Wie Wohnt Eigentlich Doris Fiala?

Text & Fotos: TAMARA KRIEGER

League of Leading Ladies Conference 2027

LD73 – Mag

WOHNEINDRÜCKE VON LANDHAUS-DIVA TAMARA KRIEGER*

Doris Fiala – eine Frau mit Mut zum Übermut

Man fühlt sich gleich willkommen und von Herzen empfangen, wenn man zu Doris Fiala nach Hause kommt. Ihre offene Art und ihre erfrischende Nahbarkeit sind eine erfreuliche Abwechslung in einer Welt, in der man stets bemüht ist, immer das Richtige zu sagen und das Medienfreundliche zu tun. Die Authentizität bleibt da schon mal auf der Strecke. Nicht so bei Frau Fiala. Sie ist, wer sie ist, ob bei einer Diskussion im Nationalrat, in der Europaratssitzung in Strassburg oder beim Kaffeemachen in ihrer eigenen Küche. Offenheit, Fröhlichkeit und Eifer prägen ihren Charakter. „Mein Mann hat mir immer gesagt, er habe mich vermutlich nicht wegen meines Mutes, sondern wegen meines Übermutes geheiratet“, erzählt sie und strahlt dabei. Ein kluger Mann.

Zusammen wohnen sie heute mitten in der Stadt Zürich in einer stilvoll eingerichteten Wohnung, nachdem sie jahrelang im Ausland, einige Jahre in Genf und dann vor allem in Zürich-Hottingen lebten. Als das letzte ihrer drei Kinder von zu Hause ausgezogen war, entschieden sich Doris und Jan Fiala, das urbane Leben zu geniessen. Hier fühlen sie sich in ihrer Wohnung wohl, die mit sorgfältig ausgewählten Möbeln, Accessoires und Bildern bestückt ist, welche alle eine Geschichte erzählen. Es herrscht ein eleganter, wohlüberlegter, eklektischer Stil. Man merkt schnell, dass Doris Fiala viel Wert darauf legt, ihr Heim mit Accessoires wohnlich zu gestalten und mit hochwertigen Materialien auszustatten. Innendekoration hat ihr schon immer sehr viel Spass gemacht. Ein Zuhause ohne Blumen, zum Beispiel, könnte sie sich nicht vorstellen. „Blumen sind für mich der grösste Luxus, den ich mir regelmässig gönne.“

Die lichtdurchfluteten Räume an der Dreikönigstrasse sind nicht nur mit aussergewöhnlichen Souvenirs von zahlreichen Reisen dekoriert, sondern auch mit exquisiten Kunstwerken. An einer, in schickem Olivgrün gestrichenen Wand des Esszimmers hängt das Bild eines Birkenwaldes von einem ukrainischen Künstler aus Tschernobyl. Jan Fiala ist Chemiker und reiste einige Jahre nach der verhängnisvollen nuklearen Katastrophe regelmässig nach Tschernobyl. Die Firma, für die er damals arbeitete, hatte eine Methode entwickelt, mit der verstrahlte Metalloberflächen dekontaminiert werden konnten. Für das Ehepaar Fiala war es eine Zeit der Verunsicherung und Beklemmung. Ihren Mann trotz grösstmöglicher Schutzmassnahmen in potenzieller Gefahr zu wissen, kostete Doris Fiala viel Kraft. Das Bild des Birkenwaldes ist einerseits Symbol für einen Lebensabschnitt, der mit vielen Herausforderungen einherging, andererseits für stetig prosperierendes Leben.

