Als Claudia Kraaz Anfang der 2000er Jahre stellvertretende Kommunikationschefin der Credit Suisse und damit Vorgesetzte von weltweit 50 Mitarbeitenden und einem grossen Kommunikationsnetzwerk war, hatte sie den Übernamen „Iron Lady“. Fand sie das toll? Nicht wirklich… Aber als Frau fast alleine auf weiter Flur (und erst Mitte 30 und ohne jegliche Führungsbegleitung) hatte sie das Gefühl, härter als ihre männlichen Kollegen auftreten zu müssen, um akzeptiert zu werden und sich auf diesem hohen hierarchischen Level durchsetzen zu können.
Sich verletzlich zeigen und Schwäche eingestehen? Nicht wirklich. Sich weiblich kleiden? Sie wollte ja nicht zu sexy wirken und als Frau auf sich aufmerksam machen. Sie wollte als Kommunikationsfachfrau überzeugen. Was dazu führte, dass sie ihre weiblichen Eigenschaften versteckte und sich «neutral» (meist in dunkelblauem oder grauem Hosenanzug) kleidete. Auch ihr Gesicht nahm harte Züge an.
Frauen werden noch heute in der Wirtschaftswelt genauer beobachtet und kritischer bewertet als Männer. Entweder ist frau zu sensibel und weich – oder dann zu hart. Die ehemalige Facebook-Chefin Sheryl Sandberg fragte am World Economic Forum 2016 die Männer in der Runde, wem von ihnen schon vorgeworfen worden sei, zu aggressiv zu sein – es streckte rund ein Zehntel der Männer auf. Als sie die Frauen im Raum fragte, streckte fast jede auf, inkl. Sandberg selbst. Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht das Gleiche.
Eine Frau in einer C-Level-Position erhält auch mehr Aufmerksamkeit – aber nicht unbedingt auf die Art, die frau sich wünscht. In Medienartikeln wird ein Drittel mehr über das Aussehen von Frauen und doppelt so viel über ihr Privatleben berichtet wie bei Männern. Wir Frauen sind viel exponierter – und mit Themen, die wir eigentlich gar nicht wollen. Und ausserdem: wenn ein Mann scheitert, dann scheitert er als Einzelperson – wenn eine Frau scheitert, scheitert sie im Blick der Öffentlichkeit immer als Frau.
Deshalb stellen sich viele Frauen in Führungs-Positionen die Frage: wie will (und soll) ich denn führen? Wie will ich mich geben? Über dieses Dilemma und darüber, wie authentisch weibliche Führung aussehen könnte, spricht Claudia Kraaz im «Bargespräch digital» vom 2. März 2026, 18-19h.
Mit gut 58, als Mutter von zwei Teenager-Töchtern und seit über 11 Jahren als Executive Coach von vielen Frauen in Führungspositionen tätig, weiss sie unterdessen, wie es gehen kann: durchsetzungsfähig und hartnäckig zu sein – und trotzdem Frau zu bleiben und sich verletzlich zu zeigen. Dazu möchte euch Claudia wertvollen Input geben und sich mit euch austauschen.

Claudia Kraaz (58) ist Coach in den Bereichen Führung und Stress sowie Trainerin zu den Themen Resilienz und Team-Entwicklung. Kürzlich wurde sie vom britischen «Corporate Vision Magazine» als »most inspirational executive coach» der Schweiz ausgezeichnet.
Claudia gibt zudem Workshops für Businessfrauen, ist Verwaltungsrätin des Zuger Kantonsspitals und hat zwei Bücher geschrieben (Themen: «Resilienz» und «Erfolg»). Früher war sie 13 Jahre in leitenden Funktionen in der Unternehmenskommunikation tätig, u.a. als stv. Kommunikationschefin der Credit Suisse, wo sie für die weltweite Medienarbeit, die interne Kommunikation und die Beratung des CEOs Oswald Grübel zuständig war und in dieser Funktion 50 Mitarbeitende führte.
Mehr über Claudia: www.stressandbalance.ch

















