Der Glücksfall für Swarovski

Interview: Sandra-Stella Triebl, Mitarbeit Isabel Steinhoff
Fotos: Swarovski Press

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LD73 – Mag

Wie Nathalie Colin dem Unternehmen zur Design-Globalisierung verhalf

Nathalie Colin ist super smart, sehr attraktiv, kreativ und denkt unternehmerisch. Und somit ist sie ein wahrer Glücksfall für das Unternehmen Swarovski. Die Pariserin studierte an der renommierten École Supérieure de Commerce et Marketing und doppelte mit einem Diplom am Fashion Institute of Technology in New York nach. Bei Perry Ellis arbeitete sie an der Seite von Marc Jacobs – und war später bei Promostyl die treibende Kraft, die aus dem Unternehmen einen global erfolgreichen und diversifizierten Brand machte. Bereits 1994 holte man sie als Beraterin zu Swarovski. Unternehmerisch hatte sich die Französin indessen noch längst nicht ausgetobt: 2000 gründete sie ihre eigene Agentur: Cultural Sushi. Eine Beratungsfirma für Marken- und Designstrategie. Sechs Jahre später gab sie ihre Selbstständigkeit für einen globalen Führungsjob auf: Swarovski verpflichtete sie als Creative Director und sicherte sich somit einen kreativen Jungbrunnen. Als wir Nathalie Colin treffen, bleibt uns der Mund weit offen stehen. Die 48-Jährige ist der Inbegriff von Attraktivität, purer Lebensfreude und sprudelnder Kreativität. Die Französin ist indes keine Diva, niemand, der unnahbar sein möchte. Ganz im Gegenteil. Sie beschenkt jeden Gesprächspartner mit Präsenz, Persönlichkeit, mit warmen Blicken. Und so dauert es keine drei Minuten und wir hängen an ihren tiefroten Lippen. „East meets West … etwas, das mich seit jeher fasziniert, sei es die Kultur, die Philosophie, die Balance – das Spannungsfeld zwischen Moderne und Tradition war es auch, das mich zum Namen meiner Agentur Cultural Sushi inspirierte“, sprudelt es aus ihr hervor.

 

Ladies Drive: Sie haben also diese Faszination für Asien mit Ihren französischen Wurzeln kombiniert?
Nathalie Colin: Hmm, ich bin natürlich Französin, aber eigentlich fühle ich mich wie eine Weltbürgerin. Ich reise viel und habe viele Freunde in unterschiedlichen Ländern. Wir haben diesen Mix auch in unserer Familie. Der Vater meiner Tochter ist asiatischer Herkunft, die Tochter meiner Schwester wurde in Afrika geboren.

Wie sieht es mit Ihrer eigenen Firma Cultural Sushi aus? Existiert diese noch?
Nein, leider gibt es sie nicht mehr. Als ich zu Swarovski ging, überliess ich die Firma meinem Ex-Mann, und er führte sie einige Zeit weiter, bis er nach Asien zog. Aber der Aufbau einer eigenen Firma war wirklich interessant. Es ist wie das eigene „Baby“, wenn man seine Idee in die Realität umsetzt. Und bevor ich bei Swarovski einstieg, dachte ich auch, dass ich nie mehr für ein anderes Unternehmen arbeiten würde, da ich ja mein eigenes hatte.

Aber das Angebot war zu gut?
Wissen Sie, es war so. Ich hatte mehrere Interviews und bin dann, ohne es wirklich zu wissen, immer mehr in diese Position gekommen. Aber es war phantastisch.

War es anfangs hart, das eigene „Baby“ wachsen zu sehen und es dann zu verlassen?
Ich bedauere es nicht, wenn ich in eine neue Position wechsle. Ich lebe nicht in reue bezüglich vergangener Dinge. Es war eine phantastische reise mit einer Vielzahl verschiedener Erfahrungen: mein eigenes Unternehmen, das Leben in China, und viele andere Dinge, die ich getan habe. Aber neue Geschichte, neues Kapitel, neue Energie.

Was war der Schlüsselfaktor, um bei Swarovski anzuheuern? Und sagen Sie bitte nicht „das Geld“.
nein, es ging nicht um Geld. Als ich meine vorherige Firma verliess, rief mich der Vorstand ein Jahr später an, weil er mich zurückhaben wollte. Eines seiner Argumente war, dass er mir jedes Salär zahlen würde, das ich wollte. Ich hätte also eine Menge nullen anhängen können (lacht vergnügt). Aber für mich war das bereits Vergangenheit. Zu spät! Und bei Swarovski war das so: nach meinem letzten Bewerbungsgespräch dachte ich auf dem Weg zurück zum Flughafen: „Es gibt noch andere Bewerber, also habe ich ein paar Wochen Zeit, bevor sie sich bei mir melden werden. Aber noch während ich auf meinen Flieger wartete, klingelte mein Telefon. Und es war Swarovski, die mir den Job anboten und fragten, wann ich anfangen könne. Ich hatte also nicht viel Zeit, und voilà, hier bin ich.