Doris Fialas Zuhause ist ein Heim, das ganz lautlos und äusserst zärtlich von der grossen Zuneigung erzählt, die zwei Menschen zueinander hegen. Seit 31 Jahren ist das Ehepaar verheiratet. Sie teilen die Liebe zur Kunst, zur Musik und zum Reisen, mögen gutes Essen und köstlichen Wein aus Italien, Spanien oder Frankreich. Beide verehren den Künstler Djawid Borower und sammeln seine Bilder mit Leidenschaft. Ein Bild zeigt das Weinflaschen-Etikett einer Flasche Bordeaux, das Jan seiner Doris einmal zum Geburtstag geschenkt hat. Sie lacht, als sie die Geschichte erzählt: „Er fragte mich, was ich mir zum Geburtstag wünsche, und ich sagte: ‚Es kommt darauf an, ob es etwas kosten darf oder nicht. Wenn es preiswert sein muss, dann wünsche ich mir ein Schoggiherz und einen Liebesbrief von dir, wenn nicht, dann würde ich dich bitten, das Borower Bild zu finden, das wir vor zehn Jahren an der Rämistrasse gesehen haben.’ Anscheinend fand er es einfacher, das Bild aufzustöbern, als einen Liebesbrief zu schreiben.“

Ein weiteres Beispiel für die innere Verbundenheit dieses ungewöhnlichen Ehepaares ist die Statue „Amanti“ von Bruno Bruni, die Doris und Jan Fiala jahrelang bewundert hatten, und die heute in ihrem Wohnzimmer steht. Fast gleichzeitig reservierten die beiden, ohne das Wissen des jeweils anderen, beim gleichen Galeristen zum einen die Statue und zum anderen die dazu passende gerahmte Skizze. Jan wollte Doris die Statue zum Geburtstag im Januar schenken und sie wollte ihm die Skizze zum Hochzeitstag im März überreichen. Von diesem vortrefflichen Zufall wusste nur der Galerist, der sich quasi als postillon d’amour fühlte und sein Geheimnis schön für sich behielt. An Doris Fialas Geburtstag war die Freude und Überraschung über die Statue gross und wurde zwei Monate später am Hochzeitstag noch mit der Skizze getoppt. Beide Kunstwerke sind heute nahe beieinander platziert. Sie sind ein Blickfang, der sich gleichzeitig ergänzt und beflügelt.

Auffallend sind auch die vielen Bärenfiguren, die sich überall in der Wohnung tummeln. Es gibt sie aus Stein gehauen, aus Holz geschnitzt oder aus Lehm geformt. Sie sind zum einen eine Anspielung auf den Kosenamen, den Jan seiner Frau gibt, und zum anderen versinnbildlichen sie den grossen Fiala’schen Familienzusammenhalt. „Der Bär hat etwas sehr Gemütliches, kann aber trotzdem sehr bedrohlich sein, wenn es darum geht, seine Jungen und die Familie zu beschützen. Die Familie ist auch für mich das Wichtigste im Leben“, sagt Doris Fiala und erzählt mit strahlenden Augen von den drei bereits erwachsenen Kindern, die auch untereinander oft Zeit zusammen verbringen und an Weihnachten alle nach Hause kommen werden. Sie geniesst diese Zeit des unbeschwerten Zusammenseins, das für sie im Mittelpunkt der traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten steht. Und obwohl ihr Traditionen viel bedeuten, findet sie es gleichzeitig wichtig, immer offen zu bleiben für den Wandel und Veränderungen.

Das Zuhause von Doris und Jan Fiala ist ein Ort, der gleichzeitig Heimeligkeit und Weltoffenheit ausstrahlt. Jedes Stück ist sorgfältig ausgesucht. Keines stiehlt dem anderen die Show. Es herrscht ein ausgewogenes Wohnkonzept, das mit Weitsicht und viel Herz umgesetzt wurde. Auf die Frage, ob Frau Fialas Ehemann beim Einrichten auch mitreden dürfe, erzählt sie: „Natürlich. Seine Maxime ist, dass ich, wenn ich etwas Neues kaufe, auch etwas ausrangieren müsse.“ Das scheint gut zu funktionieren. Gleich wie ihre langjährige Ehe, die durchaus nicht immer perfekt sei und in der auch mal zünftig gestritten werde, wie Doris Fiala betont. Zum Geheimnis ihrer dauerhaften Beziehung befragt, überlegt sie lange und antwortet dann: „Sich trotz aller Widrigkeiten, Untiefen und Zweifel immer wieder füreinander zu entscheiden und zu versuchen, nie einzuschlafen, ohne dass man sich wieder versöhnt hat.“


 

Veröffentlicht online am 4 März, 2014

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