Raus aus der Klischeefalle

Man ertappt sich dabei, zu denken: Jetzt beschwer dich doch nicht, liebe Gesine Cukrowski. Du bist berühmt, da muss man doch dankbar sein und sich nicht wundern, wenn’s auch mal ruppig zugeht und Kritik kommt. Genau davon hat die deutsche Schauspielerin die Nase voll – von „stereotypen Klischees, die wir täglich durch Film und Fernsehen aufsaugen“ und die uns im Alltag begegnen.
Sie hat sich auf über 230 Seiten buchstäblich ihre Wut über die Zustände in ihrer Branche vom Leib getippt. Und auch da könnte man sagen: Okay, die Film- und Fernsehbranche „ist halt so“. Gesine Cukrowski rechnet aber mit der gesamten Situation über die immer noch herrschende (auch so ein Wort: herr-schend) Benachteiligung von Frauen ab. Zitat: „Solange die Bezahlung von Frauen, in welchem Berufsfeld auch immer, einen so eklatanten Unterschied aufweist, können die Geschlechter nicht als gleichwertig empfunden oder bezeichnet werden. Kein einziges Prozent ist hinnehmbar. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unser Wissen sind keine Sonderangebote vom Grabbeltisch.“ Streckenweise ist das Buch feministisch, Männer kriegen ihr Fett weg. Aber sie hat im Kern so was von recht – und das Buch ist amüsant bis informativ und augenöffnend. 2023 hat Gesine Cukrowski mit Silke Burmester von Palais F*luxx die Initiative „Let’s Change the Picture“ ins Leben gerufen, die sich für eine stärkere Sichtbarkeit von Frauen ab 47 im deutschen Film einsetzt, wofür sie mit diversen Awards ausgezeichnet wurde.
Gesine Cukrowski: Sorry Tarzan, ich rette mich selbst!
Verlag: Herder
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„Ich mache keine Charity!“

Was 2008 mit der Bitte begann, in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso in Westafrika, professionelles kosmetisches und maskenbildnerisches Know-how zu vermitteln, ist heute zu einer funktionierenden Bildungsinstitution für junge Menschen in Ouagadougou gewachsen.
Bea Petri war es, an die diese Bitte damals herangetragen wurde – Inhaberin und Gründerin des Schminkbar-Imperiums, das heute von ihren Töchtern und ihrer Familie geleitet wird. Bea Petri, die eine langjährige Autorin und Contributorin in der Welt von Ladies Drive ist, wehrt sich stets gegen die latente Aussage, sie würde „ein bisschen Charity“ machen.

Sie tut weit mehr als das: Sie schafft Perspektiven, hat in Ouagadougou ein funktionierendes Netzwerk mitaufbauen geholfen, das inzwischen längst autonom wächst, und mit Nas Mode, einer Ausbildungsstätte, bewiesen, was die jungen Benachteiligten dieser Region leisten können. Zwölf Geschichten junger Frauen hat Bea Petri jetzt in einem Buch zusammengefasst – illustriert mit eindrucksvollen Fotos der Schaffhauser Fotografin Melanie Duchene.
Bea Petri / Melanie Duchene: Zwölf Leben
Weber Verlag
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Wie Lebensmittel wirken

von Gaby Stampfli und Damaris Lienhard zeigt eindrücklich, wie Nahrung weit über den klassischen Nährwert hinaus wirkt: Sie beeinflusst unseren Körper, unsere Psyche und den Rhythmus unseres Lebens – und beweist, dass wir eben deutlich mehr sind als unsere Gene. Du bist, was du isst!
Auf 128 beeindruckenden Seiten erklären die Autorinnen die subtilen Zusammenhänge von Tages- und Verdauungsrhythmus, Stoffwechsel und Bewusstsein und geben ganz konkrete, praktische Tipps, wie Lebensmittel Teil einer ganzheitlichen Lebensführung werden können.

Das Buch richtet sich an Menschen, die nicht einfach „gesund essen“ wollen, sondern verstehen möchten, was Lebensmittel wirklich mit uns tun. Damaris Lienhard führte über drei Jahrzehnte gemeinsam mit ihrem Mann die Direktion des 4-Sterne-Superior-Hotels Hof Weissbad in Appenzell Innerrhoden. Ihr wundervoller Kräutergarten ist öffentlich und einen Besuch wert.
Gaby Stampfli und Damaris Lienhard:
Wie Lebensmittel wirken
Alpstein Verlag
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Körper, Zwang und Auflehnung

„Die Vegetarierin“ von Han Kang, Trägerin des Literaturnobelpreises 2024, erzählt die Geschichte der Südkoreanerin Yeong-hye, deren Leben nach brutalen Albträumen eine radikale Wendung nimmt: Sie beschliesst, vollständig auf tierische Produkte zu verzichten. Diese Entscheidung wird von ihrer Familie und der Gesellschaft als aufständische Rebellion gegen die Norm empfunden – mit zunehmender Isolation als Folge.
Der Roman ist in drei Akte gegliedert: Der erste Teil fokussiert auf Yeong-hyes Entschluss und die erschütterte Reaktion der Familie, der zweite widmet sich ihrem obsessiven, erfolglosen Künstler-Schwager, und der dritte schildert, wie ihre Schwester mit dem Zusammenbruch der familiären Ordnung umgeht.

Han Kang behandelt in ihrem international bekannt gewordenen Werk tiefgründig Themen wie die Verletzlichkeit des Körpers, weibliche Unterdrückung und den Aufstand gegen gesellschaftliche Zwänge – ausgezeichnet für ihre intensive, poetische Prosa.
Han Kang: Die Vegetarierin
Aufbau Verlag
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Indigene Weisheit und Mythen

Ja, die Pflanzen tragen eine Weisheit in sich. Sie haben eine Seele. Ein Gedächtnis. Eine Verbindung zu uns. Denn sie nähren und ernähren uns. Robin Wall Kimmerer ist eine US-amerikanische Ökologin und eine Potawatomi. Sie hat mich an die Poesie der indigenen Sprachen erinnert. Und dank diesem Buch weiss ich, was ein „Puhpowee“ ist – nämlich etwas, das über Nacht wächst. Es beschreibt die Kraft, die bewirkt, dass Pilze über Nacht aus dem Boden schiessen.
Ihr Buch hat mich aber auch daran erinnert, dass wir in der westlichen Welt nicht gelernt haben, eine Verbindung zur Erde, zur Natur aufzubauen, die auf Augenhöhe ist. Die Natur ist uns untertan, denken wir. Wir können die Ressourcen nutzen, sie gehören uns ja, wenn wir das Land besitzen.

So etwas wie eine „ehrbare Ernte“ ist für uns häufig ein Fremdwort. Wir nehmen, was wir kriegen können. Robin Wall Kimmerer lädt uns ein, unsere Glaubenssätze zu hinterfragen – und vielleicht die eine oder andere Weisheit der indigenen Stämme zu übernehmen.
Robin Wall Kimmerer: Geflochtenes Süßgras. Die Weisheit der Pflanzen
Aufbau Verlag
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