Brüste gehören für viele ganz selbstverständlich zum Frausein. Sie werden inszeniert, sexualisiert, bewertet und sind gleichzeitig etwas sehr Persönliches. Was aber passiert mit diesem Bild, wenn eine Brust aufgrund einer Krebserkrankung entfernt werden muss?
Genau dort setzt das Fotoprojekt «Trotzdem Frau» an. Initiiert wurde es von Menga Rieben, die selbst von Brustkrebs betroffen ist und der Fotografin Pascale Florio. Gemeinsam mit der Krebsliga Solothurn möchten sie sichtbar machen, worüber nach einer Brustkrebserkrankung kaum offen gesprochen wird: Wie verändert sich der Blick auf den eigenen Körper? Wie fühlt es sich an, sich nach einer Mastektomie wieder im Spiegel zu betrachten? Hat Frausein tatsächlich nur mit unseren Brüsten zu tun?
Für Menga Rieben ist die Antwort klar: «Wir Frauen sind schön auch ohne sichtbaren Busen und Trotzdem Frau.»

Körper, die Geschichten erzählen
Im Zentrum von «Trotzdem Frau» stehen Frauen und ihre ganz persönlichen Erfahrungen nach einer Brustkrebserkrankung. Die Fotografien zeigen sie nicht als Patientinnen und reduzieren sie auch nicht auf ihre Diagnose. Vielmehr geht es darum, den veränderten Körper mit seinen Narben als Teil der eigenen Geschichte sichtbar zu machen.
Das ist relevant, denn Brustkrebs endet nicht nach einer Operation oder einer abgeschlossenen Therapie. Eine Mastektomie hinterlässt sichtbare Spuren und verändert die Beziehung zum eigenen Körper. Manche Frauen entscheiden sich für eine Rekonstruktion, andere bewusst dagegen. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch und schon gar nicht den einen Umgang mit dem Verlust einer Brust.
«Trotzdem Frau» möchte genau dieser Vielfalt Raum geben.
Dabei steckt bereits im Titel eine interessante Spannung. Denn weshalb braucht es überhaupt ein «Trotzdem»? Warum ist Frausein noch immer so eng mit bestimmten körperlichen Merkmalen verbunden? Wer entscheidet, wie ein weiblicher Körper auszusehen hat?
Das Projekt will keine allgemeingültigen Antworten geben, sondern zum Nachdenken anregen und Frauen darin bestärken, ihren eigenen Weg zu finden und selbst zu entscheiden, ob ein Brustaufbau für sie der richtige Weg ist oder nicht. Es soll den Frauen Mut machen. Das Fotoprojekt lässt jene Frauen zu Wort kommen, die sich mit dieser Frage auseinander setzen mussten und sie nicht theoretisch kennen, sondern selbst erlebt haben.
Mehr als eine Ausstellung
Zu sehen ist «Trotzdem Frau» im Oktober 2026 in der RothusHalle in Solothurn. Ergänzt wird die Fotoausstellung durch vier Begleitveranstaltungen, die unterschiedliche Perspektiven auf Brustkrebs und das Leben danach aufzeigen. Damit soll die Ausstellung nicht nur Sichtbarkeit schaffen, sondern auch enttabuisieren und Gespräche ermöglichen: Über Krankheit und Körperbilder, über Selbstbestimmung und darüber, wie unterschiedlich das Frausein gelebt werden kann.
Die Vernissage findet am 16. Oktober 2026 um 18 Uhr statt. Anschliessend ist die Ausstellung vom 17. bis 28. Oktober 2026 täglich von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
«Trotzdem Frau» ist eine Einladung, darüber nachzudenken, wie selbstverständlich wir bestimmte Vorstellungen vom Frausein übernommen haben und was übrigbleibt, wenn wir beginnen, sie infrage zu stellen.
Mehr Informationen zum Projekt und zu den Begleitveranstaltungen gibt es bei der Krebsliga Solothurn.


















