Emotionale Kompetenz

Text: Marcus A. Schildknecht

Female Innovation Forum 2026

Ladies Drive Bargespräche – Vol.80

LD – Mag

DER ENERGIELIEFERANT FÜR IHREN ALLTAG

Seit vielen Jahren wird über Emotionale Kompetenz (EQ) am Arbeitsplatz geredet. Machen Sie’s besser und nutzen Sie die enormen Kräfte der Emotionen, so unser Gastautor Marcus A. Schildknecht*
Dass der Mensch ein emotionales und kein rationales Wesen ist, ist bekannt. Dennoch hören Sie diesen Satz immer wieder: „Verhalten wir uns doch wie Erwachsene und bleiben auf der rationalen Ebene!“

 

Ich fühle also bin ich…
René Descartes propagierte im 17. Jahrhundert die Idee, dass die menschliche Existenz durch seine Fähigkeit zu denken definiert sei und trennte Geist und Körper. 300 Jahre später erforschte António Damásio die Neurobiologie der Emotionen und erkannte den untrennbaren Zusammenhang zwischen Emotion (komplexer, psy-chisch-seelischer Prozess), Gefühl (das persönliche Erleben davon) und Vernunft (Fähigkeit, zu denken). Seien Sie sich im Klaren darüber, dass Sie fühlen, bevor Sie denken. Dann erkennen Sie den Einfluss, den Ihre Gefühle auf Ihr Denken und da-nach auf Ihr Handeln haben.

 

Stress als Ressourcen-Killer
Als Arbeitgeber und Arbeitnehmer befinden Sie sich privat und geschäftlich vielfach in druckvollen Situationen. Die Arbeitstage werden länger, das Wochenende ist zeit-licher Puffer für das Liegengebliebene; schliesslich auch die Ferien. Die finanziellen Folgen von psycho-sozialem Stress am Arbeitsplatz werden schweizweit auf jährlich 20 Milliarden Franken geschätzt. Viel Geld, das definitiv besser genutzt werden kann.

 

Der Ressourcen-Würfel
Das Würfelmodell nach Dr. med. et theol. Yvonne Maurer, www.ikp-therapien.com fokussiert auf das Auffinden und Aktivieren von Ressourcen, die nicht bewusst ver-fügbar sind. Es betrachtet sechs Seinsdimensionen des menschlichen Lebens: Körper, Soziales, Psychisch-Geistiges, Zeit, Raum und Spirituelles und schafft als lösungsorientiertes Werkzeug den Brückenschlag von einer zweidimensional, kausal und dualistisch denkenden sowie handelnden Geschäftswelt hin zu einer integrativen, Ziel führenden und nachhaltigen Entwicklung des Unternehmens und seiner Mitarbeitenden.

 

So wenden Sie es an
Die folgenden Gedanken sollen Ausgangspunkt für Ihre individuellen Fragestellungen sein. Überprüfen Sie jeweils Ihre Gefühle dazu, um festzustellen, wie sehr Sie ein Thema berührt.
Welche Ressourcen nutzen Sie im Alltag? Welche Gefühle löst dies bei Ihnen aus? Wo sehen Sie ein Potenzial, ungenützte Kraftquellen in Ihr Leben und dasjenige der Firma (wieder) vermehrt zu integrieren? Was brauchen Sie, um dies jetzt und konkret umzusetzen?
Die körperliche Dimension befasst sich u.a. mit betrieblicher Gesundheitsförderung, Ihrer Interpretationsfähigkeit von physischen Symptomen, Ihrem Energiehaushalt.
Wie Sie mit Matrix- und Projektteams umgehen, welchen Nährboden Mobbing in Ihrem Umfeld hat, welche Meeting- und Feedbackkultur Sie propagieren: damit be-fasst sich die soziale Dimension.
Welche Ausbildungsangebote nutzen bzw. bieten Sie an? Wie entwickeln Sie sich und wie Ihr Unternehmen mit zunehmendem Alter? Ist Ihre Fehlerkultur auf Probleme oder Lösungen, auf Strafe oder Belohnung ausgerichtet? Die Antworten finden Sie in der psychisch-geistigen Dimension.
In der Dimension der Zeit befassen Sie sich mit Schnelligkeit und Entschleunigung, mit Arbeits(Un)zeiten, Chronos (Zeitverlauf) und Chairos (der „richtige“ Moment) und Sie fragen sich, wie viel Zeit Ihnen für das Führen nach unten und oben bleibt.
Wie teilen Sie den Platz in Ihrem Einflussbereich ein? Was verbinden und was trennen Sie? Sind Sie Arbeitsnomade? Haben Sie ein Einzelbüro oder arbeiten Sie im Grossraum? Wie oft haben Sie in den letzten drei Jahren Ihren Arbeitsplatz gezü-gelt? Jetzt sind Sie in der Dimension des Raums.
Wenn Sie wissen, woran Ihre Firma glaubt, und Ihre Mitarbeitenden (Gallup-Studie 2012: 72% passiv engagierten Angestellte, also Mitläufer, 17% aktiv Unengagierte, also Verhinderer, 11% die sich emotional mit der Firma, für die sie arbeiten, ver-bunden fühlen…) und für welche Werte Sie einstehen, dann haben Sie sich mit der spirituellen Dimension Ihres Arbeitslebens befasst.

 

Fazit:
Setzen Sie sich mit sich und Ihrem Unternehmen in Bezug auf genutzte und noch nicht erschlossene Ressourcen und den damit verbundenen Gefühlen als Messgrö-sse für Wichtigkeit und Dringlichkeit der Themen auseinander und erleben Sie eine erweiterte Selbstwahrnehmung, ein geschärftes Bewusstsein, stärkere Verantwortung für Ihr Tun und Lassen und ein höheres Selbstbewusstsein, auch der Organisation. Das sind essenzielle Voraussetzungen für den nachhaltigen Erfolg.

 

 

*Marcus A. Schildknecht ist Inhaber von SCHILDKNECHT COACHING und Preferred Partner von hr4hr.ch. Er befasst sich als Coach, Trainer und Supervisor mit der Förderung emotionaler Kompetenz am Arbeitsplatz. Informationen unter www.schildknecht-coaching.ch.

Weiterführende Informationen im Internet finden Sie beispielsweise hier:
https://www.ikp-therapien.com

Illustration: https://triaspower.com

 

Veröffentlicht online am 10 Juli, 2013

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