Vanessa Gentile, Salesforce, Kolumnistin bei Ladies Drive

Wie wir in Zukunft arbeiten – „Bring Women Back to Work“ als Vorzeigeprojekt für vorausdenkende Unternehmen.

Ein Erfahrungsbericht von Vanessa Gentile
Foto:Beat Baschung

Wie wir in Zukunft arbeiten – „Bring Women Back to Work“ als Vorzeigeprojekt für vorausdenkende Unternehmen.

Ein Erfahrungsbericht von Vanessa Gentile
Foto:Beat Baschung

Mit dem ehrenamtlichen Salesforce-Programm „Bring Women Back to Work“ verfolge ich aus Leidenschaft das Ziel, mehr Frauen nach einer beruflichen Pause wieder in die Arbeitswelt zu holen – konkret in die Techbranche. Und der Erfolg der Initiative kann sich sehen lassen: Zwei Drittel der Teilnehmerinnen finden nach Abschluss dieses Programms einen neuen Job. Dies bleibt aber nicht der einzige Erfolg des Projekts. Ganz nebenbei entpuppt sich die Art und Weise der Organisation als Erfolgsrezept für diversere Teams in der Arbeitswelt von morgen.
Es erstaunt mich, dass nach den Erfahrungen mit Remote Work während mehr als zwei Jahren so viele Unternehmen ihre Mitarbeitenden wieder ins Büro zitieren. Denn wenn uns diese Zeit eines gezeigt hat, dann dies: Teams funktionieren ebenso gut, wenn sie rein virtuell zusammenarbeiten. Dies gilt, selbst wenn die Teammitglieder von Anfang an ausschliesslich auf digitalen Kanälen miteinander kommunizieren und die Arbeitsmotivation nicht geldgetrieben ist. Nicht nur Letzteres gehört zu den wichtigsten Learnings aus unserem Programm, sondern auch, dass es die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens aufzuzeigen vermag. Ist ein Unternehmen in der Lage, Quereinsteiger innert kürzester Zeit so gut auszubilden, dass sie auch in einer hoch spezialisierten Branche Fuss fassen können, und somit dem viel zitierten Fachkräftemangel aus eigener Kraft zu begegnen? Ist ein Unternehmen agil und divers genug, und weiss es um das Potenzial dieser Diversität?
Als ich für Salesforce das Programm „Bring Women Back to Work“ initiierte, war es ein ehrenamtliches und vollständig remote geführtes Projekt, welches schneller erfolgreich wurde, als wir uns das alle gedacht und erträumt hatten. Innert Jahresfrist konnten wir das Quereinsteigerinnen-Programm hierzulande so gut etablieren, dass es nun in weitere, europäische Länder ausgerollt wird. Was als freiwilliges Non-Profit-Projekt „nebenbei“ begann, bewundert man heute als Vorzeigeprojekt für modere Unternehmensführung. Egal ob bei der Teamzusammenstellung, der Teamführung oder der Bindung der Mitarbeitenden: Es gibt unzählige Learnings, die die künftige Art zu arbeiten in vielerlei Hinsicht verbessern können.
Begonnen hat dieses Projekt, nachdem ich bei Salesforce in das Partnergeschäft der Techkonzerne einstieg und wo ich gefühlt täglich mit dem Fachkräftemangel der Techbranche und der mangelnden Diversität in den Teams konfrontiert war. Ich selbst war zwar bereits 15 Jahre lang in der Techbranche, aber erst die Rückkehr aus dem Mutterschaftsurlaub in den Beruf zwang mich in eine Position, die technischer war als je zuvor. Heute sehe ich dies als Glücksfall, denn mit dieser gewonnenen Expertise eröffnen sich mir viele Türen. Chancen, die ich nun auch anderen Frauen ermöglichen kann.
