Die Risikowahrnehmung Aus Psychologischer Sicht

Text & Fotos: Sandra Gisin Schweri

LD – Mag

Ladies Drive No 75
Herbst 2026
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Behavioral Finance – oder wie Sie Ihren psychologischen Irrtümern unterliegen können

Haben Ihre Investments in der jüngsten Zeit empfindlich an Wert verloren? Dann stellen Sie sich sicherlich die Frage nach dem Warum. Einer der Hauptverdächtigen ist sicherlich die seit längerem grassierende Finanz- und Wirtschaftskrise mit ihrer hohen Staatsverschuldung und den Herabstufungen von Schuldnerqualitäten ehemals solider Nationen. Interessanterweise spielt aber auch die Psychologie eine entscheidende Rolle für die Marktentwicklung. Wir Menschen sind ein von Emotionen stark beeinflusstes Wesen. Und gerade diesen psychologischen Einfluss untersucht ein relativ junger Bereich der Wissenschaft, die Behavioral Finance. Sie zeigt auf, dass AnlegerInnen nicht rational handeln, sondern grundlegenden psychologischen Irrtümern unterliegen. Betrachten wir einige dieser Phänomene etwas genauer.   Ein erster Effekt ist das sogenannte „Framing“ Je nachdem, wie das Risiko einer Anlagealternative dargestellt wird, schätzen wir das Risiko unterschiedlich ein. Wurden Testpersonen beispielsweise nur verbal über Anlagemöglichkeiten informiert, neigten sie dazu, das Risiko deutlich zu unterschätzen. Wurde hingegen dasselbe Risiko in Form einer Verteilung der Renditen dargestellt, so wurde es höher eingeschätzt, als es tatsächlich war. Denn diese Darstellungsart ist den meisten InvestorInnen fremd und sie wissen nicht genau, wie sie damit umgehen sollen. Daher neigen sie eher zu Vorsicht.    Ein zweiter, sehr häufig beobachteter Effekt ist der „Overconfidence Bias“ Er bezeichnet das übermaÅNssige Vertrauen von InvestorInnen in ihr eigenes Wissen, in ihre eigenen Fähigkeiten sowie in die Verlässlichkeit und Genauigkeit ihrer Informationen. Dieses übermaÅNssige Vertrauen wird zusätzlich noch genährt von vergangenen Anlageerfolgen. Nach einer GlücksstraÅNhne mit überdurchschnittlichen Renditen glauben wir sehr gerne, dass die Kursentwicklung weiterhin nur in die gleiche Richtung verlaufen könne.   Ein dritter wichtiger Effekt ist die „Verlustaversion“ So werden Verluste stärker bewertet als Gewinne gleicher Höhe. Untersuchungen zeigen, dass es für AnlegerInnen eine ausserordentlich schmerzvolle Erfahrung ist, Wertpapiere mit Verlust zu verkaufen. Denn den Verlust zu realisieren, würde bedeuten, eine eigene Fehleinschätzung und Fehlentscheidung zu akzeptieren und dies vermeidet man so lange wie nur möglich. In der Konsequenz werden Aktienverkäufe, die einen Verlust bedeuten würden, immer wieder aufgeschoben. Man hält sie in der Hoffnung auf bessere Zeiten. Gleichzeitig neigen AnlegerInnen immer wieder dazu, Aktien mit kleinem Gewinn zu verkaufen. Was bedeutet dies in der Konsequenz? Wird an Verlustpositionen festgehalten und werden kleine Gewinne realisiert, befinden sich letztendlich nur noch Verliereraktien im Depot.   Ein Betrachten der Risiken aus verschiedenen Blickwinkeln, sprich Darstellungsformen, das Wissen um den „Overconfidence Bias“ und die „Verlustaversion“ helfen, einen kühlen Kopf zu bewahren und solch mittlerweile gut erforschte Verhaltensfehler zu vermeiden. «   * Sandra Gisin Schweri ist CEO des Beratungsunternehmens trans_m ag. Sie promovierte an der Universität Zürich im Bereich Risikosoziologie und verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung in Unternehmen wie Swiss Re, L’Oréal, Hayek Engineering, dem Gottlieb Duttweiler Institute oder der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.  

Veröffentlicht online am 7 Apr., 2012

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