Tara Zehnder ist Manager in Training im Four Seasons Hotel in Hongkong. Sie besuchte die Stiftsschule Einsiedeln, bevor sie den Bachelor an der EHL Hospitality Business School in Lausanne abschloss. Als Präsidentin des Student Council setzte sie sich nicht nur für die Anliegen der Studierenden ein, sondern belebte auch das legendäre Fête Universelle wieder und unterstützte tatkräftig die Initiative Women in Leadership. Parallel zum Studium sammelte sie Erfahrungen im Catering bei Franzoli GmbH, in der Eventplanung bei On AG sowie als Key-Account-Intern bei Nestlé im Vertrieb.

Ladies Drive: Kannst du dich noch an deinen ersten Besuch in einem Hotel erinnern?
Tara Zehnder: Ob es wirklich mein erster war, weiss ich nicht – aber sehr in Erinnerung geblieben ist mir das Anantara Resort in Phuket, Thailand. Nach hektischen Sommerwochen voller Nebenjobs und Schulstunden in Hongkong verbrachten wir unsere Ferien oft in Asien. So durfte ich schon früh asiatische Gastfreundschaft auf höchstem Niveau erleben.
Du hast im Gymnasium den Schwerpunkt Sprachen gewählt – Englisch, Latein und Französisch. Was hat dich daran gereizt, und hilft dir das heute noch?
Ehrlich gesagt wollte ich mit dem Schwerpunktfach Englisch vor allem meine nicht so guten Lateinnoten für meine etwas holprigen Cicero-Übersetzungen ausgleichen … (lacht). Rückblickend bin ich aber sehr dankbar dafür. Heute erlebe ich täglich, wie sehr Zusammenarbeit von Sprachbarrieren – oder eben -brücken – abhängt. Durch mein Kantonesisch und etwas Mandarin sehe ich täglich, wie fern sich Menschen bleiben, wenn der Austausch aufgrund von Sprachbarrieren fehlt.
Als Abschlussprojekt habt ihr eine Expansionsstrategie für die afrikanische Groupe Azalaï Hôtels entwickelt. Was war besonders daran?
Das Projekt lag mir am Herzen, weil wir erstmals selbst ein Mandat akquirieren mussten. Azalaï ist die erste westafrikanische Hotelmarke, die die lokale Kultur ins Zentrum stellt. Wir hatten die Möglichkeit, nach Abidjan in der Elfenbeinküste zu reisen – eine Erfahrung, die meine Perspektive auf die Welt nachhaltig verändert hat. Besonders freut mich, dass seither jedes Semester weitere Teams mit Azalaï arbeiten möchten. Für mich ist das Leadership – und ein Stück Legacy.
In deinem Lebenslauf steht, dass Eiskunstlaufen ein grosses Hobby war. Willst du mehr dazu sagen?
In der Luxusbranche sagt man: „Excellence is never a coincidence.“ Mich ziehen Umfelder an, in denen man ständig nach Verbesserung strebt. Das Eiskunstlaufen hat mir gezeigt, wie viel Übung, Fleiss, Detailarbeit und auch Tränen hinter einer scheinbar mühelosen Performance stecken – und dass man nach jedem Sturz wieder aufstehen muss. Das prägt mich bis heute.
Du bist in Zürich aufgewachsen, hast aber eine Hongkonger Mutter und dort jeden Sommer verbracht. Welche Erfahrungen helfen dir heute?
Ich habe mich immer sehr auf die Sommerferien in Hongkong gefreut, weil wir dort einen relativ lokalen Alltag führten. Viele Freundschaften aus Sommercamps und -jobs bestehen bis heute. Die Stadt ist für mich eine zweite Heimat geworden, die mir viel Anpassungsfähigkeit beigebracht hat. Heute bin ich sehr dankbar, mit dieser engen Bindung zu Hongkong aufgewachsen zu sein – und ich hoffe, mit meinem Umzug hierhin später meiner eigenen Familie etwas Ähnliches geben zu können. Zudem profitiere ich hier sehr vom dichten Alumni-Netzwerk und vom aktiven Swiss Chamber of Commerce, das mir viele neue Perspektiven eröffnet.