Denn die Kombination aus dem anhaltenden Mangel an weiblichen Talenten in der Techbranche und der eigenen Erfahrung aus meiner Rückkehr in die Arbeitswelt inspirierte mich dazu, etwas verändern zu wollen. Als Macherin, die gerne etwas Neues aufbaut, wollte ich nicht mehr länger zuschauen, sondern etwas bewegen. Ich stampfte „Bring Women Back to Work“ aus dem Boden, ein Programm, das gut ausgebildete Frauen nach einer beruflichen Pause wieder ins Berufsleben zurückholt. Aber nicht irgendwohin, sondern spezifisch in die Techbranche.
Natürlich konnte ich diese freiwillige Initiative nicht neben meinem Fulltime-Job allein stemmen. Also stellte ich ein Team von zehn Leuten zusammen, die ebenfalls zusätzlich zu ihrem Job ehrenamtlich bei diesem Projekt mithelfen wollten. Jedes Teammitglied ist Spezialistin oder Spezialist in einem Bereich, den ich für den Erfolg des Programms abgedeckt haben musste: Marketing, Content, Partnership Management, Coaching, Mentoring etc. Entsprechend kamen alle Teammitglieder aus unterschiedlichen Abteilungen innerhalb von Salesforce oder sogar aus externen Partnerunternehmen.
Dies war jedoch in keiner Weise ein Hindernis. Denn nicht der gemeinsame Arbeitgeber oder Erfahrungen in der Zusammenarbeit vereinte das frisch zusammengestellte Team. Vielmehr war es das gemeinsame Ziel, Frauen zurück ins Berufsleben zu helfen und gleichzeitig mehr Diversität in die Techbranche zu bringen. Ihre Motivation war also weder durch bestehende Arbeitsbeziehungen noch durch finanzielle Anreize geprägt. Im Gegenteil: Die Vision und der Purpose des Projekts waren ausschlaggebend, um sie als Teammitglieder eines freiwilligen Programms zu gewinnen. Umgekehrt war es für das ressourcenarme Projekt entscheidend, dass Expertise kostenlos ins Team geholt werden konnte und nicht neu aufgebaut werden musste.
Dass das Team von Tag eins bis heute Feuer und Flamme für das Projekt und das Commitment entsprechend noch immer sehr hoch ist, schreibe ich insbesondere einem Erfolgsfaktor zu: Bei der Mitarbeit am Projekt kann man etwas Gutes tun und sichtlich etwas verändern. Bei „Bring Women Back to Work“ konnten wir nämlich pro Ausbildungsdurchgang erreichen, dass 65 Prozent der Teilnehmerinnen im Anschluss einen Job gefunden haben. Solche Erfolge erinnern uns immer wieder daran, weshalb wir uns ehrenamtlich dafür einsetzen. Und damit komme ich auf die Wichtigkeit von Purpose zurück, denn dies stellt die Frage nach dem „Warum“ dar. Es ist das, was einen antreibt und bewegt. Was einen zufrieden macht und die Motivation aufrechterhält.
Sehen zu dürfen, wie das Projekt nun in einem nächsten Schritt in weiteren Ländern zum Leben erweckt wird, erfüllt mich mit Stolz und ist Teil meines Lebenswerks geworden. Das Projekt hat aber nicht nur bei den Frauen selbst Grosses bewirkt – es hat auch uns innerhalb von Salesforce vieles beigebracht, denn es hat eine neuartige Form von Arbeit und Teamführung als Erfolgsmodell hervorgebracht. Es zeigt, wie die Zukunft der Arbeit aussehen, Teams komplett digital geführt und das Commitment hoch gehalten werden können. Und dies gilt nicht nur für Non-Profit-Projekte, sondern kann auch problemlos in Unternehmensstrukturen „For Profit“ implementiert werden.
Vanessa Gentile, Salesforce, Kolumnistin bei Ladies Drive

Vanessa Gentile, Salesforce

Mein Rezept für erfolgreiche Teams in der Arbeitswelt von morgen ist:

• Teams nach Expertise zusammenstellen: Statt in der Nähe nach Experten zu suchen, die häufig nicht verfügbar sind, sollte man den Horizont für die Talentsuche erweitern. Festzulegen, wo die Mitarbeitenden herkommen und von wo aus sie arbeiten sollen, ist eine Voraussetzung, die Unternehmen beim Aufbau von Teams unnötig einschränkt. Die besten Leute bekommt man, wenn die Suche nicht auf eine Region oder auf die Angestellten innerhalb der Firma beschränkt ist. Denn Talente sind überall, und die richtige Teamzusammensetzung ist das A und O für den Erfolg eines Projekts – definitiv wichtiger als die Möglichkeit von physischen Meetings.
• Austausch unter den Teammitgliedern sicherstellen: Teams brauchen insbesondere bei Remote Work regelmässige Meetings, um sich auf­­einander abzustimmen und gegenseitig zu unterstützen. In diesen Meetings soll jede und jeder ein Update geben. Zu wissen, woran andere arbeiten und was sie zum Projekt beitragen, kann besonders bei ehrenamtlichen Projekten den Ehrgeiz befeuern und das Interesse daran fördern, selbst auch einen tollen Beitrag leisten zu wollen. Ebenfalls sollten die Meetings genutzt werden, um Herausforderungen mit den anderen zu teilen, die daraufhin wertvolle Inputs geben können. Diese gegenseitige Unterstützung stärkt das Wir-Gefühl und macht gemeinsame Erfolge noch schöner. Wenn und wo sinnvoll sollte der Teamlead zusätzlich One-to-One-Meetings anbieten und durchführen.
• Den Teams Vertrauen, Sinnhaftigkeit und eine Vision geben: In der heutigen Zeit sind die drei Aspekte Trust, Purpose und Vision sehr wichtig für die Arbeitsmotivation. Denn sie sind es, die die Mitarbeitenden antreiben. Leben Sie diese drei Werte vor, um Vertrauen zu schaffen, sicherzustellen, dass der Purpose präsent bleibt und die Vision nicht kurzfristigen Zielen zum Opfer fällt.
Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass erfolgreiche Projekte nicht davon abhängig sind, ob die Teams vollständig vor Ort arbeiten. Entscheidend ist, dass der Projektlead dem Team einen Purpose geben kann, der über physische Distanzen hinweg zusammenschweisst, Motivation entfacht und die besten Leute anzieht – egal woher sie kommen und wo sie arbeiten.
Aber wie finde ich meinen Purpose? Nur jede zweite Person in der Schweiz1 ist glücklich in ihrem Job. Und ich darf mich glücklich schätzen, eine davon zu sein. Einen erfüllenden Job zu haben darf meiner Meinung nach aber kein Privileg für knapp die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer sein, sondern sollte das Recht jedes Einzelnen sein. Einen Job zu bekommen, der einen erfüllt, kann jedoch nicht einfach als Forderung an den Arbeitgeber gestellt werden. Vielmehr ist es Aufgabe jedes Einzelnen von uns, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und herauszufinden, wofür man jeden Tag gerne aufsteht.
Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass erfolgreiche Projekte nicht davon abhängig sind, ob die Teams vollständig vor Ort arbeiten. Entscheidend ist, dass der Projektlead dem Team einen Purpose geben kann, der über physische Distanzen hinweg zusammenschweisst, Motivation entfacht und die besten Leute anzieht – egal woher sie kommen und wo sie arbeiten.
Aber wie finde ich meinen Purpose? Nur jede zweite Person in der Schweiz1 ist glücklich in ihrem Job. Und ich darf mich glücklich schätzen, eine davon zu sein. Einen erfüllenden Job zu haben darf meiner Meinung nach aber kein Privileg für knapp die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer sein, sondern sollte das Recht jedes Einzelnen sein. Einen Job zu bekommen, der einen erfüllt, kann jedoch nicht einfach als Forderung an den Arbeitgeber gestellt werden. Vielmehr ist es Aufgabe jedes Einzelnen von uns, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und herauszufinden, wofür man jeden Tag gerne aufsteht.

 

Das beginnt recht einfach. Und zwar, indem Sie darüber nachdenken, welche Dinge Sie lieben und in welchem Bereich Sie etwas verändern wollen. Der schwierige Teil folgt danach: Wie können Sie diese Antworten zu Ihrer Lebensaufgabe machen?

