Bea Petri und Safi Ouattara

Text: Bea Petri
Fotos: David Biedert

League of Leading Ladies Conference 2027

LD73 – Mag

ZITATE ÜBER ZWEI WELTEN

Die renommierte Schweizer Maskenbildnerin und Unternehmerin Bea Petri hat im November 2008 im Auftrag der Schweizer Entwicklungshilfeorganisation Swisscontact vier Wochen an der Schneiderinnenschule „NAS MODE“ in der Hauptstadt von Burkina Faso, Ouagadougou, verbracht. Ziel war u. a. ein intensiver Know-how-Transfer in den Bereichen Maskentechnik und Kosmetik für Theater, Film- und TV-Produktionen. Denn Burkina Faso gilt als Zentrum des afrikanischen Filmschaffens und Ouagadougou beherbergt alle zwei Jahre das grösste Filmfestival Afrikas namens FESPACO .

Aus diesem Besuch entstand mit der Ansprechperson vor Ort, Safi Ouattara, eine aussergewöhnliche, langjährige Freundschaft zwischen zwei aussergewöhnlichen Frauen. Über alle Grenzen hinweg bewegen die beiden Frauen eine ganze Menge und geben mit „NAS MODE “ jungen Menschen in Burkina Faso eine Perspektive. Die beiden Frauen über ihre Freundschaft, ihre Sorgen und ihre Erfahrungen als Fremde im Land der Freundin.

Safi über ihren ersten Besuch in der Schweiz: „Als ich das erste Mal in Zürich landete, war es Winter. Ich fror, und meine Füsse schmerzten in den engen Schuhen. Du gabst mir eine Kappe und einen dicken, schweren Schal. Dieser verursachte mir Nackenschmerzen! Ich war so fest eingepackt, dass ich mich kaum bewegen konnte. Von der Kälte bekam ich Kopfschmerzen, und ich fühlte mich in der Kleidung eingeengt. Ich bewunderte, mit welcher Leichtigkeit du dich in Mantel, Handschuhen, Kappe und den engen Stiefeln bewegen konntest. Die Strassen waren leer, wenn ich von deiner Wohnung hinunter sah, und ich fragte dich, ob die Menschen in der Schweiz einsam sind.“

Bea über ihre erste Ankunft in Ouagadougou im November 2008: „Es war heiss und staubig, die stickige Luft war fast unerträglich. Aber ich wurde mit grosser Herzlichkeit von dir empfangen. In der Schule, die wir gemeinsam besuchten und in der ich unterrichten sollte, zeigten sich die jungen Frauen zuerst sehr schüchtern, doch nach ein paar Tagen vertrauten sie mir. Ihre Herzlichkeit und Fröhlichkeit waren ansteckend. Und ich war oft müde, die Hitze machte mir zu schaffen und die Fischköpfe konnte ich nicht essen, die man mir anbot. Du machtest dir Sorgen um mich.“

Safi über Begegnungen mit Schweizerinnen und Schweizern: „Deine Freunde, deine Mitarbeiterinnen und die Menschen auf den Strassen begegneten mir vom ersten Besuch an sehr freundschaftlich. Viele sprechen auch meine Sprache, was für mich eine grosse Erleichterung in der Kommunikation ist.“

Bea erinnert sich an ihre ersten Gefühle als Weisse in Afrika: „Nassara” – die Weisse, war eines der ersten Wörter, das ich in Afrika hörte. Wenn ich unterwegs war, so riefen mir die Menschen „nassara, nassara” nach. Kleine Kinder ausserhalb der Stadt ängstigten sich vor mir und rannten schreiend davon. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. Nur das Handeln mit den Verkäufern ist weiterhin anstrengend, weil in den Augen der Burkinabé alle Weissen reich sind, und sie die Preise ins Unrealistische erhöhen.“

