„If the stars align, the universe delivers“
sagt Mel, Melanie Lennert, in voller Überzeugung.
Die zweite Melanie im Bunde, Melanie Tschugmall, nickt zustimmend. Zwei Gründerinnen, gleicher Vorname. Zufall? Eher meant to be. Gemeinsam haben sie CRO2go gegründet – eine Boutique-Beratung mit einem Modell, das in Europa noch kaum etabliert ist: Fractional Chief Revenue Officers. Klingt erklärungsbedürftig? Ist es auch.
Ein Chief Revenue Officer, kurz CRO, verantwortet Wachstum und Umsatz eines Unternehmens. Er oder sie verbindet Marketing, Vertrieb und Kundenbetreuung zu einem gemeinsamen System. Viele Unternehmen arbeiten in diesen Bereichen noch in Silos – und verlieren dadurch Tempo, Kunden und Umsatz. CRO2go setzt genau dort an. Und zwar nicht als klassische Beraterinnen, die Konzepte schreiben und wieder gehen, sondern als sogenannte Fractional Executives: erfahrene Führungskräfte auf Zeit, die operativ mitarbeiten, Verantwortung übernehmen und Wachstum mitgestalten – ohne dass ein Unternehmen sofort eine Vollzeit-Executive-Stelle besetzen muss.
Warum dieses Modell gerade jetzt boomt? Weil Wachstum in turbulenten Zeiten oft nicht mehr Ressourcen braucht, sondern eine intelligentere Nutzung bestehender Ressourcen. Laut Fractionus stieg die Nachfrage nach Fractional-Führungskräften zwischen 2023 und 2024 um 68 Prozent. Gartner prognostiziert, dass bis 2027 über 30 Prozent der mittelständischen Unternehmen mindestens eine Fractional Executive einsetzen werden. Unternehmen berichten laut Fractional Executives Impact Report 2025 durchschnittlich von bis zu 63 Prozent Umsatzsteigerung innerhalb von sechs Monaten.
Die beiden Gründerinnen kennen diese Dynamik aus erster Hand. Mel arbeitete bei UBS und JP Morgan, Melanie unter anderem bei Zühlke und SAP. Internationale Teams, grosse Verantwortung, hoher Ergebnisdruck. Doch beide kennen auch die Scale-up-Welt – und irgendwann kam bei beiden dieselbe Frage auf: Wie lässt sich Erfahrung so einsetzen, dass daraus nicht nur Einkommen, sondern echter Impact entsteht? Wie gestalte ich meine berufliche Zukunft selbst, wie skaliere ich mein Wissen? Wie verbinde ich finanzielle Unabhängigkeit mit echter Wirkung?
Kennengelernt haben sie sich fast zufällig. Beide hatten sich unabhängig für dasselbe Leadership-Seminar angemeldet – in unterschiedlichen Klassen. Ohne eine gemeinsame WhatsApp-Gruppe hätten sie sich vermutlich nie getroffen. Dort fiel Mel eine Frau auf, die ständig andere unterstützte, Menschen vernetzte, Fragen beantwortete und Events organisierte. Melanie Tschugmall. „Bist du diejenige, die alle so aktiv unterstützt?“, wurde Mel immer wieder gefragt. „Leider nein“, antwortete sie irgendwann leicht errötend. Sie musste diese Energiewolke kennenlernen.
Aus dieser Begegnung entstand mehr als Freundschaft. Melanie stieg als Co-Founderin in Mels bestehendes Unternehmen ein – und gemeinsam entwickelten sie daraus CRO2go. Komplementär in ihren Fähigkeiten, erstaunlich gleich in ihren Werten: Direktheit, Verlässlichkeit, hohe Standards und Empathie ohne Ego. „Gibt es Herausforderungen und Unsicherheiten? Ja, klar – täglich. Aber wir lernen schrittweise, damit umzugehen.“
Ein Begriff fällt im Gespräch immer wieder: Go-to-Market – kurz GTM. Gemeint ist die Strategie, wie ein Unternehmen ein Angebot erfolgreich in den Markt bringt. Mel erklärt es mit einem Bild: Go-to-Market sei wie der Flugplan eines Flugzeugs. Der CEO ist Pilot und legt Route und Ziel fest. Der CRO ist Co-Pilot und sorgt dafür, dass diese Route sicher, effizient und punktgenau umgesetzt wird – über Marketing, Vertrieb und Kundenbeziehungen hinweg.
Ein schönes Bild. Und ein ernstes Thema. Denn laut GTM Consult entstehen 60 bis 70 Prozent von Umsatz-Underperformance durch Fehler genau in diesem Bereich. Laut Harvard Business School verfehlen 72 Prozent aller Produkt-Launches ihre Ziele wegen mangelhafter GTM-Umsetzung. „Die Zukunft gehört Unternehmen, die Go-to-Market als System verstehen“, sagen die beiden.
