In 40 Heften 40 Gespräche – mit 39 Frauen und einem Mann – in den letzten zehn Jahren. In meinem letzten Artikel möchte ich über mich erzählen und über mein Leben mit 70 Jahren.
Am 21. Dezember 2016 übergab ich mein Unternehmen schminkbar by bea petri meinen Töchtern Lia und Kim sowie meinem Schwiegersohn Marc Rotter.
Der Gedanke, dass mein geliebtes Unternehmen in der Familie weitergeführt wird, schien mir die beste Lösung – und erfüllte mich mit grossem Glück. Doch dieses Glück währte nicht lange: Ich fiel in eine tiefe Depression. Mir fehlten der Alltag, meine Aufgaben, die inspirierende Kundschaft, die Gespräche mit meinem Team – und meine Töchter. Mein Leben wurde zu einem einzigen Drama.
Dank ärztlicher Unterstützung, vielen Gesprächen und neuen Visionen fand ich Schritt für Schritt zurück. Ich eröffnete meinen Laden bea petri – schönes zum wohnfühlen und ein kleines Beizli. Ich hatte wieder eine Aufgabe, die mir Freude machte – zusammen mit einem Team von Pensionierten, Menschen, die noch lange nicht bereit waren fürs Nichtstun.
Meine Tage bekamen neuen Sinn. Ich fand zurück zur Freude – und zu den bereichernden Gesprächen mit meiner treuen Kundschaft.
Bei Vorträgen, in denen ich über meinen Weg als Unternehmerin sprach, wurde mir bewusst, dass ich mit dieser Erfahrung nicht allein war. Vor allem Frauen erzählten mir, wie schwer es ihnen fiel, plötzlich „pensioniert“ zu sein – mit 64 Jahren, mitten im Leben. Die Kinder längst aus dem Haus, Enkelkinder mit vollen Wochenplänen aus Lernen, Sport, Musik, Geburtstagseinladungen oder Akrobatik.
Viele Grosseltern hüten regelmässig ihre Enkelkinder, um den Jungen zu ermöglichen zu arbeiten, ohne die Kleinen in teure Krippen geben zu müssen. Doch genügt das? Viele meiner einst so spannenden Freunde reden heute fast nur noch über ihre Enkel, zeigen Fotos, schwärmen. Ich bin anders unterwegs. Bin ich deshalb eine schlechte Grossmutter? Muss ich mir ein Gewissen machen, anders zu sein? Ich will arbeiten, reden, lachen, Geschichten hören und Pläne schmieden.
Wie lange kann ich das noch? Ich zähle die Jahre – vielleicht sind es noch zehn, vielleicht nur fünf. Wohin will ich noch? Welche Länder möchte ich entdecken? Was schiebe ich vor mir her – und was will ich noch unbedingt erledigen?
Ich bin Mitglied bei Exit, habe eine Patientenverfügung und arbeite am Testament. Die Zukunft meines Herzensprojekts Nas Mode will ich langfristig sichern. Dieses Projekt darf nicht enden, wenn es mich nicht mehr gibt.
Das ist meine grösste Herausforderung: Wer würde Nas Mode mit so viel Herzblut und Engagement weiterführen wie ich seit 2008 – freiwillig, ohne Entlöhnung? Ich beobachte, dass sich viele junge Menschen heute kaum noch für soziale Organisationen engagieren. Unentgeltlich helfen, sich einbringen, mitmachen – das scheint selten geworden zu sein.
Es gibt so viele Vereine, die keine jungen, innovativen Menschen mehr für ihre Ämter finden. Da sind wir „Alten“ noch gefragt. Doch was geschieht, wenn diese Generation einmal nicht mehr da ist? Werden sich die Jungen dann ändern und vielleicht Freude daran finden, sich freiwillig zu engagieren? Ich weiss es nicht.
Wenn ich Posts für Nas Mode mache und um Spenden bitte, spüre ich, dass die Jüngeren oft wenig Bereitschaft zeigen, etwas beizutragen – obwohl sie meist gute Einkommen haben und sich vieles leisten können. Ich will das keinesfalls verallgemeinern, aber die Tendenz empfinde ich so.
Das mag beim Lesen vielleicht etwas frustriert klingen – bin ich aber nicht! Im Gegenteil: Ich bin meist gut gelaunt, geniesse das Leben, tanze gerne auf verschiedenen Hochzeiten und bin im Herzen jung geblieben. Mein Körper allerdings sieht das etwas anders. Ich habe lange gedacht, ich würde nie alt werden – doch auch mich hat das Alter erreicht: die Haut, der Rücken, die Müdigkeit, die Lust auf Partys – vieles hat sich verändert. Und das ist völlig in Ordnung so.
Ich versuche, neue Wege zu gehen. Einfach ist das nicht, aber ich bleibe dran. In diesem Sinn verabschiede ich mich von meinen treuen Leserinnen – und ich würde mich über eine Begegnung in meinem wunderbaren Laden und Beizli in Steckborn freuen.
Vielen Dank.
Eure Bea Petri
beapetri.ch
nasmode.com
schminkbar.ch

Bea Petri ist Unternehmerin, Moderatorin bei Tele D, Präsidentin des Fördervereins Nas Mode und Autorin.
In ihrem Buch Ungeschminkt schreibt sie offen über ihr Leben in der Schweiz und in Afrika. Zwölf Leben zeigt die Geschichten – mit eindrücklichen Bildern von Melanie Duchene – von jungen Menschen in Afrika, die dank Nas Mode eine Perspektive im Leben bekamen.



Bia entdeckt Afrika ist ein Kinderbuch über das Leben in Burkina Faso.
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