Diversity-initiativen IN Unternehmen

Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Markus Mallaun

Diversity-initiativen IN Unternehmen

Text: Sandra-Stella Triebl
Fotos: Markus Mallaun

SWISSCOM: WIE BETINA BALITZKI DIVERSITÄT ERLEBBAR MACHEN WILL

Betina Balitzki ist eine Frau, die auffällt. Mit ihren walnussbraunen, schulterlangen Haaren und der dunklen Brille, die ihr weiches Gesicht umrahmt und hinter deren Gläsern zwei wache Augen hervorblitzen. Wenn man mit ihr spricht, legt sie gern den Kopf ein wenig zur Seite. Sie lacht gern, auch gern laut, und das steckt an. Sie nennt Dinge gern beim Namen, argumentiert passioniert und legt sich für Herzensangelegenheiten wie das Thema Diversität mehr als nur ins Zeug. Damit bewegt sie. Sie gehört zu den wichtigsten Beeinflusserinnen und Meinungsbildnerinnen unter den Schweizer Diversity-Verantwortlichen und unterstützt andere Menschen unvoreingenommen und uneingeschränkt. Im Rahmen unserer Serie über jene Frauen und Männer, die Diversität in die Flure und Teppichetagen der Schweizer Wirtschaft bringen sollen, unterhalten wir uns mit der „Head of Diversity“ der Swisscom AG, Betina Balitzki, über Kindheitsträume und Zukunftsaussichten.

 

Ladies Drive: Betina, erinnerst du dich noch, was du als Kind werden wolltest?
Betina Balitzki: Ich wollte Flight Attendant werden oder Profi-Handballerin (lacht).

Wenn du dich selbst beschreiben müsstest im Sinne von: „das mag ich“ – „das mag ich so gar nicht“ – welche Worte würdest du wählen?
Ich mag meine Menschlichkeit, weniger mag ich dafür meine Ungeduld.

Über welche Karriere-Steps bist du zur Swisscom gekommen?
Ich arbeitete bei einer Tochtergesellschaft der Swisscom in der internationalen Mobilkommunikation, danach habe ich einen MBA in den Niederlanden gemacht und bin dann als Produktmanagerin ins Roaming bei der Swisscom Mobile eingestiegen.

Wie hast du den Einstieg in die Diversity geschafft?
Von einer Business-Funktion in eine HR-Funktion, das war schon eine beachtliche Reise. Ich denke, ich wurde nominiert, weil die Menschen, die jemanden für Diversity gesucht haben, spürten, dass ich eine starke Affinität zu diesem Thema habe.

Wie definierst du deine Arbeit?
Ich definiere meine Arbeit als Kompetenz-Center für Diversity so, dass ich Ansprechpartnerin, Challenger und auch Coach in den verschiedensten Dimensionen von Diversity innerhalb der Swisscom bin. Mal Controllerin, mal Input-Lieferantin, mal Trendscout.

Wie misst du deine Erfolge?
Ich messe die Erfolge beim KPI Mixed Leadership klar über Controlling, aber auch über die Verankerung im Unternehmen. Für mich ist es auch ein Erfolg, wenn die Kolleginnen und Kollegen in der Swisscom über Diversity reden und mich ansprechen.
Wie frustriert bist du, dass wir teilweise noch immer dieselben Themen besprechen wie vor 10 Jahren im Sinne von Rechtfertigung, dass es tatsächlich Frauen braucht, weil sie einen Mehrwert erbringen? Denn irgendwie scheinen wir uns immer um diese Themen zu drehen und nicht weiterzukommen …
Diese Stagnation macht teilweise unzufrieden und lähmt manchmal auch. Aber es geht hier um viel mehr. Wir dürfen nicht still bleiben, sondern müssen den Dialog fördern und die Flagge immer im Wind halten. Das Thema der Frauen ist eines von vielen in der Diversity, und wir müssen aufhören, es abgekapselt von den anderen Themen zu betrachten. Es gibt hier einen Kreislauf, den viele noch nicht anpacken oder verstehen wollen. Einwanderung, Demografie, Vereinbarkeit von Beruf & Familie etc. Es ist ein ganzheitliches Thema.

