Die Gäste sind aus aller Herren Länder angereist, und obwohl man sich noch nicht kennt, vereint alle die Zuneigung zu der einladenden Person. Man stellt sich gegenseitig vor und geniesst bei fröhlichem Small Talk die Leichtigkeit des Seins. Mit dem einen oder anderen Gast bleibt die Konversation jedoch nicht an der Oberfläche, sondern erreicht tiefgründige Themen, Themen, die uns wirklich bewegen; es geht um Werte, Haltung, Überzeugungen, Ziele und bisweilen sogar um den Sinn des Lebens.
Wird die Unterhaltung in gleicher Weise als tiefgründig empfunden, lädt das Gehirn zur Neurotransmitter-Cocktail-Party ein: Positive Botenstoffe wie Dopamin, der Belohnungs-Neurotransmitter, und Oxytocin, das Bindungshormon, werden serviert. Kein Wunder also, dass wir tiefgründige Dialoge als beglückend empfinden. Es entsteht eine Resonanz zwischen den Gesprächspartnern, mit gegenseitiger Schwingung emotionaler und kognitiver Zustände, oftmals wie ein schnelles Ping-Pong-Spiel. Das Resultat dieser Diskurse ist häufig: Man ist inspiriert, wach und erfüllt.
Dieses Wissen könnte man sich beim Erlernen einer Fremdsprache zunutze machen. Sind die ersten sprachlichen Hürden mit Vokabelpauken, Grammatikerlernen und dem Durchsprechen typischer Alltagssituationen genommen, könnte man das Sprachniveau zügig auf das nächste Level heben. Eine steile Lernkurve lässt sich rasch durch das Diskutieren tiefgründiger Themen erzielen. Warum dies so ist? Auch hier werden bei Resonanz die beiden Botenstoffe Oxytocin und Dopamin ausgeschüttet. Ist man nun in der Lage, über den Sinn des Lebens sogar in einer Fremdsprache zu philosophieren, beglückt einen dies doppelt: zum einen durch den resonierenden Diskurs und zum anderen durch das stolze Gefühl, über die gewünschte Thematik sogar in der gewählten Fremdsprache parlieren zu können – ein Freudentanz für das Zerebrum.
Wäre es dann nicht empfehlenswert, nur tiefgründige Dialoge zu führen, um beschwingt durch das Leben zu tanzen?
So trivial ist die Realität nicht: Dafür braucht es das passende Gesprächspendant, denn Resonanz stellt sich nicht zwangsläufig ein. Die Thematik muss in uns etwas zum Schwingen bringen. Eine empathische Person, die aktiv zuhört, kann für vertrauensvolle Unterredungen prädestiniert sein, ohne dass sie den Inhalt ebenfalls als mitreissend erleben muss. Es gibt Gehirne, die den tiefgründigen Gedankenaustausch bevorzugen. Diese sind meist mit hoher emotionaler Intelligenz, Empathie und einer ausgeprägten Fähigkeit zum aktiven Zuhören ausgestattet. Dies hilft, feine emotionale Nuancen rasch zu erfassen und Themen jedweder Komplexität authentisch zu vertiefen. Neurowissenschaftlich braucht es hierfür starke Netzwerke im Stirnlappen, der für Empathie und Selbstregulation sorgt, begleitet von einer guten Ausstattung mit Spiegelneuronen, die zusammen die neuronale Synchronisation erleichtern.
Etwas leichter Small Talk kann als beschwingt erlebt werden, es dürfen Floskeln ausgetauscht werden und der Gesprächsinhalt an der Oberfläche vor sich hin plätschern. Gerät die Balance aus tiefgründigem Meinungsaustausch und Small Talk zugunsten der leichten Gespräche aus dem Lot, erleben wir dies jedoch als anstrengend. Neurochemisch lässt sich dies wie folgt erklären: Tiefgründige Dialoge lösen eine Dopamin- und Oxytocin-Ausschüttung aus, bei oberflächlichem Plausch wird davon nur eine Minimaldosis ausgeschüttet. Man erlebt dadurch einen Mangel, ein Fehlen dieser Botenstoffe, was unser Wohlbefinden sinken lässt, da das uns innewohnende Bedürfnis nach Verbindung ungestillt bleibt. Die Konversation bleibt ohne Nachhall.
Gleichwohl sei betont, dass der Austausch von Nettigkeiten, höflichem Small Talk und respektvollem Plausch gesellschaftlicher Kitt und erst das Tor zu feingeistigen Unterhaltungen ist.
Befassen wir uns literarisch mit tiefgründigen Themen, die in uns Resonanz auslösen, wird ebenfalls Dopamin ausgeschüttet. Teilen wir die Begeisterung für diese Inhalte jedoch nicht in Dialogen, sondern behalten sie für uns, bleibt die Dopamin-Ausschüttung geringer. Oxytocin wird hierbei meist nicht direkt ausgeschüttet, das Bindungshormon kann jedoch beim Lesen tiefgründiger Texte durch emotionale Identifikation indirekt ausgeschüttet werden.
Als sinnliche Lebewesen fehlt uns beim Konsum von Inhalten über Medien (Print, Audio, TV, PC) oder auch bei Video-Calls ein grosser Teil möglicher Sinneserfahrungen. Den vollständigen Reichtum an Sinneserleben, verbunden mit tiefgründigem Inhalt, können wir nur in der Wirklichkeit erfahren.






















