
Ladies Drive: Cornelia, was macht die Magie der Holdenweid aus?
Cornelia Huber: Es ist wie ein Eintauchen in einen anderen Kosmos. Menschen sagen oft: „Ich weiss nicht genau, was es ist, aber es macht etwas mit mir.“ Es ist nicht erklärbar, sondern erfahrbar. Die Natur, der Garten, die Räume und die Menschen – all das wirkt.


Was genau ist die Holdenweid?
Alle reden vom Wandel. Doch damit sich wirklich etwas ändert, müssen wir bei uns selbst beginnen. Es braucht ein neues Bewusstsein dafür, was unser Denken in der Welt auslöst und welche Folgen daraus für das Ganze entstehen. Für uns geht es nicht nur um Kreislaufwirtschaft, es geht weit darüber hinaus: Wir denken alles in Kreisläufen, nicht nur die Wirtschaft! Die Holdenweid ist ein Reallabor. Wir bieten kulturelle Veranstaltungen, Workshops, Auszeiten, Begleitung oder ein Wochenende in einem unserer fünfzehn Erlebniszimmer. Manche mieten die Holdenweid auch für Feste oder eigene Retreats. Unsere Einladung ist klar: nicht nur über Transformation reden, sondern sie leben.

Was sollen die Menschen erleben, wenn sie zu euch kommen?
Ich wünsche mir, dass sie in Beziehung treten – am besten mit sich selbst und dadurch mit der Welt. Raus aus dem automatisierten Alltag, rein ins echte Erleben. Was denke ich? Was fühle ich? Stimmt das noch für mich? Die Holdenweid lädt ein, Routinen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu finden.
Früher war hier eine Alterspsychiatrie untergebracht. Heute fühlt sich die Welt draussen oft „verrückt“ an – und bei euch gesund.
(lacht) Ja, dem stimme ich zu. Aber es ist kein reiner Rückzugsort. Die Holdenweid kann auch fordern. Sie löst Resonanz aus, auch Widerstand. Wir arbeiten mit inneren Bildern, mit Selbst- und Fremdwahrnehmung. Es geht um Auseinandersetzung, nicht um Ablenkung. Es ist kein Wellnesshotel, sondern ein Ort, an dem sich Menschen neu ausrichten können.

Viele spüren, dass die Welt im Umbruch ist. Was braucht es für zukunftsfähige Lösungen?
Ein neues Mass im ursprünglichen Sinn. Wir haben in vielem das Gleichgewicht verloren – in der Geschwindigkeit, im Konsum, im Umgang mit Ressourcen. Alles ist jederzeit verfügbar, aber oft ohne Sinn. Albert Einstein sagte: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Das nehme ich ernst. Ein anderes Selbst- und Weltverständnis ist nötig. Massvoll leben wirkt für viele wie Verzicht, aber in Wahrheit ist es zutiefst sinnlich. Echte Nähe, Schönheit, Ekstase – das erleben wir im lebendigen Kontakt, nicht im Konsum.
Wie führt man ein Team in herausfordernden Zeiten?
Indem man Selbstverantwortung stärkt. Jeder Mensch ist Teil eines Ganzen. Und das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Ich muss verstehen, was mein Beitrag ist – für mich selbst, meine Aufgabe, meine Gesundheit. Viele geben Verantwortung ab: an Systeme, Technik, Routinen. Doch echte Führung ermutigt Menschen, ihre innere Haltung zu entwickeln und Verantwortung in sich zu verankern.

Und wie gelingt ein gutes Miteinander im Alltag?
Durch Konfliktfähigkeit. Wenn wir Spannungen früh erkennen und klären, entsteht viel mehr Miteinander. Es geht nicht darum, wer recht hat. Es geht um Wahrnehmung, um Kommunikation, um Werkzeuge – bevor es knallt. Niemand ist in jeder Situation souverän. Aber wenn wir lernen, uns zu begegnen – auch in Differenz –, entsteht ein Miteinander, das trägt.
Cornelia Huber
Cornelia Huber (49) ist Erwachsenenbildnerin, Therapeutin, Künstlerin und Forscherin. Sie verbindet Selbsterfahrung, Körperarbeit und Bewusstsein in ihrer Arbeit. Das Impulszentrum Holdenweid hat sie auf Basis einer langjährigen Vision gegründet. Als treibende Kraft verfolgt sie unbeirrbar dort seit 2015 ihre Idee einer ganzheitlichen Verbindung von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Natur.



