Woran liegt es aber, dass wir auch in der öffentlichen Diskussion um Diversität in den Unternehmen nicht weiterkommen? Was kann Abhilfe schaffen?
Wir schaffen es nur gemeinschaftlich. Weder ein paar Wirtschaftsunternehmen, noch ein paar Headhunter oder Beratungsunternehmen können das alleine erreichen. Wobei ich hier auch sagen muss, dass gerade diese viel zum Thema beigetragen und Beachtliches geleistet haben. Wir müssen zusammen an Themen arbeiten, damit wir die Diversity in unseren Unternehmen, in der Gesellschaft und Politik wirklich leben können und für die Wertschöpfung in der Schweiz gezielt und bewusst nutzen. Die Wirtschaftsverbände, die Familienpolitik, etc. – alle müssen hier an einem Strang ziehen.

„EINE ORGANISATION MUSS VERSTEHEN, WAS DIVERSITY WIRKLICH IST – EBEN NICHT AUSSCHLIESSLICH FRAUEN IM MANAGEMENT.”

Wie sieht deine tägliche Arbeit aus, wie können wir uns dies vorstellen?
Ich bin dem Personalchef direkt unterstellt. Das zeigt, wie wichtig das Thema für Swisscom ist. Meine tägliche Arbeit kann ziemlich variieren. Ich bin viel in Meetings, nehme an Podien teil oder tausche mich etwa im Diversity Roundtable Schweiz aus. Ein wichtiger Teil ist zudem Networking mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik. Sehr spannend und vielfältig.

Welche Akzente setzt du derzeit in deiner Arbeit und welche sind 2014/2015 geplant?
Wir arbeiten aktuell gemeinsam mit der HSG daran zu verstehen, was es braucht, um eine ganzheitliche Diversity & Inclusion Kultur in der Swisscom zu kreieren und zu leben. Wichtige Schwerpunkte für Swisscom im nächsten Jahr sind die Integration von Menschen mit Handicap, der Umgang mit dem demografischen Wandel sowie weiterhin der Aufbau der „Female Pipeline“.

Ist Diversity ein Top Down oder Bottom up Prozess?
Sie ist beides. Die Ziele sollten zwingend von der Unternehmensstrategie abgeleitet werden und gleichzeitig sollten auch die Bedürfnisse und Wünsche aus den einzelnen Organisationseinheiten gehört und eingebunden werden.

Mit welchen Massnahmen kann man Diversity in einem Unternehmen auch leben und nicht nur davon sprechen?
Wie bereits erwähnt. Wichtig ist vor allem die Ableitung der Ziele von der Unternehmensstrategie. Wir müssen umsetzen, darüber reden und gleichzeitig Diversity erlebbar machen. Eine Organisation muss verstehen, was Diversity wirklich ist – eben nicht ausschliesslich Frauen im Management.

Was ist aus deiner Sicht der Erfolgsfaktor/die Erfolgsfaktoren für erfolgreiche Diversity über alle Stufen hinweg?
Für mich ist Diversity erfolgreich, wenn alle Mitarbeitenden wissen, was Diversity ist und welchen Beitrag sie zum Unternehmenserfolg leisten kann. Ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist zudem die Einstellung des Managements. Wenn Diversity von jedem verstanden und gelebt wird, dann braucht es keine Diversity-Verantwortliche mehr, dann ist sie verankert in der DNA .

Wie ist eure interne „Quote“, die ihr euch zum Ziel gesetzt habt, und wie steinig oder erfreulich ist der Weg dahin?
Es ist noch ein weiter Weg. Wir haben uns bereits 2011 das Ziel gesetzt, mittelfristig 20 Prozent Frauen auf allen Managementstufen zu erreichen. Wir sind auf dem Weg, dieses Ziel in einer angemessenen Zeit zu erreichen.

 

Weiterführende Informationen: www.swisscom.ch

 

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