Safi über ihre jährlichen Aufenthalte in der Schweiz und darüber, was sie davon mit nach Hause nimmt: „Wenn ich bei dir bin, überfällt mich immer eine grosse Erschöpfung – die Eindrücke sind überwältigend. Doch die Wochen in der Schweiz sind nicht zuletzt deshalb so wertvoll geworden, weil ich weiss, dass diese Zeit ein riesengrosses Geschenk für mich ist: „que Dieu te benisse.” Ich gewinne mit dem Aufenthalt zu guter Letzt Kraft und Energie und kann das mittlerweile grosse und anspruchsvolle Unternehmen „NAS MODE ” mit viel Elan neu und ideenreich anpacken. Ich lerne viel von dir, das ich mit nach Hause in mein Land mitnehme.“

Bea reagiert auf Safis Sorgen über ihr Wohlbefinden in Burkina Faso: „Regelmässig verliere ich ein paar Kilo Gewicht in Afrika. Die täglichen Malariatabletten ermüden mich. Meine Motivation wird aber durch die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Schülerinnen und Lehrerschaft bereichert und das gibt mir Kraft. Zudem habe ich die afrikanische Mentalität kennengelernt und fühle mich wohl mit dir! Bei jedem Besuch überraschst du mich mit Fortschritten. Ich bin sehr stolz auf dich!“

Safi beschreibt, um was sie uns am meisten beneidet: „Manchmal bin ich eifersüchtig auf eure Gesundheitspolitik. Ihr bekommt gute Medikamente, habt viele Ärzte und Spitäler. Ihr habt Krankenkassen und ihr bleibt verschont von Malaria und anderen schlimmen Krankheiten, die bei uns oft nicht heilbar sind. Auf 30’000 Einwohner in Burkina Faso kommt nur ein einziger Arzt.“

Beas grösste Mühen mit der afrikanischen Realität: „Der Aberglaube und die damit verbundenen, zum teil grauenvollen Rituale treiben mich um. Beschneidungen, Vertreibungen von Frauen aus den Dörfern als Hexen, die Armut, die Korruption, die Ungerechtigkeit, die Krankheiten … das ist für mich nicht leicht mitanzusehen.“

Safi über die Notwendigkeit von Hilfsorganisationen in Burkina Faso: „Ohne sie geht nichts mehr. Wir sind in all den vielen Jahren von ihnen abhängig geworden. Wir wollen uns entwickeln und weiterkommen. Dafür brauchen wir die Unterstützung von aussen. Unser Land ist arm, die Politik korrupt. Wir haben fast keine Bodenschätze, der Analphabetismus beträgt immer noch 70 %. Die jungen Menschen in Westafrika brauchen eine Zukunftsperspektive, sie wollen Berufe lernen, selbstständig werden und ein Leben in Würde für sich und ihre Familien schaffen. Die vielen Strassenkinder brauchen ein Dach über dem Kopf, die Aufklärung muss in den Schulen Pflichtprogramm werden. Und wir brauchen genügend zu essen und Wasser, das hat für die gesamte arme Bevölkerung oberste Priorität.“

www.nasmode.com

 

 

Veröffentlicht online am 6 Juli, 2015

Weitere Artikel in der Kategorie Lifestyle

Ladies Drive No. 73: Beauty Must Haves

Ladies Drive No. 73: Beauty Must Haves

Eure Beauty-Must-haves für den Frühling 2026
Die einzigen 5 Hautpflege-Tipps, die du dieses Frühjahr brauchst

Die einzigen 5 Hautpflege-Tipps, die du dieses Frühjahr brauchst

Sommer, Strand und Sonnenschein stehen wieder vor der Tür und jetzt verändert sich auch die Art, wie du dich schminkst.
Ladies Drive No. 73: Du bist, was du liest

Ladies Drive No. 73: Du bist, was du liest

Unsere Buch-Highlights aus der Sisterhood und darüber hinaus
Das Hotel Giardino Ascona feiert seinen 40igsten mit einer Welle

