Ich bin selbst Gen Z. Und wenn es eine Sache gibt, die ich über meine Generation regelmässig lese, dann diese: Wir seien faul. Wir wollten nicht mehr richtig arbeiten, stellten zu viele Ansprüche und hätten irgendwie nicht verstanden, dass man sich Erfolg erst einmal verdienen müsse.
Nun ja.
Vielleicht hat meine Generation gar nicht weniger Lust auf Arbeit. Vielleicht hat sie einfach andere Vorstellungen davon, wie Arbeit und Karriere aussehen sollen.
Genau damit beschäftigt sich eine von eBay in Auftrag gegebene Umfrage. Im Februar 2026 wurden 310 Personen zwischen 18 und 64 Jahren aus allen Sprachregionen der Schweiz zu Unternehmertum, Side Hustles und Karrierevorstellungen befragt.
Und gerade bei den 18- bis 29-Jährigen wird es interessant: 61 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, neben ihrer Haupttätigkeit einer selbstständigen Nebentätigkeit nachzugehen. 49 Prozent streben einen Side Hustle an. Bei den 30- bis 64-Jährigen sind es 27 Prozent.

Faul klingt irgendwie anders.
Ein Job allein muss nicht mehr alles erfüllen
Ausbildung, Festanstellung, Aufstieg und irgendwann vielleicht Führungsverantwortung. Der klassische Karriereweg war lange ziemlich klar definiert.
Heute verliert dieses Modell an Selbstverständlichkeit. Nur noch 41 Prozent aller Befragten finden den traditionellen Karriereweg attraktiv, langfristig bei einem einzigen Unternehmen zu bleiben.
Das bedeutet aber nicht, dass die Gen Z keine Festanstellung mehr will. Vielmehr scheint die Kombination aus Sicherheit und Selbstständigkeit interessant zu werden. 28 Prozent der jüngeren Befragten möchten die Sicherheit ihres Hauptberufs behalten, während sie eine neue Geschäftsidee testen.
23 Prozent der 18- bis 29-Jährigen entwickeln derzeit eine Idee für ein eigenes Unternehmen. Bei den älteren Befragten sind es 15 Prozent. Ein Side Hustle kann dabei zusätzliches Einkommen bringen und gleichzeitig die Möglichkeit bieten, eine Geschäftsidee auszuprobieren, ohne den Hauptberuf sofort aufzugeben.

Frauen und das grosse „Vielleicht“
Besonders spannend sind die Unterschiede zwischen Frauen und Männern.
Bei Männern steht beim Side Hustle häufig der Wunsch nach Freiheit im Vordergrund. 42 Prozent nennen ihn als Hauptmotiv. Bei Frauen geht es mit ebenfalls 42 Prozent vor allem um zusätzliches Einkommen. Laut Sara Lapi, Senior Seller Manager EU Central Markets bei eBay, folgt bei ihnen die Leidenschaft als weiteres wichtiges Motiv.
Auch das finanzielle Risiko wird unterschiedlich bewertet. 43 Prozent der Frauen sehen es als Hindernis für den Schritt in die Selbstständigkeit, bei den Männern sind es 37 Prozent.
Bei der Frage, ob sie ein eigenes Unternehmen gründen würden, antworten 42 Prozent der Männer mit „Ja“, bei den Frauen sind es 31 Prozent. Dafür sagen 47 Prozent der Frauen „Vielleicht“. Fast jede zweite befragte Frau schliesst den Schritt ins Unternehmertum also nicht aus.

Ehrgeiz trifft auf Realität
Der Unternehmergeist ist da, doch auch die Hürden sind real. 40 Prozent der Befragten nennen das finanzielle Risiko als grösstes Hindernis für einen Side Hustle, 27 Prozent den Zeitmangel.
Gleichzeitig sagen 35 Prozent, dass ein unkomplizierter Start mit geringen Anfangskosten sie motivieren würde. Unternehmertum muss also nicht mit dem grossen Sprung beginnen. Manchmal beginnt es einfach nebenbei.
KI als Unterstützung
Auch künstliche Intelligenz könnte die Hürden für den Schritt in die Selbstständigkeit senken. 68 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass KI das Potenzial hat, den Zeit- und Arbeitsaufwand für eine Unternehmensgründung zu reduzieren.
Die Gen Z sieht ihren Nutzen laut Umfrage insbesondere in praktischen Anwendungen wie der Erstellung von Websites und der Finanzplanung. Gleichzeitig bestehen Vorbehalte: 22 Prozent äussern Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Datensicherheit.
Was bleibt also vom Klischee der faulen Gen Z?
Zumindest anhand dieser Umfrage nicht besonders viel.
Die Ergebnisse deuten vielmehr auf eine junge Generation hin, die Sicherheit und Selbstständigkeit nicht zwingend als Gegensätze betrachtet. Eine Generation, die ihren Hauptberuf behalten und gleichzeitig eine eigene Idee ausprobieren möchte.
Natürlich lässt sich eine ganze Generation nicht anhand von 310 Befragten erklären. Die Ergebnisse geben vielmehr einen Einblick in aktuelle Einstellungen zu Arbeit und Unternehmertum in der Schweiz.
Ich erkenne darin trotzdem einiges wieder. Nicht unbedingt den Wunsch, weniger zu machen. Sondern den Wunsch, stärker selbst darüber zu bestimmen, was wir machen, wie wir arbeiten und wofür wir unsere Zeit einsetzen.
Vielleicht lautet die spannendere Frage deshalb gar nicht, ob die Gen Z arbeiten will. Sondern wie Arbeit in Zukunft aussehen wird, wenn diese Generation sie zunehmend selbst gestaltet.

Über eBay
eBay wurde 1995 in San Jose, Kalifornien, gegründet und zählt heute zu den grössten Online-Marktplätzen weltweit. Das Unternehmen verbindet Millionen von Käuferinnen und Verkäufern in mehr als 190 Märkten. 2024 wurde über eBay ein Bruttowarenvolumen von 75 Milliarden US-Dollar abgewickelt.


















