Julia Panknin: Man muss sich einfach richtig organisieren? Falsch!

Ladies Drive No. 71. Julia Panknin: Man muss sich einfach richtig organisieren? Falsch!

Vorgestellt in der Magazinausgabe:

Interview: Dörte Welti
Foto: Esther Michel

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Im Sommer 2023 machte Kaderfrau und Journalistin Julia Panknin (39) ihr Mom-Burn-out öffentlich. Was das ist, warum sie diesen Schritt gegangen ist und was das ausgelöst hat, hat sie uns bei einem Treffen im Thalvie* erzählt.

Ladies Drive: Julia, was ist ein Mom-Burn-out?

Julia Panknin: Eine Erschöpfungsdepression, die unter anderem dazu führen kann, dass man keine Gefühle mehr für seine Kinder empfindet.

Das ist dir passiert?

Ja. Die Geburt meiner Tochter vor bald sechs Jahren veränderte alles. Ich schlief zweieinhalb Jahre kaum, trug die Mental Load quasi allein, und in der Beziehung zum Vater kriselte es heftig. Ich strampelte wie verrückt, um finanziell unabhängig zu bleiben und gleichzeitig meiner Rolle als Mutter gerecht zu werden. Das System hier in der Schweiz – und übrigens auch in Deutschland, wo ich geboren bin – ist alles andere als unterstützend, der gesellschaftliche Druck hoch. Mehrfach schickte mein Körper mir Signale, die ich geflissentlich ignorierte, bis es nicht mehr ging.

Was hat dich aus der Abwärtsspirale geholt?

Den Druck rauszunehmen, Hilfe anzunehmen und viel über das Thema zu lesen. Ich wollte verstehen, warum mir das passiert ist. Der definitive Knackpunkt aber war zu erkennen, dass ich nicht die Einzige war und bin. Ich habe im August 2023 einen Post auf LinkedIn gemacht, und die Rückmeldungen waren schier überwältigend. Ich wusste, ich habe etwas angestossen, über das sich niemand so offen zu sprechen traute.

Und dann? Was macht man mit so einer Erkenntnis?

Handeln. Ich habe die Plattform mamibrennt.com aufgebaut. Einen Safe Space, wo sich Mütter vernetzen können – online wie offline. Wir veranstalten Live-Events wie „mami tanzt“, aber auch diverse Webinare.

Gibt es Erkenntnisse, die du teilen kannst? Muster, die toxisch sein können?

Was ich sehr oft in Gesprächen höre, ist der Satz: „Man muss sich einfach richtig organisieren.“ Eine verbreitete Denke, die aber das Ausblenden struktureller Probleme beinhaltet – und die falsche Annahme, wir müssten alles schaffen, weil so viele Mütter auf der ganzen Welt „es“ offenbar können. Das stimmt aber nicht. Quasi jede berufstätige Mutter kleiner Kinder läuft am Limit – aber nur wenige sprechen darüber. Der Fehler liegt im System. Der Arbeitsmarkt hat sich zwar vor einiger Zeit für Frauen geöffnet, die Aufgaben, die wir früher übernommen haben, wurden jedoch nicht neu verteilt. Mit dem Ergebnis, dass wir plötzlich zwei Fulltime-Jobs wuppen sollen – und dabei ständig das Gefühl haben, nicht zu genügen, und uns dafür schämen. Das zermürbt und macht krank.

Was muss sich ändern?

Die massive Belastung von Müttern muss ernst genommen und die Gleichstellung durch neue Strukturen gefördert werden. Zum Beispiel mit einer richtigen Elternzeit für beide, bezahlbarer Kinderbetreuung und Arbeitsmodellen, die die Lebensrealität von Eltern mitdenken. Dazu müssen wir die veralteten Rollenbilder loslassen, die in unseren Köpfen vorherrschen. Auf unserer Plattform bieten wir Zugang zu Expertinnen und Experten, die Müttern helfen, ihre Situation besser zu verstehen – und für sich und ihre Bedürfnisse einzustehen. Spürbare Veränderungen wird es nicht über Nacht geben, aber offen darüber zu reden und zu schreiben, erhöht die Sichtbarkeit der Problematik – und hilft hoffentlich, das überhöhte Mutterbild Schritt für Schritt auszumerzen.

mamibrennt.com

thalvie.cafe


Creator
Dörte Welti
Journalistin

Quelle: Dörte Welti: „Julia Panknin: Man muss sich einfach richtig organisieren? Falsch!“, Ladies Drive Magazin, , S. 40.

Veröffentlicht online am 25 Sep., 2025

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