Ladies Drive No. 72 Editorial: Survival of the Flexible?

Text: Sandra-Stella Triebl

Ladies Drive No. 72 Editorial: Survival of the Flexible?
Ladies Drive No. 72 (Winter 2025/2026) Cover

Wie wir uns anpassen, ohne uns zu verlieren

Charles Darwin sprach vom „Survival of the Fittest“ und meinte damit nicht, dass der Stärkere überlebt, sondern der Smartere – und das ist derjenige, der sich am besten an seine Umwelt anpasst. Das war in aller Kürze die Inspiration für diese Ausgabe – und unsere Konferenz nächsten April in Interlaken (mehr unter
www.leagueofleadingladies.com).

Fakt ist: Unsere Welt war früher langsamer. Mit der Erfindung des Internets, von Social Media und seit dem Einsatz von KI haben wir uns mitunter eine Welt erschaffen, die sich schneller ändert, als uns lieb ist. Um es frei nach Goethe zu sagen (aus: Der Zauberlehrling): „Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los.“

Deshalb haben wir uns überlegt: Was ist die Eigenschaft oder jenes Talent der Zukunft, das wir unbedingt brauchen, um langfristig dieser sich ändernden Welt begegnen zu können? Ich bin zutiefst überzeugt: Es sind Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Doch diese zwei Dinge kommen nicht ohne ein Aber: Anpassung ist nicht Anpassungsfähigkeit. Letzteres ist eine Kompetenz oder ein Talent, das wir uns antrainieren und bewusst nutzen können. Anpassung per se ist eher eine Pflicht – blind und unhinterfragt. Es geht also in diesem Kontext nicht darum, dass wir uns ständig anpassen wie ein Fähnchen im Wind, sondern darum, wie wir es schaffen, uns treu zu bleiben und uns dennoch agil und flexibel durch alle möglichen Stürme zu bewegen. Smart eben.

Ich stelle mir in diesem Zusammenhang immer Glühwürmchen vor, die vom Wind hin- und hergeworfen werden und trotzdem genau wissen, wann und wieso sie leuchten. Oder ein Chamäleon, das ebenso unsichtbar wie sichtbar sein kann, weil es sich – bei Bedarf – perfekt an seine Umwelt anzupassen scheint. Doch obwohl das Chamäleon aussieht wie ein Gebüsch – es bleibt ein Chamäleon.

Wie bleiben wir also unseren Werten treu, wenn alle „Agilität“ und „Flexibilität“ schreien und fordern? Sich konsequent treu zu bleiben, ist da eben wie ein Tanz. Eine tiefe Verbindung in sich zu spüren, eine starke Verankerung, die uns ausmacht, ist Teil der Magie – und Teil des Erfolgs.

Und jetzt kommt das Aber: Flexibilität braucht Fokus, Authentizität und Sinn, um wirken zu können. Sie darf, soll und kann ständig hinterfragt werden – um zu verhindern, dass unter dem Deckmantel der „sich verändernden Rahmenbedingungen“ Dinge mit uns geschehen, die zu unserem Nachteil sind. Der Umstand, dass unsere Welt sich verändert, macht vielen Angst. Aber im Grunde ist „Survival of the Flexible“ etwas, was wir als Menschen perfekt beherrschen – sonst wären wir längst ausgestorben. Wir haben mehr Anpassungsfähigkeit, als wir uns zutrauen würden. Ein paar Beispiele gefällig?

Unser Gehirn verändert sich bis zum letzten Atemzug – man nennt das Neuroplastizität.

Unsere Gene sind prall gefüllt mit Anpassungs- und Erneuerungsmechanismen. Unser Lifestyle, unsere Ernährung sind Zyklen ausgesetzt – ebenso wie die Jahreszeiten.

Spannend ist übrigens dies: Sind die Zeiten hart, sind viele zunehmend egoistisch. Doch es ist dennoch erfolgversprechender, auf lange Frist gesehen, in einer Gruppe zu überleben.

Auch wir sind eine Community. Agieren wir doch als solche – mit liebevoller Umsicht und durchzogen von Kindness –, um die Welt von morgen zu einer werden zu lassen, in der wir in Balance sind, in der wir das Gefühl haben, „genug“ zu sein, und in der wir spüren, dass wir mehr sind als die Summe unserer Einzelteile.

Kann sich jede und jeder anpassen? Theoretisch schon. Aber dem einen fällt es ein bisschen einfacher. Denn Veränderung anzu­erkennen, heisst auch, das Leben anzuerkennen – das Kommen und Gehen. Und es ist mehr als menschlich, Dinge, die uns lieb und teuer sind, bewahren, konservieren zu wollen. Unser Eigen nennen zu wollen. Vermehren zu wollen.

Flexibilität ist aus meiner Sicht aber auch ein Zeichen von Vertrauen – ins Leben, ins Universum, in andere Menschen. In den Fluss des Lebens, der nie stehen bleibt. Oder wie es die indigenen Völker ausdrücken: in den See des Lebens. Denn für sie repräsentiert das viel besser den fliessenden Übergang von Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.

Wieso folgen wir nicht der uralten Weisheit, die auch Lao Tse immer wieder erwähnt: zulassen, aber nicht passiv sein. Beobachten, aber bei sich bleiben. Agieren, nicht reagieren. Wissen, nicht meinen. Wie ein Bambus haben wir starke Wurzeln, die unsere Werte darstellen. Ein heftiger Sturm bringt uns dazu, uns zu verbiegen – aber niemals zu brechen. Wenn wir dieses Urvertrauen und unsere Fähigkeit, verwurzelt zu sein und gleichsam elegant und agil durch turbulente Zeiten zu navigieren, konsequent trainieren, sind wir auch in jenen Augenblicken, in denen das Leben Unsicherheiten bereithält, gut gewappnet.
Viel Freude und ganz viel Food for Thought bei all den unfassbar schönen Beiträgen.

Ich wünsche euch und euren Liebsten einen sanften Jahresausklang und freue mich auf ein Wiedersehen und Wiederlesen in 2026 – unserem 19. Jahrgang übrigens!

Herzlichst
Stella

PS: Bitte schaut Euch unsere gemeinsame Aktion mit Amex Platinum an. Danke Euch!


Creator
Sandra-Stella Triebl
Chefredakteurin

Quelle: Sandra-Stella Triebl: „Ladies Drive No. 72 Editorial: Survival of the Flexible?“, Ladies Drive Magazin, Nr. 72 (2025/2026), S. 5.

Veröffentlicht online am 3 Dez., 2025
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