Wie sah das Unternehmen aus, als Sie 2007 dazukamen?
Zu dieser Zeit gab es einen grösseren Veränderungsprozess. Man wollte die Firma weiterbringen und war bereits daran, eigene retail-Stores zu entwickeln. Denn das Unternehmen war seit Beginn mehr auf die Produktion fokussiert und der Vertrieb wurde fast ausschliesslich über Multi-Brand retailer abgewickelt. Die eigenen Läden kamen erst zu einem viel späteren Zeitpunkt. Man erkannte darin aber den richtigen Weg für die Marke, sich zu etablieren. Als ich also als Creative Director anfing, sagte man mir: „Kreiere einen roten Faden zwischen den einzelnen Kollektionen.“ Da diese früher stets von verschiedenen Designern entworfen wurden, gab es grosse Unterschiede bezüglich Ästhetik und Vision. Alle Designer wurden somit mir unterstellt und meine Aufgabe war es, sie dazu anzuleiten, an der gleichen charakteristischen Vision zu arbeiten. Und der Fokus auf den Fashion-Aspekt war mir auch wichtig.

Wie hat sich der Designprozess damit im Hause verändert?
Oh, sehr. Als erstes rief ich ein Trend Office ins Leben. Wir sind ja nicht isoliert von der Welt und den anderen Marken. Wenn wir als Fashion-Accessoire Unternehmen erfolgreich sein wollen, müssen wir wissen, was auf dem Markt passieren wird. Wir haben Leute, die sich darauf konzentrieren, Trends zu entdecken, zu antizipieren, was kommen wird, welche Farbe in sein wird. So können wir das mit unseren Kollektionen vereinbaren.

Arbeiten Sie auch mit Trendforschern zusammen?
Ein paar Leute im Trend Office kommen aus dieser Branche. Sie wissen, wie man die Vorhersagen analysiert. Als zweites diversifizierte ich die Designer. nun arbeiten rund 50 Leute aus 25 verschiedenen Ländern in meinem Team. Eine solche Diversität ist für mich essenziell, um eine wirklich globale Marke zu haben. Wir entwerfen Designs, die den asiatischen, europäischen und amerikanischen Kunden gefallen. Es gibt unseren Kollektionen eine Reichhaltigkeit an Stilen, was mir auch wichtig ist.

Können Sie mir den Schlüsselfaktor nennen, der Swarovski zu einem erfolgreichen internationalen Unternehmen machte?
Mit Sicherheit war der schnelle strategische Entscheid, Swarovski zu einem globalen Brand aufzubauen, entscheidend. Aber sie hatten diese Vision eines internationalen Unternehmens. Ein zweiter Faktor ist in meinen Augen die weitläufige Akzeptanz von Kristall, unserem Rohstoff. Die Tatsache, dass dieses Material Leuten rund um den Globus gefällt, dass dafür eine gewisse Faszination herrscht, hat die Tür für die internationale Expansion geöffnet.

Anteilig gesehen, wie gross ist der Management-Anteil an Ihrem Job und wie gross der Kreativitäts-Anteil?
Ich liebe Management! Durch Absprache und Delegieren muss man viel weniger Dinge selbst tun, wenn man Leute hat, auf die man sich verlassen kann. Selbstverständlich muss man seinem Team eine klare Vision vorgeben und es befähigen. Das hier ist keine One-Woman-Show. Menschen sind essenziell, um etwas zu bewegen, das finde ich phantastisch.

Fehlt Ihnen manchmal das boutique-ähnliche Office und die Arbeitsweise von Cultural Sushi?
Bei der Arbeit eigentlich nicht. Zu Hause aber zeichne ich gerne und nehme mir Zeit für Dinge, für die im Büro normalerweise keine Zeit ist. Zuletzt hab ich zu Hause ein lustiges Comic Poster gezeichnet. Als Kind habe ich wahnsinnig gerne Comic- Charaktere gemalt. Ich habe mir Figuren und Geschichten ausgedacht. Heute mach ich das manchmal mit meiner Tochter. Wir suchen uns ein Thema und dann malen und zeichnen wir gemeinsam dazu. Es macht wirklich Spass und wir beide geniessen diese Momente zusammen.

Sie haben ja einen sehr vollen Terminkalender – was motiviert Sie und was macht Sie glücklich?
Was mich glücklich macht, ist, eine Idee in etwas Greifbares zu verwandeln. Eine Idee bleibt nicht abstrakt, sondern wird in die Realität übersetzt, 3D, in etwas Handfestes. Etwas anderes, das mich glücklich macht, ist die Entwicklung von Menschen zu verfolgen. Ich erkenne Talent bereits sehr früh und ich mag es, dieses zu entwickeln. Eine junge Frau in meinem jetzigen Team war früher in meinem eigenen Unternehmen Praktikantin. Als ich zu Swarovski wechselte, fragte sie mich, ob sie dort auch ein Stage absolvieren könne. Heute ist sie eine der vielversprechendsten Senior Designer bei uns. Ihre grossen Fortschritte über die Jahre zu beobachten, war aufregend.

Und welches ist Ihr persönliches Lieblingsstück?
Was mir aufgefallen ist: Ich trage in Momenten, in denen ich selbstbewusst und stark sein muss, immer einen bestimmten ring. Er gibt mir irgendwie Sicherheit. Es ist ein „you&me“ ring. Schwarz, mit zwei Steinen und einem Diamanten. Wirklich wunderschön, mit viel Swarovski Handwerkskunst dahinter (lächelt).

 

Die aktuellen Kollektionen finden Sie unter www.swarovski.ch. Zu den Kristallwelten kommen Sie unter www.kristallwelten.swarovski.com

Veröffentlicht online am 1 Aug., 2016

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