Haben Erfolgreiche Frauen Es Bei der Partnerwahl Schwerer?

Text: Isabel Steinhoff
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Ladies Drive Bargespräche – Vol.80

LD – Mag

Diejenigen, die an Liebe auf den ersten Blick glauben, müssten diese Frage folgerichtig verneinen, denn: Erfolg lässt sich auf den ersten Blick nicht sehen, sondern im besten Fall nur erahnen.

Erfolgreiche-Frauen-Partnerwahl_02 Wer jedoch davon ausgeht, dass bestimmte Parameter des Lebens übereinstimmen müssen, um eine harmonische Beziehung zu führen, dem fällt häufig neben der Bildung auch der (berufliche) Erfolg als entscheidendes bzw. bezeichnendes Kriterium ein.

Da gerade der Erfolg von Frauen in der Vergangenheit immer stärker ans Licht tritt, beschäftigt sich dieser Beitrag heute mit der Frage: Haben es Frauen, die beruflich erfolgreich sind, schwieriger bei der Wahl des Partners?

 

Mathematische Überlegungen zu Liebe und Erfolg

Nachdem die Weisheit „Glück im Spiel, Pech in der Liebe“ auf die eingangs gestellte Frage nicht wirklich passen würde, könnte man sie leicht abändern, ohne den Wahrheitsgehalt zu verfälschen, denn „Glück im Beruf, Pech in der Liebe“ sei genauso haltbar. Dabei sind sich die Wissenschaftler meist einig – und das nicht erst seit gestern. Doch am Beweis für die Behauptung mangelt es. Woran aber kann es liegen, dass in der Schweiz mehr Akademikerinnen alleinstehend und kinderlos bleiben im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen? Weil Einkommen und Status nach wie vor männliche „Mitbringsel“ ins Familienleben sind, die Frau hingegen gut aussehen solle. Und das zeige sich auch im Suchverhalten der Menschen.
„Frauen kontaktieren mit Vorliebe Männer mit höherem oder gleichem Bildungsniveau, Männer hingegen orientieren sich nach unten. Salopp gesagt: Der Arzt sucht die Krankenschwester, die Sekretärin den Abteilungsleiter“, heisst es in diesem Beitrag zum Suchverhalten auf Dating-Plattformen. Wirft man indes einen Blick auf die erfolgreichen oder attraktiven Frauen, so zeigt sich: Wer wählen kann, wird auch wählerisch, und die Männerwelt verlässt häufig schon im Vorfeld der Mut – so minimiert sich letztlich die Auswahl. Erfolgreicher in punkto Partnerwahl sind indes die Frauen, deren Wahlmöglichkeiten beschränkter sind, denn sie sind sich dessen bewusst, mehr Aktion zeigen zu müssen und tun dies auch, um sich im Wettbewerb gegen andere durchzusetzen. In der Wissenschaft wird dieses Verhalten als Game-Theorie bezeichnet.

 

Einsame Powerfrauen sind keine Seltenheit mehr

Mit der Geschichte von Stella Maartens bekommt das Bild der einsamen Powerfrau ein Gesicht. Beruflich erfolgreich, engagiert, couragiert und ehrgeizig – privat glücklich, aber allein. So wird sie beschrieben. Allein sei sie nicht schon immer gewesen, doch Beziehungen scheiterten an diesen oder jenen Gründen – oder gerade weil ihr Leben eben so ist, wie es ist. Entscheidend ist nicht, wie die Dame heisst, die überall leben und jeden Namen tragen könnte. Entscheidend ist, welche Faktoren sich daraus ableiten und entsprechend verallgemeinern lassen:

 

  1. Die berufliche Erfolgsstrategie kann nur selten 1:1 im Privatbereich umgesetzt werden. Und so wird aus einem kostenbewussten Auftreten im Betrieb der Geiz im Privaten. Aus geschäftlicher Durchsetzungskraft wird Egoismus. Problematisch ist, dass der Umschaltmechanismus von Geschäfts- auf Privatmodus zunehmend verloren geht – je länger das Pendant zur dominanten Geschäftswelt fehlt.
  2. Während in der Geschäftswelt ein Wettbewerb dominiert, darf genau dies im Privatleben nicht passieren, denn Wettbewerb in der Partnerschaft ist meist destruktiv, denn die nötige Unterstützung in einer Partnerschaft wird zugunsten des Wettbewerbs ad acta gelegt und raubt einer guten Partnerschaft damit auch die Substanz und Grundlage.
  3. Wer beruflich Erfolg haben möchte, muss Zeit investieren. Zeit, die im Privatleben fehlt. Da Frauen in Führungspositionen häufig noch kritischer beäugt werden, als ihre männlichen Kollegen, steigt der Druck zusehends, denn nur an Wochenenden und spät in der Nacht ist es möglich, einen Vorsprung herauszuarbeiten. Das geht letztlich auf Kosten gemeinsamer Aktivitäten und gemeinsamer Gespräche. Reicht die Zeit trotzdem nicht aus, wird der Umgangston häufig hart und unfair. Missverständnisse sind so vorprogrammiert.
  4. Althergebrachte Strukturen geraten zunehmend ins Wanken, denn mit dem Heraustreten der Frau aus ihrer historisch zugedachten Rolle der Mutter und Hausfrau, verlieren auch Strukturen ihre Festigkeit. Das führt nicht zuletzt auch zu einem Umdenken der Frau an sich, die in der Fachliteratur häufig als „Vermännlichung“ bezeichnet wird.
  5. Die Suche der Frau nach einem Partner, dessen Erfolgsstreben noch ausgeprägter ist, ist an dieser Stelle fatal, denn es gibt schlicht nicht genügend Männer für diese „neuen“ Frauen.

 

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Andere Menschen – andere Wege zum Glück

Singles in der Schweiz werden laut einer Studie, die im Auftrag von parship.ch durchgeführt wurde, je nach Geschlechtszugehörigkeit unterschiedlich betrachtet. Während lediglich ein Viertel aller Männer davon ausgeht, dass die Schweizer Gesellschaft eher männliche als weibliche Singles als normal ansieht, sind 43% aller Frauen pessimistischer. Sie glauben, dass die Gesellschaft Single-Frauen quasi als „alte Jungfern“ betrachtet.
Partnerbörsen versuchen indes, die Zahl der Singles insgesamt zu verringern. Hintergrund für den Erfolg sind hier ein ausgeklügelter Algorithmus sowie das Aufeinandertreffen passender Charaktere. Der Algorithmus besteht im Wesentlichen aus Fragen, die den einzelnen Teilnehmern gestellt werden. Ihre Antworten werden mit den Angaben der anderen Mitglieder korreliert und in der Folge wird abgeglichen zwischen welchen Singles eine harmonische Beziehung möglich wäre. So können etwaige Probleme mit den Karrierewünschen beider bereits im Vorfeld ausgehebelt werden. Daher haben es erfolgreiche Frauen nicht per se schwerer, einen Partner fürs Leben zu finden, sondern müssen nur von altbekannten Suchmustern abrücken, ebenso wie sie selbst ihr altes Rollenbild hinter sich gelassen haben. Förderlich für möglichst treffsichere Resultate ist hier sicherlich eine natürliche Balance der Geschlechterverteilung (etwas mehr Frauen als Männer) und ein ähnlicher Bildungshintergrund erleichtert es den einzelnen Teilnehmern ebenso, neue Kontakte zu knüpfen.

 

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Veröffentlicht online am 26 Apr., 2016

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