Das Motto des 80sten (!) Bargesprächs «Das Gen der Amazonen» war eine Kampfansage. An den inneren Schweinehund, an die Hitze draussen vor dem zum Glück klimatisierten blue Cinema Abaton Zürich, unsere neue Location, und an den Drang, sich einzuigeln, wenn etwas mal nicht so läuft, wie man es sich wünscht. Ein ausverkauftes Haus wurde Zeuge dreier schöner starker mutiger Frauen mit drei Biografien, die unterschiedlicher nicht sein konnten. Drei Amazonen, die immer und immer wieder aufgestanden sind und aufstehen. Die Tools gefunden haben, die ihnen helfen, sich und das Leben wiederzufinden, wenn man alles verloren glaubt. Drei Geschichten, die die Zuhörer in Atem hielten, spannender als jede Netflix-Serie.
Vom Über-Leben zum Leben
Coachin Patrizia Luise ist eine Wiederholungstäterin.

Elf Jahre ist es jetzt her, dass sie am Bargespräch Vol. 21 zu Gast war und mit Sandra-Stella Triebl, Gastgeberin, Ladies Drive-Gründerin und Initiantin der Bargespräche, das Thema «Weniger Karriere – Mehr Lebensqualität?» diskutierte. Am Bargespräch Vol. 80 hat sie uns mit starken, festen Worten erklärt, wie sie sich in ihrer Welt, die vor ihrer Selbstständigkeit als Traumsensible Coachin Corporate getrieben war, verloren und dann selbst wiedergefunden hat. Ihr Learning aus ihren tiefen Tälern lautet simpel: Der Job und das, was man macht, ist nicht das, was einen identifiziert. Zu ihr in die Beratung kommen Menschen, die von aussen betrachtet erfolgreich sind, sich aber verloren haben. Menschen kurz vor dem Burnout, für die sie kreative Kompensationslösungen mittels Logosynthese findet.


Hilfe zur Selbsthilfe sei das, was sie tue, nennt es Patrizia Luise selbst, und hat uns verraten, wie sie selbst den Mut gefunden hat, an sich zu arbeiten. «Heute lebe ich, alles andere war über-leben», fasst Patrizia Luise ihren momentanen Zustand in markante Worte. Man konnte viel mit nach Hause nehmen: Wann Durchhalten gefährlich wird, welche Blockaden die häufigsten sind, warum Glaubenssätze, die einen das ganze Leben schon begleiten, eigentlich Gift für die Seele sein können. Der beste Rat der Fachfrau: Reden, sich nicht schämen, die eigenen Traumata – und von denen ist keiner frei – benennen und zu sich selbst aufrichtig und ehrlich zu sein. Jede von uns ist stärker und wertvoller als sie meint.
Nie wieder!
Die Geschichte von der nächsten Gästin ging allen im Kinosaal so sehr unter die Haut, dass kein Auge trocken blieb. Valérie de Montmollin wurde Opfer von sexualisierter Gewalt und Inzest.

Sie hat ihre Geschichte aufgeschrieben und als Buch veröffentlicht (Ich mache einfach, Valérie de Montmollin, Münster Verlag, 2025). Ein extrem mutiger Schritt, das Aufschreiben des Unerhörten, des Unmöglichen, das kann doch nicht wirklich passiert sein, habe man sie tatsächlich gefragt. Valérie de Montmollin hat bei allen unqualifizierten und sinnfreien Rückmeldungen zu ihrer Veröffentlichung am meisten schockiert, dass die Welt immer noch nicht ready ist für so eine Wahrheit. Dass die Menschen denken, sie sei schwach gewesen und wieso sie sich nicht einfach der Gewalt und dem Missbrauch entzogen habe. Ihre Offenheit an diesem Abend war entwaffnend, sie liess uns teilhaben an ihrem Heilungsprozess, der immer noch andauert, auch wenn die Grausamkeiten schon Jahrzehnte zurückliegen. Hat mit uns geteilt, wie sie das Trauma in ihr Leben eingebaut hat, wie ihre heute 16-jährige Tochter auf das Buch reagiert hat und dass sie in ihrem Leben nicht nur Scheisse fressen musste, sondern sich auch an ein paar wunderbaren Buffets bedienen durfte. Dem Ganzen die Krone setzte Valérie de Montmollin aber mit einem Chanson auf, das sie live vortrug.


Musik habe die Schrecklichkeiten für sie externalisiert. Schwere Kost ist «Plus jamais», und doch so leicht und selbstverständlich vorgetragen, mit einer Intensität, die uns allen die Tränen in die Augen trieb. Wahrlich eine Amazone der starken Gefühle.
Extrem Therapie Podcast
Auch kein Blatt vor den Mund nahm die letzte starke schöne mutige Frau des Abends, Gülsha Adilji.

Mit ihren unverblümten Worten füllt sie schon mal das Hallenstadion, too much Information oder Oversharing existiert für die ausgezeichnete Podcasterin und Autorin nicht. Auch sie hielt mit ihren Traumata nicht hinter dem Berg, liess uns teilhaben an ihrem Privatleben mit so markanten Sprüchen wie «Verliebt? Am Ende des Tages ist es eine Person, die neben mir liegt und laut atmet». Gülsha Adilji möchte am liebsten die Weltfrauschaft ausrufen, Frauen an der Macht wären viel fairer als Männer. Sie engagiert sich in ihrer Community dafür, dass die Frauen abstimmen gehen, man könne nicht immer nur reklamieren, aber nichts für die Veränderung tun wollen.


Auf ihrem Grabstein soll ein QR-Code und die Worte «Lass uns in Kontakt bleiben» stehen, wobei sie offen liess, ob sie an Content nach dem Tod glaubt. Für das Hier und Jetzt aber lebt sie mit der ganzen Kraft ihrer Wortpräsenz und ist eine, der man unbedingt folgen muss.
Quellen der Inspiration
Wir haben an diesem Abend über Macht und Ohnmacht sich selbst gegenüber, über unfassbare Verbrechen an Frauen und über Sex geredet. Breiter kann eine Palette nicht sein, eine der vielen Qualitäten, die die Bargespräche so unverzichtbar für unsere Sisterhood machen. Sandra-Stella Triebl, der Gülsha Adilji glorreiche (Sekten)Führungsqualitäten schon nur wegen ihres formidablen Outfits attestierte, brillierte einmal mehr als Gastgeberin mit einem untrüglichen Gespür für die richtigen und wichtigen Fragen, die nicht nur die Gästinnen tief in ihre Seele eintauchen liessen, sondern auch die Zuhörerinnen und Zuhörer berührten. Und beschäftigten. Die tiefgreifenden Gespräche über das Amazonengen in uns und wie weit wir ihm Rechnung tragen, wurden noch weit bis in den tiefen schwülwarmen Abend hinein geführt.
Wir danken einmal mehr unseren langjährigen Partnern und neuen Vertrauensschenkern, die unsere unvergleichlichen Bargespräche möglich machen:
- Astara und ihr wunderbares Move-Abonnement
- Lalier Champagner
- Nuvage (ein neuer Partner, ein superschönes Startup!)
- Paul Mitchell
- Conforama mit Sofas von Bobochic
- Clé de Peau Beauté
- Blue Cinema Abaton








































































