

„Das ist der Horror“ höre ich die einen. Und sie sprechen dabei über ihre Kinder. Die anderen meinen damit den Ehepartner. Die nächsten ihre Angst vor einem Jobverlust oder das sie ihr Unternehmen nicht über diese Krise bringen.
Die Anzahl Konflikte steigt, ebenso jene der häuslichen Gewalt. Und wir stehen erst am Beginn dieser Krise. Jede Krise und diese ganz besonders, stellt all unsere Beziehungen und Netzwerke auf die Probe: wer vor der Krise schon Brüche in seinen Beziehungen (in der Familie aber auch im Job) vorfand, wird sie nun wachsen und auseinander brechen sehen.
Doch, was können wir tun, um Konflikte - wenn sie auftauchen - zu lösen und um sie nicht eskalieren zu lassen zu verbaler oder körperlicher Gewalt?
1. Wir müssen (wieder) lernen, über unsere Gefühle zu sprechen. Ich bin ein Mensch, der seine Gefühle auf der Zunge trägt. Ich habe einen Wortschatz, der mir erlaubt, meine Gefühle, mein Inneres, in Worten nach Aussen zu kehren. Dinge, die ich fühle in Worte zu packen. Das ist nicht leicht, aber eine Frage des Trainings.
2. Wie kann man lernen über Gefühle zu sprechen? - Indem man zuerst einmal keine falsche Scham, Scheu oder Angst empfindet. Jeder hat Gefühle! Dass Sie ausgerechnet einem Soziopathen gegenüber sitzen ist rein statistisch klein (die liegt faktisch bei einem Prozent). Wenn ich meine Gefühle ausdrücke, gebe ich somit anderen erst die Chance, mich wahrzunehmen, mich zu verstehen - mich kennenzulernen, meine Bedürfnisse zu erfahren. Ich kann nicht erwarten, dass mein Gegenüber doch „wissen muss“, wie es mir geht. Viele Menschen wissen nicht mal was passiert, wenn sich jemand vor ihnen in Tränen auflöst!
3. Über Gefühle zu sprechen ist das eine. Zu erklären, weshalb dem so ist, das andere. Ich hab in diesen Tagen selbst schon mal völlig unmotiviert aggressiv auf meinen Partner reagiert. Nicht, weil ich ihn nicht liebe. Sondern weil mir - in der Summe der Dinge, die mir an diesem Tag widerfahren sind - alles zu viel wurde. Statt ihm das zu sagen, hab ich patzig reagiert. Zum Glück habe ich einen Partner, der dann Fragen stellt und sich mit mir auseinandersetzt. Es hilft unglaublich sich zu erklären, weshalb man emotional wurde und welche Geschichte dahinter steht.
4. Freiräume definieren und respektieren und ein „Safe Word“ für den Notfall kreieren ist deshalb das, was hilft eine Eskalation zu vermeiden. Wenn wir in Quarantäne und auf engem Raum zusammen sind, braucht es wohlmöglich neue Regeln, Absprachen, vor allem wenn ihr im Home Office arbeitet. Das ist eine unglaubliche Chance, Beziehungen zu vertiefen und Kindern trotz dieser Krise als Vorbild zu dienen.
5. Lernen sich zurück zu nehmen. Diese Krise ist eine unglaublich gute Praxisübung zum Loslassen seines Egos.
6. Hilfe holen, wenn ihr spürt, dass ihr es alleine nicht schafft. Wir sind Menschen. Nobody’s perfect.
Nur zwei Tipps an dieser Stelle: Lisa Wimberger offeriert kostenlose Meditations-Sessions (über ihre Website Neurosculptinginstitute) und Mylène Thiébaud bietet Online-Coachings für Personen/Paare/Unternehmer, die nicht weiter wissen (über Transformy) inklusive Not-Hotline via Whatsapp.
Wir haben eine grossartige Chance unseren Beziehungen und Netzwerken ein Upgrade zu verpassen, sie zu vertiefen und wahrhafter werden zu lassen.
Habt keine Angst davor. Es ist so wohltuend und vor allem befreiend, wenn man die Dinge mal beim Namen nennt! Wenn man dem, was man fühlt, endlich Ausdruckt verleiht. Wenn man mit seinen Gefühlen gesehen und wahrgenommen wird.
Und geht mal davon aus, dass man es im Grunde gut mit euch meint. Meine Mutter hat immer zu mir gesagt, ich sei ein Träumer und unsäglich naiv. Aber ich hab mich nie beirren lassen.
Und gerade in dieser Krise sind meine Beziehungen und Partnerschaften enger als je zuvor. Das zeigt mir, dass es sich „gelohnt“ hat, sich zu öffnen, sich mitzuteilen.
Mögen meine Worte ein bisschen hilfreich sein und euch ermutigen.
Veröffentlicht online am 6 Apr., 2020
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