Chanel ist Frankreich. Chanel ist der Inbegriff von Stil. Die Person Gabrielle Chanel ist der Inbegriff von Stil. Jeder, der auch nur einen Hauch Affektion für Haute Couture hat, träumte sich schon mal in die Rue Cambon 21, dort, wo Madame 1910 ihre erste Boutique – ein Hutatelier war’s! – eröffnet hat. Gabrielle «Coco» Chanel ging gerne ins Café, man sagt, das «Angelina» sei ihr Lieblingscafé gewesen, fragen können wir sie nicht mehr. Aber ob in diesem oder im für seine Literaten und Künstler berühmten «Café de Flore» in Saint-Germain: Ganz sicher hat sie dort gesessen, etwas heisse Schokolade oder Champagner bei einer Zigarette oder was-auch-immer genossen und die Menschen beobachtet. Was mögen sie? Worauf reagieren sie? Wie flirten sie? Was macht sie traurig? Was macht sie überglücklich?
Café Mademoiselle
Dieses Ambiente hat das Schweizer Team von Chanel in seiner Heimatstadt Genf als Café-Mademoiselle-Pop-up aufleben lassen. Um dort die Lancierung eines neuen Parfums der Maison und die Präsentation einiger neuer Make-up-Produkte zu zelebrieren. Als Location für das Pop-up diente das bezaubernde Café Le Lyrique mit seinem schönen Garten und dem Art-Déco-Interieur.

Alles war auf Liveerlebnis ausgerichtet (und es tut irgendwie weh, dass man das heute explizit kreieren muss, so ein Erlebnis!). Von der freundlichen Blumenbinderin, die jedem einen Strauss in der flirrenden Hitze des Sommertages band, über die eifrigen Produktmanagerinnen, die jedes Produkt persönlich in einem one-to-one-Gespräch auf Wunsch erklärten, bis hin zu einem Briefkasten, in den man handgeschriebene Postkarten einwerfen konnte, und Chanel versprach, sie zu verschicken (Chanel hat es getan, sind alle angekommen!). Auch ein Telefon mit Tasten stand dort, hinter jeder Nummer verbarg sich eine Geschichte. Über einen Crush oder eine Liebesgeschichte, mit Happyend oder ohne. Und Bücher standen herum, ganz viele Bücher. Über Design, über Chanel, über Stil.

Eine Frau wie sie wie wir
Begleitet wurde die Lancierung des neuen Duftes Crush Absolu von einem Video, einem Kurzfilm eigentlich, der eine junge Frau – dargestellt von Gracie Abrams – zeigt, die unbekümmert durchs Pariser Nachtleben streift. Den – Männern – verschlägt es den Atem, wenn sie sie sehen, Frauen werfen ihr bewundernde Blicke zu. So weit so klischeehaft. Eine Frau, in der wir uns alle wiederfinden sollen? Gracie Abrams ist die neue Botschafterin im Haus Chanel für den Duft, für die Kampagne.

Sie sei unglaublich stolz darauf, lässt sie in einem Interview mit der Maison vernehmen. Schon klar: Die Folksängerin reiht sich nahtlos in die Reihe ganz grosser Namen ein, die Chanels Düfte vertreten durften: Marilyn Monroe, Nicole Kidman, Audrey Tautou, Kate Moss, Inès de la Fressange, Kristen Stewart und andere. Und irgendwie kommt Gracie der jungen Gabrielle Chanel optisch wahrscheinlich schon nahe. Sie verkörpert das, was man heute denken soll, was Madame als junge Frau war: Innovativ, sich nicht drum scherend, was andere sagen, einfach machen. Das kann man nachvollziehen.
Mix absolu
Der neue Duft gefällt ausgesprochen gut. Er wurde vom Parfumeur Olivier Polge kreiert, Hausparfumeur bei Chanel, schon sein Vater Jacques stand in den Diensten in selber Funktion bei Chanel.

Wenn man ein Haus so in- und auswendig kennt, könnte es sein, dass der Schritt zu etwas wirklich revolutionär Neuem eher schwerfällt, man bleibt gerne bei dem, was funktioniert. Ein bisschen so ist das gewesen bisher bei Chanel, es wurden keine allzu grossen Sprünge gemacht. Formeln für langjährige Düfte mussten zwar überarbeitet werden, weil die Gesetzgebung immer wieder über die Rechtmässigkeit der Verwendung bestimmter Ingredienzen in der Kosmetik befindet. Im Zuge dessen haben sich auch All-Time-Hits wie Chanel N°5 leicht verändert. Aber so richtig aufregend Neues – vielleicht habe ich das verpasst. Crush Absolu jedenfalls hat mich sofort begeistert, und auch nach längerem Tragen auf der Haut an einem heissen Tag, wo man draussen sofort anfängt zu transpirieren und eigentlich nur noch in die Kühle möchte und schon gar nicht schwere Düfte ertragen. Die Duftstoffe kommen von Grapefruit, Lychees, Rosen, Jasmin, Patchouli, dazu Vanille und Vetiver. Eigentlich keine Hexerei, die Zutaten sind bekannt, aber die Mischung macht’s eben.

Total Look
So ganz nebenbei wurde auch eine Makeup Collection vorgestellt mit limitierter Lidschattenpalette, einem Lippenstift, in dessen cremige Oberfläche das Chanel-Logo geprägt wurde (wer will das jemals zerstören mit profanem Auftragen?), einem Blush, einem Stylo für die Augen und einem Nagellack. Der Total Look sieht sehr natürlich aus – wenn man ihn beherrscht.