„Survival of the Flexible“ ist unser Hauptthema – wie sieht dein Arbeitsalltag als Manager in Training (MIT) aus?
Ich habe die ersten sechs Monate im „Heart of House“-Teil des Programms absolviert und bin aktuell – nach einer Zeit im Housekeeping – an der Rezeption. Das Besondere am MIT-Programm ist, dass es eigentlich keinen normalen Alltag gibt: Man wechselt alle paar Tage oder Wochen den Job, um später in einer Managementfunktion von diesem Rundumblick zu profitieren und stets beweglich zu bleiben. Gleichzeitig nehmen wir an Meetings teil und arbeiten an Projekten – von Prozessoptimierungen bis hin zu neuen Konzepten oder Mitarbeiterentwicklung.
Was interessiert dich persönlich?
Direkt nach dem Studium wusste ich nicht genau, in welche Richtung ich gehen wollte. Meine Generation hat den Vorteil, jederzeit auf unendlich viele Informationen zugreifen zu können – was auch ein Nachteil sein kann, weil man sich ständig mit anderen vergleicht. Mein Motto ist deshalb, genau so zu leben, dass ich mich gut fühle und stolz auf meine Zwanzigerjahre zurückblicken kann.
Und welche Themen reizen dich besonders?
Sales- und marketingtechnisch finde ich spannend, wie ein Luxushotel etwas so Vergängliches wie Zeit „verkauft“. Eine Nacht im Hotel – auch im schönsten von Hongkong – ist am nächsten Morgen vorbei: Entweder wir verkaufen das Zimmer vorher oder gar nicht. Es gibt keinen End-of-Season-Sale oder „Too Good To Go“-Programm, um das Inventar später noch loszuwerden. Die Zimmer müssen täglich „vor Ablauf“ verkauft werden, ohne dabei die Integrität der Marke zu beschädigen.
Four Seasons ist bekannt für eine besondere Unternehmenskultur. Wie erlebst du das?
Manchmal erinnert mich die Arbeitsweise an die Schweiz: Qualität steht über Quantität. Es geht nicht darum, die meisten oder grössten Hotels zu haben, sondern die besten. Die Liebe zum Detail und zur Maximierung der Zufriedenheit unserer Gäste durch authentische und herzliche Gesten wird intern gefördert und anerkannt – das motiviert mich enorm.
Die Hotellerie ist noch immer männlich geprägt. Beobachtest du Unterschiede im Führungsstil?
In den Top-Positionen gibt es tatsächlich mehr Männer. Interessant finde ich, dass sich Männer und Frauen oft weniger in ihren Fähigkeiten unterscheiden als vielmehr in ihren Ambitionen.
Zum Schluss: Was würdest du jungen Frauen mit auf den Weg geben, die in die Hotellerie wollen?
Oh, wahrscheinlich bräuchte ich diesen Rat selbst auch noch … (lacht). Unser General Manager hat mir zu Beginn etwas mitgegeben, das ich mir sehr zu Herzen nehme: „Versuche, jeden Schritt in deiner Karriere zu geniessen und überall dein Bestes zu geben.“ Gerade wir ambitionierten jungen Menschen möchten Jobs nicht unendlich lange machen – wir lieben Bewegung! Deshalb sollten wir in der Zeit, die wir haben, unsere Rolle perfektionieren und geniessen, was jede Position einzigartig macht. Und speziell jungen Frauen rate ich, sich zurechtzumachen, zu schminken und sich angemessen zu kleiden – immer. Ich weiss, dass dies etwas kontrovers klingen mag, doch in meiner Erfahrung hat sich das immer gelohnt.
















