländern“ spiegelt das durchschnittliche Ergebnis aller Länder und Märkte wider, in denen die Umfrage durchgeführt wurde. Er wurde nicht an die Bevölkerungsgrösse der einzelnen Länder oder Märkte angepasst und soll kein Gesamtergebnis darstellen.

Technischer Hinweis: Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage, die Ipsos zwischen dem 21. Februar und dem 7. März 2025 auf seiner Online-Plattform Global Advisor in 31 Ländern durchgeführt hat. Insgesamt wurden 23.228 Erwachsene befragt. Die Stichprobe umfasst jeweils etwa 1.000 Personen in Australien, Brasilien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Italien, Japan, Mexiko, Neuseeland, Spanien und den USA sowie jeweils 500 Personen in Argentinien, Belgien, Chile, Kolumbien, Ungarn, Indonesien, Irland, Malaysia, den Niederlanden, Peru, Polen, Singapur, Südafrika, Südkorea, Schweden, der Schweiz, Thailand und der Türkei. Die Stichprobe in Indien umfasst etwa 2.200 Personen, von denen etwa 1.800 persönlich und 400 online befragt wurden. Um die Repräsentativität sicherzustellen, wurden Quoten festgelegt und die Daten anhand des bekannten Bevölkerungsprofils jedes Landes gewichtet.

Veröffentlicht online am 17 Aug., 2025

Weiterlesen

Das könnte Dich auch interessieren

Halten – Warum Wohlstand ohne Stille immer wieder entgleitet

Halten – Warum Wohlstand ohne Stille immer wieder entgleitet

Teil 2 von Anne Müllers dreiteiligem Essay: «Über Geld, Spiritualität und den Fakt, dass beides zusammengeht. Ein Essay in drei Teilen.»
Warum ich aufgehört habe zu suchen

Warum ich aufgehört habe zu suchen

Was Claudi mir über Sinn im digitalen Alltag gezeigt hat
In Search of Meaning

In Search of Meaning

Is the outside world simply a distraction?
Female Founder News #36 – July 2026

Female Founder News #36 – July 2026

July was a month of handovers, where women took on senior roles in several ventures.
Empfangen – Warum Geld erst dann fliesst, wenn wir aufhören, es zu verdienen

Empfangen – Warum Geld erst dann fliesst, wenn wir aufhören, es zu verdienen

Teil 1 von Anne Müllers dreiteiligem Essay: «Über Geld, Spiritualität und den Fakt, dass beides zusammengeht. Ein Essay in drei Teilen.»
Im Beichtstuhl der Kommentarspalten

Im Beichtstuhl der Kommentarspalten

Als ich vor vielen Jahren zum allerersten Mal in einem grossen Magazin porträtiert wurde, bekam ich prompt Fanpost.
Melanie Lennert & Melanie Tschugmall CRO2go

Melanie Lennert & Melanie Tschugmall CRO2go

Wie zwei Melanies als Teilzeit-Chief Revenue Officers Firmen auf Kurs bringen
Der Wert der feinsinnigen Dialoge

Der Wert der feinsinnigen Dialoge

Es ist eine dieser wunderbaren, leichten Gartenpartys im Spätsommer.
Hinhören oder weghören

Hinhören oder weghören

Das ist hier die Frage
Schafft Storytelling Sinn?

Schafft Storytelling Sinn?

Diese Geschichte beginnt nicht mit einem Anfang, sondern mit einer Lücke. Einer Lücke, die für viele Menschen zwischen ihrer täglichen Arbeit und der Suche nach Sinn klafft.
FOMO bei der digitalen Sinnsuche?

FOMO bei der digitalen Sinnsuche?

Mit der Verschiebung der Sichtbarkeit von der realen in die digitale Welt – und damit einem massiv erweiterten Horizont – drängt sich die Frage auf: Wie verändert sich mein Marketing? Wie kann ich Menschen von mir und meiner Dienstleistung oder meinen Produkten überzeugen? Was bringt künftig Erfolg?
Fruchtbarkeit: Der blinde Fleck unserer Wirtschaft

Fruchtbarkeit: Der blinde Fleck unserer Wirtschaft

Fachkräftemangel, Rentenreformen, Überalterung, Produktivität: Kaum ein wirtschaftliches Thema wird derzeit intensiver diskutiert. Über eine der Ursachen dahinter sprechen wir hingegen erstaunlich selten – die sinkende Geburtenrate.
Ausgewählte Artikel aus der aktuellen Ausgabe des Ladies Drive Magazins werden in Kürze veröffentlicht.

Ladies Drive Bookazine

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?

Mit dem Abo für 20.- pro Jahr kannst Du Teil der Business Sisterhood sein.
Bestelle das Magazin in unserem Shop.

Ladies Drive No. 74. Sommer 2026. Auf Sinnsuche im digitalen Raum

Werde Teil unserer Business Sisterhood

Exklusive Angebote und Verlosungen, Event-News mit Spezialkonditionen und Inspiration, wie wir gemeinsam die Welt bewegen.

Werde Kindness Economist und Teil unserer Business Sisterhood!

  • •⁠ ⁠⁠Zugang zu exklusiven Angeboten und Verlosungen, die ausschliesslich für die Newsletter-Community gelten.
  • •⁠ ⁠⁠Erfahre als Erste von unseren Events und profitiere von Spezialkonditionen.
  • •⁠ ⁠⁠Lerne wie wir gemeinsam die Welt bewegen und verändern können.

Jetzt den Ladies Drive-Newsletter abonnieren.

Sie haben den Ladies Drive Newsletter erfolgreich abonniert!

Werde Kindness Economist und Teil unserer Business Sisterhood!

  • •⁠ ⁠⁠Zugang zu exklusiven Angeboten und Verlosungen, die ausschliesslich für die Newsletter-Community gelten.
  • •⁠ ⁠⁠Erfahre als Erste von unseren Events und profitiere von Spezialkonditionen.
  • •⁠ ⁠⁠Lerne wie wir gemeinsam die Welt bewegen und verändern können.

Jetzt den Ladies Drive-Newsletter abonnieren.

Sie haben den Ladies Drive Newsletter erfolgreich abonniert!

Pin It on Pinterest

Share This