Folgende Schritte können Ihnen dabei helfen:

1. Fragen Sie sich, welche Aspekte Ihrer derzeitigen Tätigkeit Sie begeistern oder stolz machen. Dann: Suchen Sie sich mehr von dem, was Sie begeistert und stolz macht.

2. Denken Sie an Menschen, die Sie inspirieren, und warum das so ist. Übertragen Sie diese Aspekte auf Ihr eigenes Leben.

3. Gibt es Themen, die Sie unendlich neugierig machen und nie langweilig werden? Vertiefen Sie sich in diese Themen, und entwickeln Sie daraus Ihre Superkraft.

4. Überlegen Sie sich, was Ihnen besonders am Herzen liegt. Können Sie sich dafür im aktuellen Job einsetzen? Müssen Sie den Job wechseln? In einem Verein sich dafür engagieren? Oder sogar selbst ein Projekt in diesem Bereich starten, um wirklich etwas bewirken zu können?

5. Lernen Sie etwas Neues, oder bilden Sie sich weiter. Das muss nicht fachlich sein, sondern kann auch bedeuten, sich selbst besser kennenzulernen. Je besser Sie als Mensch sind, desto besser können Sie anderen helfen.

6. Verlassen Sie Ihre Komfortzone: Wagen Sie es, eine Herausforderung anzunehmen, die Sie sich nicht zugetraut haben, aber mit der Sie liebäugeln. Ist es eine Job-Position? Ein Vortrag? Ein eigenes Start-up? Oder ein Vorbild nach einem Gespräch fragen?

7. Überprüfen Sie Ihre Prioritäten, denn diese verändern sich im Laufe des Lebens. Stimmen diese Prioritäten und Ihr Leben noch miteinander überein?

8. Halten Sie Ausschau nach Situationen und Zuständen, mit denen Sie nicht einverstanden sind. Bei mir war es die Situation, in der sich Frauen nach einer beruflichen Pause befinden: Sie haben Mühe zurückzufinden trotz sehr guter Ausbildung. Zudem musste ich feststellen, dass es nach wie vor viel zu wenig Frauen in Techberufen gibt und niemand ein Rezept gefunden hatte, dies zu ändern. Statt darauf zu warten, dass jemand anderem eine geniale Idee einfällt, habe ich selbst die Initiative ergriffen. Genau: Ich war verrückt genug zu glauben, ich könnte was verändern – und siehe da!

9. Worin sind Sie einzigartig gut? Das sind nämlich die Aufgaben oder Projekte, die Sie nicht anderen überlassen oder für die Sie nicht auf andere warten sollten. Setzen Sie besser gleich Ihre Stärke dafür ein. Bei mir waren dies die Empathie für Frauen mit Karrierewunsch nach einer Mutterschaftspause sowie die Fähigkeit, Projekte von null auf erfolgreich aufzubauen. Das sind meine Superkräfte.

Nutzen Sie die gewonnenen Erkenntnisse, um Aktionen folgen zu lassen. Denn wenn Sie dies tun, haben Sie genau das gefunden, was Ihnen besonders wichtig ist.
Denn ich denke, Sie gehen mit mir einig: Eine Welt, in der jede und jeder eine Lebensaufgabe als Job hat, schafft eine bessere Welt für alle. Und nicht zuletzt auch eine, in der es normal statt ein Privileg ist, dass jeder gerne zur Arbeit geht.
Ich habe meinen Lebenszweck gefunden und darf an einem Projekt arbeiten, das für mich unbezahlbar ist, mich mit Stolz und Dankbarkeit erfüllt. Und ich hoffe, dass alle, die das noch nicht gefunden haben, ihre eigene Bestimmung finden werden. Auch Sie.
1 Quelle: PwC-Studie 2022 ▉
Vanessa Gentile ist Head of Marketing bei Salesforce Switzerland und Initiatorin des Programms „Bring Women Back to Work“, bei welchem Ladies Drive eine der Partnerinnen 
ist.

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