Es gab eine Zeit, in der ich sehr viel ausgegeben habe. Champagner, Klunker und vor allem MaxMara Mäntel - alles, was dazugehörte. Ich liebe die Mäntel heute noch - aber da ist ein Unterschied zwischen damals und heute. Damals war es Status. Heute ist es pure Freude.
Sie waren mein Schein eines perfekten Lebens - mit vielen von ihnen war ich wer. Hättest du mich früher gefragt, warum ich so viel shoppen gehe, hätte ich wahrscheinlich nicht mal die Frage wirklich verstanden, warum du sie mir stellst. Mein Unterbewusstsein hätte alles gegeben, um die Fakten zu verdrängen - elegant in Cashmere gekleidet, versteht sich. Einen Druck gespürt dabei habe ich, nur zugelassen ihn zu verstehen habe ich nicht. Das ist das Tückische an gut funktionierenden Mustern: Sie sehen von aussen aus wie der perfekte Look der aktuellen Kollektion.
Heute kann ich sagen: was ich damals nicht konnte - und lange nicht verstand - war Halten. Nicht Sparen. Nicht Festhalten. Halten.
Das sind drei verschiedene Dinge, auch wenn sie im Alltag gern gleichgesetzt werden.
Sparen aus Angst ist kein Halten. Es ist Krampf. Es ist die Überzeugung, dass das, was jetzt da ist, irgendwann weg sein wird und dass man deshalb möglichst wenig anfassen sollte. Wer so mit Geld lebt, lebt in permanenter Alarmbereitschaft - das Nervensystem bedankt sich. Das Geld ist zwar noch da, aber die Freiheit ist längst weg.
Ausgeben um etwas zu beweisen ist das genaue Gegenteil und genauso weit vom Halten entfernt. Hier fliesst das Geld, ja - wie Wasser bei einem Riss in der Staumauer. Es fliesst jedoch nicht an die richtigen Stellen. Man lässt es fliessen, weil Stillstand sich anfühlt wie Stillstand, wie der Verlust der Sichtbarkeit, für mich war es damals wie Aufhören zu existieren.
Nicht halten können war bei mir nie nur ein Geldthema. Ich konnte nicht stillhalten. Nicht abwarten. Ich hatte kein Gefühl für Timing, alles musste jetzt, sofort, schnell passieren, damit die Show weiterläuft. Innehalten? Füsse stillhalten? Das fühlte sich an wie aufgeben, versagen oder gar verlieren.
Was ich erst im Rückblick verstanden habe: Halten ist keine Pause im Fluss. Es ist ein Teil des Flusses.
Wasser, das nirgends verweilt, erodiert. Es braucht Becken, Seen, Stellen, wo es sich sammelt, um Kraft zu gewinnen für das, was kommt. Geld funktioniert nicht anders und Menschen auch nicht.
Halten heisst: wissen, was da ist. Es wirklich besitzen, nicht nur als Durchlaufposten notieren und gehen lassen. Es ist der Teil des Geldflusses, in dem Reife sichtbar wird - nicht als Verzicht, sondern als Mass, Grenze und Bewusstsein.
Finanzpsychologisch ist das die Fähigkeit zur Selbstregulation: die Spannung zwischen sofortigem Impuls und überlegtem Handeln aushalten können. Wer das nicht kann, lässt zu schnell fliessen, was noch nicht genug Kraft gewonnen hat.
Doch Halten ist heute nicht sexy. Frühbucher-Rabatte, künstliche Verknappung, «nur noch ein Platz frei» - der Markt lebt davon, dass du nicht innehältst. Was dabei verloren geht, ist die entscheidende Frage: Was ist wirklich Wachstum - und was ist Konsum in spirituellem Gewand?
Geld, das gehalten wird, ist nicht leblos. Es ist wie Luftholen beim Sport. Es gibt dir Zeit. Und Zeit ist das, was die meisten Frauen am dringendsten brauchen, wenn sie wirklich etwas verändern wollen. Dem Impuls nicht sofort nachgeben will gelernt sein - nicht weil Geiz eine Tugend wäre, sondern weil Timing eine Intelligenz ist. Eine spirituelle noch dazu.
Halten ist die Stille, die nicht Leere ist, sondern Sammlung. Das Abwarten, das nicht Passivität ist, sondern Timing. Sie ist die neutrale Energie - weder empfangen noch ausgeben, sondern bei sich sein. Wer das kann, verwaltet kein Geld mehr. Der lässt es wortwörtlich für sich arbeiten - auf allen Ebenen.
Und genau hier zeigt sich, was Spiritualität mit Geld wirklich zu tun hat: nicht im Manifestieren und schon gar nicht im Verzichten. Ohne die Fähigkeit zu halten, wird Geld zur kurzfristigen Emotion statt zur tragfähigen Ressource. Halten ist vielleicht die unspektakulärste der drei Phasen des Geldes - die ehrlichste.
An was halte ich fest, das dem Geld den Platz nimmt?
Um etwas zu halten, dürfen meist Dinge gehen. Und nein, es sind nicht die MaxMara Mäntel. Es sind die alten Taschentücher unserer Seele, die endlich losgelassen werden sollen.






