Zu ihnen kommen Unternehmen oft dann, wenn es brennt: nach Finanzierungsrunden, bei Fusionen, vor kritischen Produkt-Launches oder wenn KMU neue Märkte erschliessen wollen – und wenig Zeit für lange Rekrutierungsprozesse haben. „Senior Firepower on Demand – deshalb auch unser Name: CRO to go“, sagt Melanie.
Das Modell ist zugleich kostenoptimiert. Eine Fehlbesetzung auf Executive-Level kann laut Forbes schnell das Fünffache eines Jahresgehalts kosten – Opportunitätskosten nicht eingerechnet. CRO2go will genau dieses Risiko überbrücken. Ihre methodische Basis nennen sie GTMRev Framework – ein proprietäres Modell mit drei Säulen: The Science, datengetriebene Klarheit über Pipeline, Positionierung und Wachstumspotenziale. The Soul, menschenzentrierte Führung, weil Systeme nur funktionieren, wenn Menschen sie tragen. Und The Speed, strategische Agilität, die Enterprise-Disziplin mit Start-up-Geschwindigkeit verbindet.
Daraus entstanden drei Angebote: ein Roadblock Audit mit 30-Tage-Aktionsplan, ein 90-Day Revenue Engine Build zum Aufbau skalierbarer Wachstumsstrukturen und ein On-Call Revenue Leader Modell für Unternehmen, die langfristige Führungsstärke auf Fractional-Basis brauchen. 64 Prozent aller B2B-Leader sehen laut High Alpha Go-to-Market als grösste Wachstumsherausforderung. Beide kannten das. Mel arbeitete bereits mandatbasiert und wusste: Dieses Modell funktioniert. Melanies Moment kam anders. Sie wachte eines Morgens auf, setzte sich hin und schrieb intuitiv ein Konzept – ihre Skillsets, ihre Vision, sogar erste Monetarisierungsansätze. Ohne gross nachzudenken, schickte sie es Mel.
Antwort: „We need to talk.“ CRO2go war geboren.
Noch vor dem Launch der Website kamen die ersten Kunden. Heute arbeitet das Team in DACH, Nordics, Singapur und den VAE. Kunden nennen sie liebevoll „M&M“ oder „die 2Ms“. Was sie schätzen? Harte Revenue-Orientierung – gepaart mit menschlichem Feingefühl.
Wie das aussieht, zeigt ein Schweizer Mandat: kritischer Produkt-Launch, wenig Zeit, ein Go-to-Market, das nicht funktionierte. CRO2go kam rein und stellte innerhalb von fünf Wochen das Schiff neu auf: Positionierung geschärft, Wachstumsarchitektur aufgebaut, Vertriebsbewegungen definiert, Pitching und Einwandbehandlung (zum Beispiel Reklamationen, Kundenrückmeldungen) trainiert. Keine langen Konzeptphasen. Direkt wirksam.
Oder ein schwedischer Gründer im ersten Jahr des Unternehmens. Umsatzstrategie und Partnerschaften mussten von Grund auf entstehen. CRO2go entwickelte Revenue-Architektur, definierte Kanäle und Partnerschaften – und blieb als Fractional CRO an Bord. Ergebnis: zweistelliges Umsatzwachstum im ersten Jahr. Nicht Beratung. Mitverantwortung.
Von Anfang an war klar: Sie kommen nie allein. Als Duo decken sie sämtliche Revenue-Rollen ab – von Marketing über Sales bis Post-Sales – und bringen eine kognitive Diversität ein, die Einzelpersonen kaum leisten können. Gerade in komplexen Go-to-Market-Situationen ist genau das entscheidend.
Dazu kommt eine seltene Kombination: Corporate-Exzellenz aus Top-Tier-Häusern und echte Start-up-Agilität. Global gedacht von Tag eins an. Denn Revenue kennt keine Grenzen. „The highs are high and the lows are low – aber ich würde für nichts auf der Welt diese Erfahrung missen wollen. Man baut sich aktiv seine Zukunft auf.“
Und genau das tun sie.
Die Agenda ist ambitioniert: mehr Mandate, Ausbau des Kernteams, geografisches Wachstum. Und ganz vorne mitspielen, wenn künstliche Intelligenz und neue Technologien Revenue-Architekturen neu definieren. Denn – so ihre Überzeugung – wer Go-to-Market der Zukunft gestalten will, muss heute verstehen, wie Technologie Wachstum verändert. Dabei setzen sie bewusst auch auf Gemeinschaft. Etwa mit Blaze by CRO, einer Community für weibliche Fractional CxOs. Weil sie überzeugt sind: Die stärksten Bewegungen entstehen gemeinsam.
Global präsent. In der Schweiz verwurzelt. Und mit dem Anspruch, das Fractional-Modell in Europa nicht nur zu etablieren – sondern auch mitzuprägen.
Melanie Lennert und Melanie Tschugmall stehen auch beim Female Innovation Forum als Speakerinnen auf der Bühne.
Mehr über das Female Innovation Forum erfährst du auf der Eventseite.























