Let’s Flex!

Text: Patti Basler
llustration Etschgi

Ladies Drive No. 72. Patti Basler: Let’s Flex! Illustration Etschgi
League of Leading Ladies Conference 2026

LD73 – Mag

Wer flexen will, muss flexibel sein. „Flexen“ ist das Jugendwort für „Angeben“ oder „Bluffen“. Aber das dürfte schon bald wieder überholt sein.

Sprache unterliegt einer stetigen Evolution. Gewisse Begriffe setzen sich durch, andere sterben aus. Dialektwörter wie „Sommervogel“ für Schmetterling gehen verloren. Sprachliche, soziale und kulturelle Entwicklung – die sogenannte „Soziogenese“ – schreitet schnell voran, vor allem in Zeiten der KI.

Die biologische Evolution nach Darwin verläuft viel gemächlicher. Damit sich eine ganze Spezies der Umwelt anpassen kann, braucht es mehrere Generationen und den Zufall! Zufällige Genmutationen bewirken, dass sich eine Art verändert oder gar eine neue entsteht. Diese biologische Evolution heisst „Biogenese“. Meist besetzen neue Arten spezielle Nischen, in denen sie bessere Chancen zur Fortpflanzung haben. Fledermäuse sind biologisch gesehen fliegende Hunde oder nachtaktive Pferde, die per Schallwellen „sehen“ können. Sie gleichen nur äusserlich Mäusen oder Ratten und ihr Umriss weist zufälligerweise eine grosse Ähnlichkeit mit dem menschlichen Becken auf. Dafür sind Sommervögel keine Vögel, sondern eher Vogelfutter, Insekten. Bei ihnen ist die Entwicklung innerhalb der Lebensspanne, die sogenannte „Ontogenese“, besonders interessant. Sie schlüpfen aus den Eiern als Raupen und verpuppen sich. Diese Verwandlung entpuppt sich als Überlebenshilfe.

Biologisch-genetisch gesehen steckt unsere Spezies noch immer in Steinzeitkörpern. Nur das Gehirn ist ein neuzeitliches, es kann viel flexibler reagieren als der Körper. Die grösste Hilfe dabei ist die Sprache. Sie kann von Generation zu Generation das gesamte Wissen der Menschheit weitergeben. Wir müssen Erfahrungen nicht selbst innerhalb unserer Ontogenese machen, um etwas zu lernen.

Gewisse Erfahrungen möchten wir uns ohnehin lieber ersparen: den Geschmack von Energydrinks, eine Rede von Donald Trump, den Anblick unangeforderter Dickpics. Und Schmerzen. Extrem­situationen. Lieber tot sein, als noch länger so zu leiden! Lieber jegliche moralischen Bedenken über Bord werfen, als mit ihnen unterzugehen!

Frauen berichten oft von der Geburt als einer Extremsituation, in welcher das steinzeitliche Erbe übernimmt. Das Gehirn ist zu keinem klaren Gedanken mehr fähig, bloss noch irgendwie funktionieren, den Schmerz aushalten oder durch flexible Umlagerung halbwegs erträglich machen. Bindegewebe, Organe und Becken der Frau sind maximal flexibel, wie sonst könnte ein ganzer Kinderkopf durch den Geburtskanal passen? Ein Kopf mit dem Durchmesser eines Kürbisses! In meinem Fall wäre dies natürlich ein Patisson – zumindest, wenn es sich bei meinem Kind um einen Sohn handeln würde. Pattis-Son.

Allzu grosse Kinder und allzu enge Becken wurden von der Evolution aussortiert. Frauen mit diesen Merkmalen und deren Nachwuchs überlebten die Geburt nicht. Heute können sich diese Eigenschaften dank moderner Medizin weitervererben. Deshalb muss die Geburtsmedizin flexibel sein und immer auch einen Kaiserschnitt in Betracht ziehen. Rechenmodelle gehen sogar davon aus, dass in wenigen Generationen fast keine natürlichen Geburten mehr möglich sein werden, es sei denn, wir Frauen suchen uns nur noch Erzeuger mit kleinen Köpfen.

Je weiter wir in der Ontogenese fortschreiten, oder ganz prosaisch: Je älter wir werden, desto unflexibler wird unser Körper. Wenn das Iliosakralgelenk verklemmt, durchfahren uns stechende Schmerzen, fast so stark wie beim Gebären und in derselben Körperregion, aber ohne die Freude danach. Allerdings auch ohne, dass man weitere zwanzig Jahre Verantwortung, Schmerz und Angst für ein Wesen mittragen muss.

Wer die kindliche Flexibilität erhält, hilft dem Nachwuchs. Selbst mit bestens angepasster Genetik (the fittest) müssen wir flexibel mit der Soziogenese Schritt halten. Gerade Frauen sollten den Spagat lebenslänglich beherrschen.
Fantasie ist die Flexibilität der Gedanken. Sie beflügelt uns dann, wenn der Körper unflexibel ist. Lahmgelegt durch unerträgliche Schmerzen, krank, ill, Iliosakralgelenk sei Dank, erkannte die Illustratorin die Ähnlichkeit von Fledermäusen mit dem Becken. Dessen formgleiche Gestalt mit Faltern. Selbst das Steissbein weist ein Muster auf wie die Puppe eines Sommervogels.

Ist der Körper winterlich unflexibel, verleihen wir dem Geist die Flügel eines Sommervogels. Wir flexen mit Kreativität, heben ab, ohne Energydrink, dafür mit geistiger Flexibilität. So können wir beim Umfeld besser landen als mit Dickpics. Let’s flex.


Creator
Patti Basler
Kolumnistin

Quelle: Patti Basler: „Let’s Flex!“, Ladies Drive Magazin, Nr. 72 (2025/2026), S. 76.

Veröffentlicht online am 26 Jan., 2026
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