Weihnachts­wehwehchen 2023

Text: Sandra-Stella Triebl
Illustration: Natasha Papst

Weihnachtswehwehchen 2023
Als Kind freut man sich auf Weihnachten wegen der Geschenke. Als Erwachsene freut man sich auf Weihnachten weil sie ein paar Tage Stille versprechen, etwas weniger E-Mails, weniger Anrufe, weniger To-dos und Meetings.

Die Feiertage hatten für mich jedoch seit jeher einen eher schalen Beigeschmack. Das hat vor allem mit den Erwartungen zu tun, die an die Familie gerichtet wurden, wie das Weihnachtsfest abzulaufen habe.

Es sollte immer alles perfekt sein nach aussen, Probleme wurden unter den Teppich gekehrt, zumal über die Feiertage. Und so war das immer alles andere als perfekt. Aber es war normal für mich. So war eben Weihnachten. So war eben Familie.

Und trotz alledem mochte ich es irgendwie. Insbesondere das idealisierte Gefühl, dass eine Familie, die sich liebt und schätzt und respektiert an diesem Tag zusammen an einem langen Tisch sitzt. Ich liebte und liebe meine Familie, auch wenn ich respektieren lernte, dass wir nicht alle dieselben Bedürfnisse, Wünsche, Träume, Hoffnungen haben. Ich musste und durfte lernen Menschen loszulassen.

Weihnachtswehwehchen 2023

Sie gehen zu lassen aus meinem Leben und sie dennoch noch immer zu lieben und zu respektieren in ihrem Sein. Denn wer bin ich, um andere zu verurteilen, um zu sagen was richtig oder falsch ist. Ich kann lediglich für mich selbst, für meinen Mikrokosmos entscheiden, wie ich diesen ausgestalte. Und nur weil jemand nicht mehr in meinem Leben ist, bedeutet das nicht, dass man diesen Menschen nicht mehr mit ganz viel Liebe verbunden sein kann.

Einer der Menschen, die nicht mehr in meinem Leben sind, ist meine Mutter. Sie verstarb kurz nach Weihnachten, am 21.2.2011.

Sie erhielt nur wenige Wochen zuvor von einer Ärztin die Diagnose, dass sie wohl nur noch ein paar Wochen zu leben habe und sie nun das ‚letzte Weihnachten’ doch noch im Kreise der Liebsten verbringen solle. Entsprechend war dieses letzte Weihnachten mit meiner Mutter tatsächlich hoch emotional und sehr belastend und diese Tage sind es irgendwie seither immer noch.

Ich sehe die vielen funkelnden Lichter an den unzähligen, reich geschmückten, schwer behangenen Weihnachtsbäumen. Aber da ist immer noch etwas Melancholie, die sich in einer kleinen finsteren Ecke meines Herzens verkrochen und versteckt hat. Ich habe lange versucht diese finstere Ecke irgendwie wegzupacken, zu ignorieren, bewusst loszulassen.
Doch ich habe entschlossen, dass diese dunkle Raum einfach da sein darf. Weil er zu mir gehört. Und ich fülle ihn mit kunterbunten, wohlriechenden Blumen, herzerwärmendem Gelächter, grenzenloser Leichtigkeit, warmem Sonnenschein, gleissendem Licht und funkelnden Sternen. Es ist genau diese Vorstellung, in diesen dunkelschwarzen Raum ganz viel Schönes hinein zu packen und ihn da zu belassen wo er ist, nämlich mitten in meinem Leben, nicht zu negieren sondern zu integrieren. Genau das hat mir geholfen, mich mit meiner Melancholie und somit auch mit dem Erlebten zu versöhnen.

Seither stelle ich an Weihnachten immer eine Kerze ins Fenster. Ich stelle mir vor, dass jede und jeder, der – wieso auch immer – nicht bei mir sein kann, dieses Licht sehen möge. Es ist ein Licht, welches nach innen und nach aussen strahlt und jede und jeden erreicht, die oder der es sehen mag.

So scheint dieses Licht für mich, in meinem Herzen und in allen anderen Herzen, die mit mir verbunden sind, auf eine unfassbar schöne und magische Art und Weise.

Frohe Weihnachten.

Sandra-Stella Triebl

Veröffentlicht am Dezember 23, 2023

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