Mein Kalender war leer, aber mein Kopf war es nicht. Ich fühlte mich eingesperrt in einer Rolle, die ich längst hinter mir glaubte.
Corona hat mich gezwungen zu bleiben. Und genau dieses Bleiben hat mich verändert. In den ersten Wochen war ich unruhig, fast wütend. Ich hatte das Gefühl, mein ganzes berufliches Leben sei auf Pause gedrückt worden. Ich, die immer unterwegs war – plötzlich festgenagelt mit Kindern, die Fragen stellten, für die ich keine Antworten hatte.
Und doch, mitten in diesem Chaos, begann etwas Neues zu wachsen. Zwischen Schulaufgaben, Spaghetti und Wäschebergen entstanden Momente, die ich sonst nie erlebt hätte. Ich sah meine Kinder wirklich. Nicht zwischen zwei Terminen, nicht auf der Uhr, sondern in ihrem Alltag, in ihren kleinen Sorgen und grossen Ideen.
Je länger ich blieb, desto klarer wurde mir: Ich war nicht gefangen, ich war angekommen. Ich lernte, dass Flexibilität nicht heisst, sich zu verbiegen oder alles zu kontrollieren. Es bedeutet loszulassen, ohne aufzugeben. Das Leben hatte mir die Freiheit genommen, aber mir etwas anderes geschenkt: den Raum, neu zu denken.
Mein Business hat sich danach verändert – ganz von selbst. Weniger perfekt, aber lebendiger. Ich habe aufgehört, alles gleichzeitig zu wollen, und mich gefragt: Was macht wirklich Sinn?
Ich habe Projekte beendet, die nicht mehr zu mir passten, und neue Wege eingeschlagen, die ehrlicher waren. Heute weiss ich: Erfolg hat weniger mit Geschwindigkeit zu tun als mit Klarheit. Diese Erfahrung hat auch meine Sicht auf Führung verändert.
In meiner Arbeit mit Verwaltungsrätinnen, Unternehmerinnen und Führungsteams sehe ich es immer wieder: Die, die sich weiterentwickeln, sind nicht die Lautesten oder die Härtesten. Es sind jene, die neugierig bleiben, zuhören und sich selbst hinterfragen können.
Flexibilität ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Ausdruck von Vertrauen – Vertrauen in sich selbst, in das Team, in den Prozess. Wer weiss, wofür sie steht, kann sich bewegen, ohne sich zu verlieren.
Gerade im Leadership geht es nicht darum, auf jede Veränderung sofort zu reagieren, sondern darum, innezuhalten, die Richtung zu prüfen und dann bewusst zu entscheiden, ob und wie man den Kurs ändert. Diese innere Beweglichkeit ist heute vielleicht die wertvollste Ressource, die wir haben.
In der Natur überleben nicht die Stärksten, sondern die, die sich wandeln können, ohne ihre Identität zu verlieren. Ich finde diesen Gedanken tröstlich. Er zeigt, dass Anpassung kein Verrat an sich selbst ist, sondern ein Ausdruck von Lebendigkeit.
Wenn ich heute zurückblicke, bin ich dankbar für diese Zwangspause. Sie hat mir beigebracht, dass Stillstand nicht Stillstand ist. Dass man manchmal anhalten muss, um wieder zu sehen, was wirklich zählt. Und dass wahre Flexibilität nicht im Tun liegt, sondern im Sein.
Ich weiss heute:Manchmal zwingt uns das Leben zum Innehalten, damit wir wieder in Bewegung kommen – aber diesmal in die richtige Richtung.
Vielleicht ist genau das die grösste Form von Freiheit.

