Das Hotel Giardino Ascona feiert seinen 40igsten mit einer Welle

Vom 25. bis 29. Mai 2026 findet das OLA Retreat im Fünf-Sterne-Hotel Giardino in Ascona statt – anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Hauses am Lago Maggiore.
Lalique: Wenn Licht und Luft zu Glas werden

Lalique: Wenn Licht und Luft zu Glas werden

Seit 1888 steht Lalique für Eleganz in Kristall verewigt. In der neuen Kollektion findet sich eine Leichtigkeit wieder, die wir so gut gebrauchen können in diesen alles andere als einfachen Zeiten.
Das kann das neue Samsung S26

Das kann das neue Samsung S26

Ende Februar stellte Samsung die neue Galaxy S26 Serie vor – bestehend aus dem S26, S26+ und dem S26 Ultra. Die neue Serie setzt stark auf KI-gestützte Funktionen – von Kamera bis Assistenzsystem.
Duft-Mikro-Rituale: 5 Sekunden Selfcare, die zwischen Calls und Kids wirklich funktioniert

Duft-Mikro-Rituale: 5 Sekunden Selfcare, die zwischen Calls und Kids wirklich funktioniert

Duft als 5-Sekunden-Schalter in deinem Alltag
Ladies Drive No. 72: Beauty Must Haves

Ladies Drive No. 72: Beauty Must Haves

Eure Beauty-Must-Haves für den Winter 2025/2026
Kleine Wunder…sind nicht laut. Und doch da.

Kleine Wunder…sind nicht laut. Und doch da.

Sie kommen ohne Pauken und Trompeten. Ohne Drama und den grossen Auftritt.
Unsere Sprache formt unser Gehirn

Unsere Sprache formt unser Gehirn

Mich treibt dabei vor allem ein Thema ganz besonders um: wie verändert sich unser Gehirn mit unserem emotionalen Sprachwortschatz?
Ladies Drive No. 72: Women Empowering Women

Ladies Drive No. 72: Women Empowering Women

In dieser Rubrik stellen wir ausschliesslich Produkte, Services oder Angebote vor, die von Frauen aus unserer weit gefassten Sisterhood produziert, kreiert oder angeboten werden.
Geteilte Interieur-Visionen in der Zürcher Innenstadt

Geteilte Interieur-Visionen in der Zürcher Innenstadt

Der Möbelhandelskonzern Conforama Schweiz und die französische Möbelmarke Bobochic Paris haben eine Kooperation initiiert und einen gemeinsamen Pop-up Store in Zürich eröffnet. Noch bis Ende des Jahres präsentieren die beiden Unternehmen eine kuratierte Auswahl an Möbeln in der Zürcher Innenstadt.
Ausgewählte Artikel aus der aktuellen Ausgabe des Ladies Drive Magazins werden in Kürze veröffentlicht.

Schau dir alle anderen Artikel aus der Kategorie Lifestyle an

Was erfolgreiche Frauen wirklich bewegt

Stories, Erfahrungen und Impulse, ungeschönt erzählt und echt.
Hol Dir das Abo (20.-/Jahr, 4 Ausgaben).

Ladies Drive 73 Frühling 2026. Cover

Folgt uns in den sozialen Medien, um in Kontakt zu bleiben und erfährt mehr über unsere Business Sisterhood!

#BusinessSisterhood     #ladiesdrive

Möchtet Ihr mehr News über die Sisterhood & alle Events?

Werde Kindness Economist und Teil unserer Business Sisterhood!

  • •⁠ ⁠⁠Zugang zu exklusiven Angeboten und Verlosungen, die ausschliesslich für die Newsletter-Community gelten.
  • •⁠ ⁠⁠Erfahre als Erste von unseren Events und profitiere von Spezialkonditionen.
  • •⁠ ⁠⁠Lerne wie wir gemeinsam die Welt bewegen und verändern können.

Jetzt den Ladies Drive-Newsletter abonnieren.

Sie haben den Ladies Drive Newsletter erfolgreich abonniert!

Pin It on Pinterest

Share This