Wenn du in deinen Kleiderschrank blickst, wovon findest du am meisten? Handtaschen? Schuhe? Bei mir ist es keines von beidem. Meine Schwäche sitzt auf der Nase, und es sind Sonnenbrillen. Ungefähr sechzig Stück, falls du es genau wissen willst.
Früher war manche davon für das Bild gekauft, das ich nach aussen abgeben wollte. Teil einer mondänen Inszenierung, die ich selbst kaum noch durchschaute. Heute ist jede einzelne Sonnenbrille pure Lebensfreude. Ich kaufe sie für mich, weil sie mir gefallen, weil sie mich zum Lächeln bringen, weil ich es mir wert bin. Es ist derselbe Gegenstand, aber eine völlig andere Energie dahinter. Genau in diesem Unterschied liegt alles, worum es in diesem dritten Teil geht.
Kreieren wird im Alltag oft mit Ausgeben gleichgesetzt. Das ist ein Irrtum, der teuer werden kann. Ausgeben ist ein mechanischer Vorgang. Kreieren ist eine innere Haltung, eine bewusste Entscheidung darüber, wohin Geld fliesst und warum. Wer kreiert, fragt, was dadurch entsteht, was möglich wird, was das eigene Leben und das, was man in die Welt bringen will, wachsen lässt.
In der Energetik gilt ein Prinzip, das so simpel ist, dass es fast provoziert: Was nicht fliesst, stockt. Geld, das nie den Weg nach aussen findet, verliert seine Kraft - so wie Wasser, das keinen Abfluss hat, irgendwann fault. Kreieren ist die natürliche Fortsetzung des Haltens im richtigen Moment, aus der ehrlichen Intention heraus. Erst loslassen schafft Platz für Neues, Raum, um wieder empfangen zu können.
Wer aus Überzeugung in eine Weiterbildung investiert, wird besser in dem was er tut. Wer besser wird, zieht mehr Menschen an. Wer mehr Menschen anzieht, darf mehr verdienen. Der Fluss entsteht durch das Ausgeben, durch das bewusste Einsetzen von Energie in eine Richtung, die Sinn ergibt.
Die entscheidende Frage dabei ist die ehrlichste des ganzen Geldflusses: Tue ich das wirklich für mich? Der Wellnessurlaub, die Weiterbildung, das Auto, die Sonnenbrille: all das kann Kreieren sein, reines, kraftvolles Kreieren. Es kann aber auch Konsum aus Druck sein, Ausgeben um zu kompensieren, um zu beweisen, um sich kurz besser zu fühlen. Den Unterschied spürt man, wenn man ehrlich hinschaut. Dieser ehrliche, ungeschönte Blick auf sich selbst ist das wertvollste Investment überhaupt.
Finanzpsychologisch ist genau das der Moment, in dem Geld aufhört ein Stressthema zu sein. Es wird zum Gestaltungsthema. Forschung zeigt, dass Geld, das mit Sinn eingesetzt wird, mehr Wohlbefinden erzeugt als reiner Konsum. Geld wird spirituell problematisch, sobald es den Platz von Identität, Liebe oder innerer Wahrheit einnimmt. Solange es Mittel bleibt, ist Wohlstand mehr als gut mit Spiritualität vereinbar.
Was sich für mich verändert hat, habe ich zuerst im Körper gespürt. Das Kämpfen hat aufgehört. Anspannung, Migräne, die Kilos, die nie gehen wollten. Geld steuerte mich, heute steuere ich mein Geld. Leichtigkeit ist in mein Leben gekommen, weil ich mich selbst besser verstehe, meine Muster hinter dem Empfangen, dem Halten, dem Kreieren. Das hat keine jahrelange Aufräumaktion mit meinem inneren Kind gebraucht. Energie kennt keine Zeit: was mich früher verbogen hat, kann ich heute verändern, in diesem Moment, mit dieser einen Entscheidung.
Geld ist für mich kein Feind mehr, nicht die Karotte, der ich hinterherrenne. Ich spüre es sofort, wenn meine Gedanken in den Mangel gleiten. Ich habe gelernt, in solchen Momenten im Vertrauen zu bleiben. Vertrauen in meine Fähigkeiten, in meine Wirksamkeit, in den Fluss, der entsteht, wenn alle drei Phasen zusammenspielen. Angst ist natürlich manchmal da, das ist menschlich. Sie entscheidet nur nicht mehr - ich entscheide.
Empfangen, Halten, Kreieren. Drei Phasen, drei Haltungen und eine Wahrheit: Geld klaut dir keine Spiritualität und Spiritualität schreibt dir keine Anzahl Nullen auf dem Konto vor. Beides spricht miteinander, zwei Sprachen, die dieselbe Frage stellen: Was brauchst du wirklich? Und traust du dir, es dir zu holen?
Die Sonnenbrillen auf meiner Nase erinnern mich täglich daran. Der klarste Blick ist der, mit dem du dich selbst siehst. Frei von dem alten Gedanken, dass Fülle und Tiefe einander ausschliessen. Sie tun es nicht. Sie haben es nie getan.
«Hast du nichts, bist du nichts.» Sechzig Sonnenbrillen später weiss ich: Er hatte unrecht. Und das ganz egal, ob die Sonne scheint oder nicht. Und wer bist du?

















